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Jeschurun · 1885-03-12 · Heft 11 (12.3.1885) · p. 166

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 11 (12.3.1885)
Article
Noch ein Wort über die Schächtfrage
Date
1885-03-12
Page
166 (sequence 2)
Language
German
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es als zeitweiliges Eigenthum ihm weihen, in seinem Namen nach seinem Willen und Gesetze besitzen und genießen sollen. Von diesem Standpunkte aus vor allem hat der wahre Jude das Schechitagebot zu betrachten. Die Vertheidigung aber gegen die nichtjüdischcn Gegner der Schechita wird dann eine um so energischere werden, da wir ja dann wissen, daß wir nicht ein bloßes Humanitätsgebot, sondern ein Gebot verthcidigcn, welches von den Gesetzen zur Bethätigung des hohen Zweckes, den das Judenthum 31t erfüllen hat, ein wesentlicher Thcil ist. Gesetzt. cS gäbe mildere, schnellere TodeSartcn, das Thier, welches wir zur 'Nahrung benutzen wollen, zu tobten, cS wäre vom rein humanen Standpunkte aus statthafter, das Thier z. B. durch Elektrizität vom Leben zum Tode zu bringen — für unS Juden fällt da dieser Gesichtspunkt fort, da wir nur das göttliche Gebot im Äuge haben. Dieselbe Lehre ist eS ja, welche uns überhaupt gestattet, die Thiere unbedingt zu hohen menschlichen Zwecken zu benutzen. Wir dürfen unsere Nahrung, unsere Kleidung, vom rein jüdischen Gesichtspunkte auS betrachtet, von! Thiere nehmen. Dasselbe Gesetz, welches unS gebietet, unS nicht eher zum Essen nicderznsctzen, bevor wir unser Hausvieh' gefüttert, dasselbe Gesetz gestattet uns aber den Gebrauch, die Tödiung der Thiere zum Nutzen des Menschen. Und wie wir das Thier direkt zur ׳Nahrung und Bekleidung benutzen dürfen, so ist eSunS unbedingt gestattet, dasselbe zu wissenschaftlichen Unter suchungen behufs Heilung der Menschheit, z. B. auch zu viviscktorischcn Experimenten zu gebrauchen. Vom jüdischen Standpunkte auS ist die sogenannte Vivisektion, wo es der wissenschaftliche ־ Standpunkt erheischt, unbedingt erlaubt. Wie cs uns gestattet ist, die heiligsten Gebote zu übertreten, wo es sichum Menschenleben handelt, so ist cs unS gestattet, das Gesetz der Humanität, welches gewiß nicht ein Produkt dcS erleuchteten neunzehnten Jahrhunderts, sondern ein in der Thora direkt ausgesprochenes ist, zu verlassen,' wo es sich um das Heil der Menschen handelt. — Das göttliche, jüdische Gesetz Hai uns demnach die Schechita geboten, unbeki'unmert um den Standpunkt der Humanität, sondern einfach als GottcSgesetz zur Befestigung des GottesbewußtscinS in dem Menschen. Wo cs dem Menschenheile gilt, steht uns das Thier zur Verfügung in jeder Beziehung. Es mag daö aufgeklärte, humane neunzehnte Jahrhundert darob schreien und lärmen. Gott hat unS solches geboten und gestattet, das ist unser Standpunkt. Nihilismus und Zndenlhum. Von Friedrich R 0 tt. (?lllc Nechlc Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Sie reichte dem Gatten und dem Sohne gleichzeitig die Hand, während ihre Augen sich wieder schlossen, und bald verrieth ihr ruhiger, leise säuselnder Athem, daß sie schlummerte, und selbst im Schlummer umspielte ein glückliches Lächeln ihre bleichen Lippen. — Eine Viertelstunde mochte verflossen sein, keiner der Anwesenden hatte ein Wort gesprochen. LewinSki neigte sich über die Schlummernde und lauschte ihren zwar leisen, aber gleichmäßig ruhigen -Athemzügen. ״Gott sei Dank! sie schläft ruhig. Nun wollen auch wir uns zur Ruhe begeben. — Gute Nacht, mein liebes Kind! Du legst Dich auch jetzt in's Bett, ich werde die Wärterin herein schicken, daß sie hier wacht." Er umarmte die Tochter, die auch während der Nacht nicht auS dem Krankenzimmer wich, dann entfcrnle er sich leisen Schrittes, gefolgt von den beiden jungen Männern. Draußen im Korridor, als die Thür sich hinter ihnen geschlossen, reichte er Beiden die Hand: ״Gute Nacht, Kinder, schlafet wohl!" Die Hand des Sohnes behielt er jedoch etwas länger in seiner Rechten und indem er die Linke ihm unter daö Kinn legte, hob er des Sohnes Haupt ein wenig und blickte forschend prüfend ihm in das erregte Angesicht. ״Die Mutter hat Dir verziehen," sprach er mit leiser, bebender Stimme, ״sie glaubt, Du habest bereut. — In dieser Voraussetzung verzeihe auch ich Dir." ״Dank!" murmelte der junge Manu, indem er die Hand des Vaters an seine Lippen drückte, dann eilte er hastig zur entgegengesetzten Seite des Korridors, wo sein Zimmer lag. Kopfschüttelnd blickte ihm der Vater nach, und ein langer, schwerer Seufzer entrang sich seiner Brust: ״War das Reue?" Zwölftes Kapitel. Als. der Arzt am kommenden Morgen in das Krankenzimmer trat, staunte er ob der Veränderung, die im Befinden der Kranken stattgefunden hatte. Er hatte gefürchtet, sie bereits in Agonie zu treffen, und nun lag sie da, glücklich lächelnd, und selbst die fahle Blässe ihres Angesichts war von ihr gewichen, und sie sprach so frisch, so munter, und .alle im Hause waren glücklich ob.der augenscheinlichen Besserung. Nur der Gatte vermochte nicht daran zu glauben, so wenig als au die Neue des' heimgekehrten Sohnes — und bevor der erfahrene Arzt das HauS verließ, winkte er dem Schwiegersöhne, ihm zu folgen und theilte ihm mit, daß die Gefahr, in der die Kranke schwebte, durchaus nicht gewichen, daß die geringste GemüthSbewegung die Katastrophe sofort nach sich ziehen könne.

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