Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1885)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1885-03-12
- Page
- 171 (sequence 2)
- Language
- German
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Mitte ein solches verabscheuungSwürdigeS Individuum hervorgegangen. Ist er ein getaufter Jude, nun, so denken wir so ziemlich dasselbe, nur mit der Genugthuung, daß er nach Außen hin nicht mehr zu uns gehört — obschon wir ihn nach jüdischem Rechte trotz der paar Tropfen Wasser noch zu uns rechnen müssen. Die Zeit, wo משיה kommt, ist noch nicht da und kann nicht eiutreten, so lauge solch;: kranke Zweige der Baum des IndenthumS treibt. Doch schon inancheS Reis ist welk geworden an dem lcbenSfrischen Stamme des IndenthumS, aber stets ist ein neuer, saftvoller, grüner Zweig, der Früchte und Blätter trägt, au seiner Stelle hcrvorgesprossen. Das ist unser Trost. . r. Berlin, 9. März. In dem ״zweiten Beitrag", welchen Herr Di׳. S. *Neumann ״zur Statistik der Juden in Preußen" veröffentlicht, ist besonders das Fazit von Interesse, welches der Verfasser aus dem Ergcbniß der Volkszählung von 1880 zieht, indem dieses auch für den Zeitraum von 1872 1880 ebenso wie das schon im November 1880 von demselben für die Zeit von 1840—1871 zusammengcstellte statistische Material die Behauptung von einer Masscneinwanderung der jüdischen Rasse als vollständig hinfällig darstellt. Denn einmal ist festgestcllt, daß die ״thatsächliche Vermehrung der jüdischen Gesammtbevölkerung im Jahre 1680 — 38 203 — hinter dem crwartungsmäßigen Geburtsüberschuß um mindestens 9 00 0 zurückbleibt." Diese Zahl würde als Minimum für die jüdische MchrauSwauderuug anzunehmen sein. Eine Betrachtung der bcigegebeueu Tabelle II crgiebt nun, daß die jüdische BcvölkerungSziffer in den Bezirken Danzig um 215, Frankfurt um 48, Posen um 3654, Brombcrg um 1719, Minden um 100, Schleswig um 207, Stade um 28 abgenommen — also absolut geringer geworden ist, und zwar in Summa um 5639; rechnet man hierzu noch den aus 9000 angegebenen fehlenden Geburtenüberschuß, so beläuft sich die Mehrauswaudcrung in den genannten Bezirken von 1872 bis 1880 auf ungefähr 1 5 000! Ebenso crgiebt sich sür die übrigen Bezirkt, in denen der Bcvölkcrungsstand entweder gar nicht oder nur unerheblich gestiegen ist, daß zum Mindesten der Geburtenüberschuß verloren gegangen sein muß, mithin auch hier eine Mehrauswanderung stattgesunden hat — mit AuSnahme von Königsberg, ׳ Gumbinnen, Berlin und Breslau, wo allerdings eine Mehrcinwanderung stattgcfuudcn hat. Summa Summarum jedoch -steht es mit absoluter Sicherheit fest, daß ebenso wie von 1840—1871, so auch von 1872—1880 nicht mm keine Massenein>vandcrung der Juden, sondern im Gegentheil ein Verlust der jüdischen Gesammtbevölkcrung an ihrem Geburtenüberschuß durch 'Mehrauswanderung stattgefunden hat. C. Berlin, 9. Mürz. Wie hiesige Blätter melden, hat der Inhaber des bedeutenden ManufakturwaarcngeschäftcS in der Spandaucrstraße, Herr Jakob Israel, zur Feier seines 50 jährigen Jubiläums als Ehcf des von seinem Vater vor 70 Jahren begründeten GeschästeS dem Magistrate die Anzeige gemacht, daß er der Kaiser - Wilhelm - Augusta - Stiftung ein Kapital von 12 000 .75. als Jakob und Minna Israelische Stiftung zu überweisen gedenke. MagistratlicherseitS ist bcschlossen, die hochherzige Schenkung als besondere Stiftung anzunehmen. W. Altona, 6. März. In meinem Berichte (Nr. 10) hat sich ein Druckfehler eingcschlichen. Es muß dort statt Rabbi IecheSkel Rafalsohn, Rabbi JecheSkel Ioelsohn heißen. - W. Frankfurt a. M., 8. Mürz. Wie die letzten Jahre, befand sich unter den Ferienkolonien auch eine jüdische und zählt dieselbe 18 Kinder (Mädchen und Knaben), welche unter der Leitung einer an der Höheren Töchterschule thätigen Lehrerin nach ihrem gewöhnlichcn Sommcraufenthalt Bauernfcldcn im Odenwalde geschickt waren. Wie dem Berichte des Vereins der Ferienkolonie zu entnehmen ist, weist die Mitgliederanzahl eine ganze Reihe jüdischer Namen auf, die hier, wie in allen der Wohlthätigkcit gewidmeten Zwecken, ja niemals zurückstehen. A. 0. Frankfurt a. M., 10. März. Die Polizeibehörde hatte mehreren hier schon seit längeren Jahren ansässigen österreichischen und russischen Staatsaugchörigeu israelitischer Konfession, die sich zum größten Theil durch Kleinhandel ernähren, die Weisung zugchcn lassen, entweder eine Kaution von 500 zu erlegen oder binnen zehn Tagen die Stadt zu räumen. Vcranlaßt war diese Maßregel durch die Weigerung der israelitischen Gemcinde-Hospital-Verwaltuug, keine Ausländer direkt auszunehmcn und die Aufforderung an das städtische Armcnamt, die Spitalkosten solcher armer Erkrankter zu übernehmen. Die Hospital-Verwaltung aberversichert dagegen, ״daß sie keinerlei Aenderuugen in der bisherigen Praxis cinführen wolle." Es ist deshalb nicht daran zu zweifeln, daß die augedrohte Maßregel gegen die israelitischen Ausländer in Wegfall kommen wird. B. Wurz bürg, 6. März. Die königliche Negierung von Uuterfranken hat in Betreff des Schulbesnchs der israelitischen schulpflichtigen Kinder an Sabbathen eine Entschließung von größter Bedeutung erlassen. Auf die Regierungs-Entschließung vom 9. Juli 1838 hinweisend, wonach ״den israelitischen schulpflichtigen Kindern-im Allgemeinen, also ein für allemal, eine Befreiung vom Besuche der Volksschulen an Sabbathcn nicht eingeräumt werden könne, hingegen aber nicht beanstandet werde, wenn israelitischen Kindetn an