Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1885-03-05 · Heft 10 (5.3.1885) · p. 158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 10 (5.3.1885)
Article
Rußland [Nachricht]
Date
1885-03-05
Page
158 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2933101-2933112--18137-2960226
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

158 Petri, führt unsere Verfasserin auf die russische! Jndenfrage. Das Urthcil, das sie über die russischen! Inden fällt, ist recht hart: ״Sie sind eine entschiedene j Landplage für Wcstrnßlnnd," ״die acfcrbautrcibcnbc j Bevölkerung ist ihnen gänzlich preisgcgeben und seufzt; unter ihrem Druck" :c. Andererseits wird übrigens! anerkannt, daß die Inden Handel und Wandel selbst '! in die entlcgendsten Ortschaften bringen, daß sie ״alle j fleißig, einige auch rechtschasfcn sind/ daß ihre Handi werker besser und billiger arbeiten, als ihre christlichen! Staudcsgeuossen n. dergl. m. Zn empfehlen wäre es! bei der Betrachtung dieser uugeutein schwierigen j Frage zwei Punkte nicht ans dem Auge zu lassen:! Für's erste wird uns gar zu vieles, was seinen Ursprung in den allgemeinen ethnologischen, historischen und ökonomischen Verhältnissen findet, von vornherein als Resultat der jüdischen Ausbcuterei erklärt: zweitens aber ist auch die schwierige Ausnahmestellung zu berücksichtigcn, in welcher sich die in wenigen ÄouvcrucmcntS znsammcngcpscrchtcn und in ihrer Thätigkeit so sehr eingeschränkten Inden befinden. Die Bernerkung der Verfasserin über die fehlgcschlagenen Versuche, die Juden in Ackerbau Kolonien nnterznbriugen. kann hier keineswegs den Ansschlag geben, namentlich wenn man, ganz abgesehen von der Geschichte der betresscnden Kolonien, die nichts weniger als verlockende Lage der russischen ackerbautreibenden Bevölkerung berücksichtigt." Man wird Herrn 1)1׳. Petri gewiß beipflichrcn müssen. Wie will man überhaupt durch einen kurzen Aufenthalt in einem fremden Lande so rasch zu einem genanen auf Selbstcrfahrung basirendcn Urthcil über eine Zahlreiche Bevölkernngszisfer gelangen, um den AuSspruch zu thnn, daß auch ״einige rechtschaffen sind?" Die erlauchte Reisende wird schwerlich behaupten wollen, daß sie eine so eingehende Kenntnis; der jüdischen Bevölkerung erworben hat, um einen derartigen Ausspruch gewissenhaft zu thnn. Sie hätte doch bedenken sollen, daß mir dergleichen kurzen Bemerkungen, welche ihr Tagebuch interessant machen, sie dazu beitragen kann, Hundcrttauscnden das Leben zu verbittern. P a l ä st i n a. * Der ״N. Fr. Pr." wird gemeldet, daß am 27. Januar die im Aufträge der türkischen Regierung von dem Ingenieur Georges Fercnghia in der Nähe der Ruinen der Stad! Jericho über den Jordan erbaute hölzerne Brücke dem allgemeinen Verkehre übergeben wurde, und wohnten dieser Feier der Gouverneur von Jerusalem, Rens Pascha, die Militär- und Zivilbehörden, dann die geistlichen Chefs der verschiedenen religiösen Gemeinden von Jerusalem und zahlreiche Beduinen-Schcikhs bei. Die Brücke, welche die erste ist, die über diesen historischen Fluß führt, hat eine Länge von 45 und eine Breite von 5 Metern und ist sehr solid gebaut. Nach den Mittheilungen christl ich er Pilger aus dem ficbciucn Jahrhundert soll schon damals eine Brücke über den Jordan geführt haben, heute ist jedoch längst keine Spur dieser Brücke mehr vorhanden. — Nach anderen Nachrichten soll die Brücke nur I Meter breit und nach dem amerikanischen System Town erbaut sein. Sie führt bei Wadi Nucme, welches 1 \,-j. Stunde von Jericho entfernt liegt, an der § trage nach Salt über den Jordan und ist bestimmt. Palästina mit dem Ostjordanlande zu verbinden und den regelmäßigen Transport der aus Getreide und Schlachtvieh bestehenden Erzeugnisse des letztgenannten Landes zu sichern. Mit der Vollendung derselben hat ein bereits vor etwa dreißig Jahren gefaßter Plan nunmehr seine Verwirklichung gefunden. Wie es heißt, wird beabsichtigt, in nächster Zeit zwischen Jerusalent und Jericho einen fahrbaren Weg anzulegen, und so eine den Anforderungen des Verkehrs entsprechende Straßcnvcrbindung zwischen der Jordanniedcrung und dem Mittelmcere zu schaffen. Von Seiten der Gouvernements-Verwaltung ist ferner verfügt worden, die ans der Straße Jaffa- Jerusalem aufkommcnde Pachtsumme, welche sich im verflossenen Jahre 1884 auf einen Betrag von 32 300 jik bezisfertc, fortab ausschließlich zur Ausbesserung und Instandhaltung dieser Wegstrecke zu verwenden. Demgemäß ist die erforderliche Arbeit im Herbste vorigen Jahres in Angriff genommen und die dem Verfalle entgegen gehende Straße in leidlicher Weise wieder hergestellt worden. Um den Beschädigungen durch den Fnhrbetricb ohne Verzug abzuhclfen, sind an der 65 Kilometer langen Strecke sechs mit Wcgcarbcitern besetzte kleine Stationen errichtet. Der im Jahre 1881 begonnene Bau der Straße Jerusalem-Hebron schreitet, wenn auch nur langsam, weiter vor. Da cs zur Bestreitung der Unkosten an verfügbaren Mitteln fehlt, hat die, Gouveruements'Lerwaltnug die Heranziehung der im Mutessariflik ansässigen türkischen Staatsangchörigen zu einem alliährlich sich erneuernden fünftägigen Dienste beim Straßenbau, beziehungsweise zu einer jährlichen Steuer von 25 Piaster Gold, äugeordnet. Von der auf 32 Kiloinetcr vermessenen Straße sind bis jetzt 3 Kilometer fertig gestellt worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.