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Jeschurun · 1885-03-19 · Heft 12 (19.3.1885) · p. 188

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 12 (19.3.1885)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1885-03-19
Page
188 (sequence 2)
Language
German
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188 semitische Redner zu trüben, indem er;n ihrer Feier hörte des fanatischsten Hasses gesprochen. Das ist sicher nicht die würdigste Weise, Königin Luisens Gebnrtstag zu feiern. 0. AuS dem Negier ttnqsbe.zirk Kassel. Veranlaßt durch einen Spezialfall, bringt die Königliche Regierung zu Kassel folgenden Ministerialerlaß zur Kcnnlniß der Gemeinden ׳. Seitens des Herrn Ministers des Innern ist durch Erlast vom 3. Dezember u. j>. die Anstellung besoldeter Schächter seitens der israelitischen Gemeinden für unzulässig erklärt worden, weil cS mit der Bestimmung des £ (> der Verordnung vom 3!». Dezember 1S23 (betrifft die Anstellung und Qualifikation der Schächter, Anmerkung des Referenten) als nicht vereinbar erscheint-, wenn einzelne der vorrnals Knrhessischen Synagogengemeinden Schächter gegen ein ans der Gemcindekassc zu zahlendes Gehalt anstcllen." Bleiben auch die meisten Gemeinden des diesseitigen Bezirks von der Auslegung des angezogenen Paragraphen unberührt, da deren Schächter -.cS sind das im allgemeinen die Lehrer — ohnehin kein fstirtcS Einkommen hatten, also nicht von der Gemeinde angesiellt waren, so dürfte jedoch für die Folge die Stellung der Schächter in den wenigen Großstädten unseres Bezirkes eine ungünstigere werden, nicht mir bei der Anstellung, sondern Haupte sächlich bei der Pensionirung. Anstatt in die Hand des Gemeiudevorstaudes wird jetzt das Wohl und Wehe der Schächter an manchen Orten in die Hände der Metzger gelegt; dast dadurch aber der Schächter auch in Versuchung geführt und die Zuverlässigkeit der Schechita leiden kann, mag nur augcdentet werden. צ Aus Bcryern, März. Sie brachten in Ihrer letzten Nummer eine Korrespondenz anS Berlin, in welcher der Klage über die Verworfenheit mancher Mitglieder unserer jüdischen Gemeinschaft Ausdruck verliehen wird, welche aus irgend welchen verwerflichen (Gründen durch ihr unbefugtes Treiben in der antisemitischen Bewegung dieser in gefährlichster Weise Vorschub leisten. Aber — und das möchte ich zum Gegenstände meiner Korrespondcn; machen — nicht allein ist cs Schlechtigkeit, nein, wohl eben so viel Schaden bewirkt die grenzenlose Thorhcit vieler sonst ehrcnwcrther Glaubensgenossen. Zwar sind diese weniger schuldig, da sie nicht in böswilliger Absicht oder aus sonst niedriger Veranlassung mehr oder weniger unbewußt schaden. Doch das ist cS eben, was ich rügen möchte, daß cS ihnen nicht zum Bewußtsein kommt, wie 'thöricht sic handeln. Zum Beispiel diene Folgendes.- In einer bayerischen UniversitütSstadt hat sich eine Anzahl jüdischer Studenten zu einer Verbindung znsammcugcthan, -welche gesellige Zwecke verfolgen will, d. h. zu kneipen. Sie zählt, wie ich gehört habe, etwa 12 bis 14 Mitglieder. Ich stehe studentischen Kreisen völlig fern und will auch meine Meinung über ״studentische Sitten" zurückhalten. Ferner hat diese Verbindung den Paragraphen ausgestellt, nur solche als Mitglieder aufzunchmcn, welche unbedingte Satisfaktion auf alle Waffen geben. Ganz abgesehen davon, ob das Duell verwerflich ist oder nicht, kann ich nicht begreifen, dast denkende junge jüdische Akademiker sich zu einer solchen Gesellschaft znsammcnthnn. Sehen sie denn nicht ein, daß sie damit die nichtjüdischen Studenten zum Angriffe provoziren? Gewiß haben jüdische Studenten dasselbe Recht, eine konfessionelle Verbindung zu gründen, tvie etwa katholische Vereinigungen cxistiren, aber ist cS vernünftig solches zu thun? Auch kann ja jeder jüdische Student für sich privatim es halten, wie er will, er kann sich irgend einer bestehenden Verbindung anschließcu — sobald aber eine ausgesprochene jüdische Studenten-Vereinigung sich zusammcnthut zu solch einem Zwecke, solchen Bedingungen — quasi ein Nachäffen der andern Verbindungen — so muß dieses nnbedingt als Provokation gegen die uichtjüdischcn Studenten erscheinen. Ist cS denn so nothwendig, daß eine solche jüdische Verbindung mit Bedingungen über Satisfaktion, mit Ehargirtcn w besteht? Und wenn solches euch wirklich Vergnügen bereitet, so laßeinmal die Vernunft über den :Reiz zur Freude herrschen. Ich möchte den jungen Herren den Rath geben, solche Thorheiten bei Seite zu lassen, dem NischnS kann! solches Treiben nur Vorschub leisten. Ihr habt vom 1 allgemeinen Standpunkte anS dasselbe Recht, wie die; nichtjüdischen Studenten, ° aber dennoch gebietet euch! die Vernunft, zurückhaltender und weniger heraus-! fordernd zu sein. Wollt Ihr eine Gesellschaft jüdischer j Studenten haben, so bildet eine solche etwa für; literarische Zwecke, ohne Bedingungen über das Geben s von Satisfaktion — eine solche Gesellschaft wird ׳ gewiß Niemand herausfordernd nennen. Fort mit der j Thorheit, es siege die Wahrheit und die Vernunft. Oesterreich-Ungarn.! 0. Wien, 10. Mürz. Dem ..Pokrok" zufolge , hat Graf Taaffe beschlossen, alle Versammlungen,! welche die Nordbahn Frage zumThema nehmen, in Zukunft - zu untersagen, weil bei den letzten hier stattgchabtcn : derartigen Versammlungen antisemitische Dcmonstrationcn stattgesunden haben. Von Seiten der Antii scmiten wird diese Nachricht natürlich bestritten, indem! sie meinen, cS würde nichts mehr nützen, einen Versuch ' zur Unterdrückung des Antisemitismus zu machen. Derselbe habe bereits bei der Stadt- und Land- : bcvölkerung ganz Oesterreichs derartige Dimensionen - angenommen, daß ein Versuch zur Beseitigung desselben

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