Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1885)
- Article
- Der Antisemitismus des Philosophen
- Date
- 1885-03-19
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
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180 weil von ihm verstandenen, äußern trübseligen, schweren j zu geben, jenem nicht. Aber nicht in wilden Schlägen (beschicke sich die ftraft zu erhalten vermochte und er; pocht eS ausgeregt an meine Brust, nicht stürzt mein nicht das Scheusal geworden, zu welchem ihn Hart manu; stempeln möchte, daun giebt es nur die eine Antwort: ■ weil eS. eben der jüdische Stamm gewesen. der Träger; des t^oucsgesetzes. Sas Andenthum ließ den Inden der Feindschaft Viebe, bem Hasse brüderliche 'chesiunung, der barbarischsten Verfolgung Menschenfreund׳, lichseit cntgegenstcllen. Das Audeuthum war cs und ist es, welches in den jüdischen Häusern den de׳ glückenden reinen Tyamiltciifinn, in dem jüdischen Kopse die Klarheit des Gedankens, in den׳, jüdischen -Herzen die mildeste Sauftmnth, in der jüdischen Brust den Trost der -Hoffnung pslanzte und pflegte, so daß der jüdische Slamnt unter den unsäglichsten Qualen des ihm ausgebürdeten Martyriums nicht nur seine Tugend nicht cinbüßte, sondern ihm auch daS Hache!!! nicht von der Hippe und die -Heiterkeit aus dem -Herzen entschwand. Ja, ein tieferer Einblick in die Gestaltung des inner׳.! jüdischen HcbcnS!nährend der Jahrhunderte der Bedrückung und Verfolgung gewährt das erhebende Schauspiel eines glücklichen, traulichen, friedlichen, tugcudhaften Wandels und einer auf das höchste Ziel gerichteten unausgesetzten GeisteSthätigkeit nicht allein der Hähern, bessern jüdischen Kreise, sondern fast ausnahmloS aller Insassen der engen Ghetti, in welche eine verblendete rohe Zeitgenossenschaft den jüdischen Bruder eiupserchte. Davon hat -Hartinann freilich keine Ahnung, und cs fehlt ihn! durchaus die Fähigkeit zun! Berstäuduiß dieser stillen, aber imponircudeu Größe des Anden im Mittelalter,!veil seinen! atheistischen Pessimismus das Verständnis; für die Quellen derselben völlig mangelt. (Schluß folgt.) Tr!n!!?!hiider. Bau Su. Hh. Die Sonne sinkt,?!och einmal sendet sic der müden Welt ihre rosigen Strahlen — den Abschiedsgrüß des holden Tages. Ein Heuchtcn noch — der schimmernde üuiiib am westlichen -Horizont erbleicht — matter und matter wird der röthliche Gürtel — matt, wie die ermattete Erde — cS ist Nacht. Bläulicher Dunst lagert auf den fruchttragenden Feldern, von den blumigen Wiesen schallt noch der Nachtrnf der Wachtel — jetzt schweigt auch sie, die Zeit der Ruhe ist da. O, wer sie finden könnte, die FriedenSruhe, wer seine!׳.! müden -Herzen die Ruhe geben könnte, den beseligenden Berschencher der Sorgen! 8a, mein Herz ist müde wie!nein Heib — ach, diesem vermag ich die Ruhe Blut in jäher Haft dnrch meine Adern, nicht glüht!nein Kops vor leidenschaftlichem SchmerzeSdruckc — nein, still und heimlich nagt eS wie ein Wurm in meinem -Herzen, langsam fließt '!nein Blut,!nein Kops ist kühl, als bewegte mich nicht die Gewalt des KnuunerS — und doch möchte ich ausschreien .— aufschrcien in wildem Schmerze, möchte ihn hinansschmcttcrn der schnöden Welt entgegen, möchte mit starker Gewalt die Fesseln sprengen, möchte — doch ruhig, ruhig! Mein Heib sehnt sich nach Ruhe — meine Glieder sind ermattet. — Nimm mich/o Schlaf, in deine weichen Arme, laß mich ruhen, ansruhcn von den Mühen des TageS - gieb meinem Körper die Ruhe — ach, dem -Herzen vermagst du es nicht. — Schlafe, schlafe, müder Erdensohn. schlafe — Ruhe — Ruhe. —-Da — horch! eine Stimme, überirdisches Geflüster: ״Blick um dich, Sterblicher! Du suchst nach der Ruhe des Herzens — bu kannst sie finden — sic finden in dem Geschicke der Zeiten!" Und siehe! Ich stehe in dichtem Walde. Die mannigfaltigsten Bäume stehen bunt durcheinander, sie scheinen einander zn hindern im Wachsen durch ihre gegenseitige Nähe, und doch sind eS meistens große gewaltige Waldricjcn mit mächtigen Kronen, mit Blättern und Früchten an den starken Aesten. Auch kleinere Bäume sehe ich im Schatten der großen, viele von ihnen sind aber gestürzt, da ihnen die Nahrung von den gewaltigen Stämmen entzogen. Aber was sehe ich? Nur scheinbar sind die!nächtigen Bäume stark und fest, au dem unteren StammeSeude sind sie schon morsch 'und faul, ihr Mark ist durchfcessen von gefräßigen Würmern und Käsern, ihre Wurzeln werden trocken, ihre Früchte sind verfault, ihre Blätter verwelkt. Wie lange noch? Und sie werden am Boden liegen. Aber dort! Ans einer Hellen, lichten Stelle des Waldes, höher gelegen als die anderen, und getrennt von diesen, steht ein Herrlicher Stamm. Nicht so dick wie die übrigen Banme, aber höher und schlanker. Sein -Holz ist zähe und markig, seine Rinde frisch und grün, seine Zweige nicht weit verbreitet und alles beschattend, sondern in die -Höhe strebend, dem klaren, reinen Sonnenlichte Platz lassend, den ganzen Baum mit seinen Strahlen zu vergolden. Und an den Zweigen sind herrliche Früchte, saftige Blätter. Doch horch! Heise rauscht eS au seinen Wurzeln. Ein reiner, klarer Quell von köstlichstem Wasser bespült dieselben, und das herrliche Naß, in welches die Wurzeln hineinragen, scheint der Born der Vollkraft und der Blüthe für den wunderbaren Baum zn sein. — Da — cS -wird dunkel — mein Geist wird umnachtet — und wie ich wieder ansblicke, schaue ich