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Jeschurun · 1885-03-26 · Heft 13-14 (26.3.1885) · p. 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 13-14 (26.3.1885)
Article
Aus dem Repräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1885-03-26
Page
204 (sequence 2)
Language
German
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204 des x^ntcreffantcii genug boten; nur btc Rede eines Mannes wollen wir hier genauer betrachten, weil sie uns einen gar zu lehrreichen Einblick in die Gedankenwertüätte eines berühmten Psychologen gewährt. Gemeint ist die Rede des Professors V a; a rus, Vorsitzenden des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, Repräseutauten der Berliner Gemeinden u. s. w. — Wie c8 von einem großen Manne nicht anders zu erwarten war, l zergliederte er die Sache prächtig, so prächtig, daß mau! endlich einmal!׳agen konnte, man habe etwas Positives! ans Lazarus Munde vernommen. Ausgehend von dem! Talmudischen, daß der zweite Festtag wie Wochentag! in Bezug aus eine Leiche sei, bewies Herr Professor Lazarus, daß es also gestattet sei, durch halb Berlin zu. kutjchireu, um einer Leiche die letzte Ehre zu erweisen! Das nennt der Herr Professor Logik und thut sich aus dieselbe — wie wir noch weiter sehen werden — recht viel zu gute! — Zeine Ausführung gipfelte aber in dem herrlichen Satze, daß für ihn nur zwei Gesetze zu recht beständen: jenes talmudische. welches ganz deutlich (sic!) für ihn spreche und — jenes Gesetz vom Fahre!881, so der unfehlbare Gemeindevorstand gegeben habe. Auch das ist Logik! Im weiteren Verlaufe aber seiner Rede machte der Herr Professor einen Unterschied zwischen den Gesetzen und Gebräuchen, die einen logischen Grund haben, und solchen, die nur auf -- Dummheit basiren. Zn den letzteren rechnete er natürlich das Verbot des Fahrens am י״ט; denn es sei ja sicher eine größere ״Arbeit" zu gehen als zu fahren. — Nun, Herr Professor, warum in aller Welt ziehen Sie nicht die Kousiguenzen dieses weisen Einwurfs? Warum soll am Sonnabend dasjenige eine Anstrengung sein, was am zweiten Festtage keine Arbeit ist? Zie sehen also, geehrter Herr, daß Sie nicht nur nicht logisch, sondern nicht einmal konseguent verjähren. andere Gesetze, die rein ans Dummheit basiren, und zu letzteren rechnet er das Verbot des Fahrens am ט"\ In einer Sache nur stimmen wir ganz mit Profcssor Lazarus überein, darin nämlich, was er über die Rücksichtnahme des Vorstandes auf die vergewaltigte orthodoxe Minorität der Gemeinde sagte. Mit vollem ׳Rechte konnte der Herr Professor daraus Hinweisen, daß der Vorstand durch Einführung eines sogenannten Gebetbuches, durch Einführung der Orgel die Gefühle der Andersdenkenden so rücksichtslos verletzt habe, daß es geradezu lächerlich erscheine, von Rücksichtnahme aufGefühle u. s. w. in einer solchen Lappalie zu reden. Ganz uufere Meinung. Herr Professor! So viel, wie der hiesige Synagogeu-Vorstand, hat kein anderer gewagt, und es war dem hiesigen Vorstände Vorbehalten, seine Synagoge zu einem Konzerthause nmzu vandeln. Auch wir bedauern lebhaft das Votum der Repräsentauten-Bersammlung vom!5. d. M., welche mit vierzehn Stimmen gegen fünf dem Anträge der Beerdigungs-Kommission zustimmte; aber unsere Gründe sind anderer Art. Wir wünschen, daß vor Allem Klarheit in Israel herrsche, daß man wisse, wo Judenthum isl und wo kein Judenthum mehr ist: uns ist nichts mehr verhaßt, als jene Halbheit, jene Heuchelei, die sich in jenem Votum aus-! spricht. Wir wünschen immer nur solche Beschlüsse, wie den betreffend Bestattung Andersgläubiger auf jüdischen Friedhöfen, damit es endlich orick 6t, urdi klar werde, daß es ein Hohn sei, von einer jüdischen Gemeinde Berlins zu sprechen. Per Simtföiirim ארבעה ינים. Eine Sederbetrachtuttg. Von Rabbiner l)r. Jacobson in Zchrimm. Dagegen betrachtete es der Redner als ganz im Nahmen logischer Entwickelung liegend, wenn aus dem Verbote des Kochens eines Bäckchens in der Milch der Ziege das Verbot des Genusses milchiger Speisen in derselben Stadt, in welcher fleischige Speisen gekocht und gegessen werden, gefolgert würde. Er führte näntlich aus, er finde es ganz natürlich, daß sich aus dem ursprünglichen Ver׳ bote des Kochens eines Bäckchens in der Milch der Mutter, später das Essen eines solchen gekochten Böckchcus, dann das Verbot des Kochens von Milch und Fleisch überhaupt, endlich das Gebot, sechs Stunden zu warten, entwickelt habe. Um nun die Sache nicht lächerlich zu machen, fügte er auch noch hinzu: ״Ja, ich würde es sogar logisch finden, wenn daraus das Verbot ׳des Kochens und Essens milchiger Speisen in derselben Stadt, wo fleischige Speisen am selben Tage gekocht wurden, gefolgert würde. Dagegen giebt eS Wir feiern unseren nationalen Geburtstag. Mit dem jungen knospenden Lenze der Natur kommt der fröhliche Frühling der Geschichte, unserer Geschichte. Wenn die Erde sich der eisigen Umarmung des Winters entwindet, wenn sie die Frostesdecke gegen die weiche Matte tauscht, wenn ihre Flur sich schwellt in saftigem, blühendem ׳Leben und, von der Sonne geweckt/ der Erdensproß sich gen Himmel sehnt, dann feiert Israel den Gedenktag, wo auch sein Frost geschmolzen, wo auch aus seiner Erde, von der Freiheitswärme gerufen, frisches Leben emporkeimte, und wo dieses neue Frciheitsleben sich kundgab in der Beugung des vom Sklavenjoch befreiten Nackens und des vom Götzendru'ck gelösten Herzens unter die Oberherrlichkeit des ewigen einzigen Gottes.;אנא ה׳ בי אני עבדך אני עבדך• ב ״ אמתך פתחת למוסריGott, daß ich Dein Knecht bin, der L-ohu Deiner Magd, damit hast Dumeine Fesseln

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