Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1885)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1885-03-12
- Page
- 172 (sequence 2)
- Language
- German
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172 Zabbathen die zum Besuche der Synagoge nöthige Zeit freigcgeben werde," wird verfügt: ״daß den israelitischen Schülern an Labbathen Dispens vom Volksschulunierricht ertheilt werden müsse für die Zeit des Sabbathgoltesdicnstcs, sowie für die Zeit, welche nothwendig ist, um zur Synagoge (gleichgültig, ob dieselbe in einem benachbarten oder im Schulorte sich befinde) zu gelangen und von ihr wieder zurückzukehrcn. Solchermaßen wird der auch den Juden eingeräumten Ge- Wissensfreiheit Rechnung getragen; ob nach mosaischen Vorschriften Knaben unter 13 Jahren der Besuch des Gottesdienstes geboren ist oder nicht, haben die staatlichen Schulbehörden nicht zu untersuchen und kann die Bcurtheilung der Frage außer Würdigung bleiben." Es ist Pflicht der Eltern, daß sie von der königlichen Entschließung den weitesten Gebrauch machen und ihre Kinder zum Gottesdienste am Sabbath anhaltcn. (Es wäre erwünscht, wenn Jemand in diesem geschätzten Blatte ״den Religionsunterricht in den bayerischen Staatsschulen" näher beleuchtete.) M. Aus dem Grosjherzogtlnrm Hessen, 5. März. Wenn die Sonne am Firmament nach durchlaufener Bahn herabgesunken ist und Nacht die Erde umhüllt, dann zieht ein zahlreiches Heer von Sternen am nächtlichen Himmel herauf, und mit ihrem milden Leuchten deuten sie hin auf den Glanz der Sonne, von deren Glanz noch jetzt sie leuchten, wenn auch die Sonne verschwunden ist. Und wenn ein Mann nach treu vollbrachtem Tagewerk, nachdem er sonnenglcich erleuchtend und erwürnicnd gewirkt, aus dem Leben geschieden, dann lebt in all Denen, d-ie ihn gekannt, noch einmal frisch d.ie Erinnerung an ihn auf, den sic nun leider zu den Heimgegangenen zählen müssen. — Und vor wen, der das Glück gehabt hatte, Direktor Dr. Joel in Pfungstadt näher zu kennen, den Mann, den wir mit ein paar Worten ein Andenken weihen möchten, träte nicht mit dessen Namen das Bild des offenen, freundlichen, braven, frommen, warmherzigen und darun! so liebenswcrthen Mannes, der seinen Freunden ein treuer wahrhaftiger Freund, seinen Schülern ein liebevoller treuer Lehrer und vor Allem seiner Fantilic ein liebcreicher und liebcswarmer Gatte, Vater, Bruder und Verwandter, war! Joel hat nie gegeizt mit seiner Liebe. Nie stand er an, für seine Freunde mit Rath und That zu leisten, was in seinen Kräften'lag. Dabei war er bei seiner immer bereiten Freundlichkeit stets offen, wahrhaftig und bescheiden. Eine Lüge war ihm verhaßt, und niemals konnte er hören, wenn man über Andere Böses aussprach, niemals sich zum Träger' einer BöSrede machen. Immer, imnter war er?>121 תכריע לכף. Das war auch sein Grundsatz, immer ansfnchen, waS uns liebevoll eint, nicht was uns trennt. Und daß er seinen Schülern — Joel war längere Zeit an der Israelitischen Rcligionsgesellschaft in Frankfurt a. M. thätig und leitete dann seit mehreren Dezennien das Institut in Pfungstadt — ein treuer Lehrer war, das vernahmen wir an seinem Grabe aus dem Munde eines seiner Lehrer, der an ihm besonders die nimmer ermüdende Fürsorge für jedes einzelne Kind rühmte. Tags und Nachts war er am Platz. Ein treuer, gerechter und milder Lehrer seinen Schülern, war er seinen Lehrern ein ebenso - liebevoller Berathcr. Jegliches Anliegen fand bei ihm die aufrichtigste Theilnahnte. Die Blüthe der von ihm geleiteten Anstalt legt Zeugniß für seine segensreiche Wirksamkeit ab. — Und vor Allem die Liebe, die Joel zu seiner Gattin und seinen Kindern hegte, sie fand sich reichlich belohnt in der ihm wieder entgegcngcbrachten Liebe. Hier im Hause, wo er die Kraft ciusog für das Leben draußen, hier herrschte ׳ das innigste Familienglück. Sein ganzes Herz und Leben hing an Weib und Kind. Wahrlich, der Schwiegersohn des Heimgegangenen hatte Recht, als er am׳ Grabe sagte: ״Hieße es nicht freveln, wir müßten der Vorsehung cntgegcnschleudern, wie kann so viel Herz lind Güte, so viel Gemüth und Treue in Staub zerfallen!" —Aber nur seine Hülle ist entschwanden, der Geist, wie er mit den! Dahingeschiedenen unter unS geweilt, er lebt fort und bleibt lebendig in der Erinnerung aller Derer, die ihm im Leben nahegestanden. Die ungehcuchelte Theilnahnte, die sich am Tage der Beerdigung in großartiger Weise kundgab, sie legte Zeugniß dafür ab, in welch hoher Achtung und Liebe Joel bei Nah und Fern gestanden. ׳ Außer den beiden Erwähnten haben Herr ׳Rabbiner Dr. Marx aus Darnlstadt, Herr Gemeindevorsteher Jeidels und Herr Büchner, Reichstagsabgeordneter und langjähriger Freund des Hingeschiedenen, das Wort ergriffen und Gelegenheit genommen, all' die herrlichen Vorzüge, und die Wirksamkeit des Mannes zu schildern, der nach so kurzem Krankenlager uns leider entrissen worden ist.- Möge Gott der so herb getroffenen Familie Trost spenden, möge Er vor Allem der trauernden Gattin in ihren Kindern ihren Gatten wieder aüfleben lassen und an ihrem braven, tüchtigen Lebenswandel recht viele Freuden empfinden lassen. In seinen Freunden, unter seinen Schülern lebt sein Gcdächtniß fort, möge cs zum Segen werden! Oesterreich-U ngarn. H. Prag, 27. Februar. Wiesich die Juden auch immer entscheiden mögen, sie fahren schlecht; Schläge erhalten sie auf jeden Fall. Der Jude, welcher unter einer czechischen Bevölkerung lebend sich