Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1885-03-05
- Page
- 157 (sequence 2)
- Language
- German
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157 Gesetz wurden die protestantischen Religionen rezipirt? (Rufe: der Winzer Friede.) Sie berufen sich auf jene Zeit und ärgern sich doch, wenn man ihnen sagt, daß sic mit ihren Ideen ins Mittelalter ^uriict^rcifen. — Die Vertretung der Indcnheit im Oberhause wird zweifellos mit großer Majorität genehmigt werden. (Siche Korrespondenz ans Pest.s U. Szcgedin, 27. Februar. Der .,Neuen jüdischen Pester Zeitung" zufolge, wurde laut allerhöchster Gutschlicßnng am 2. d. M. der Frau Johanne Cohen, Präsidentin des Szegedincr israelitischen Frauen- WohlthätigkeitS-BcrcinS, in Anerkennung ihrer sowohl um den Verein als überhaupt um die allgemeine Wohl- Lhätigkeit erworbenen großartigen Verdienste der goldene Verdienstorden verliehen. t. Ans dem Marmaroser Komitat. An der Grenze des Marniaroser Komitats, nahe zur Bukowina, liegt, wie die ״Neuzeit" schreibt, ein Dorf Namens Borsa, das von Rumänen und Inden bewohnt wird. Am 23. Oktober 1881 war das Dorf der Schauplatz eines gräßlichen Verbrechens. Gegen 7 Uhr Abends, als noch das ganze Dorf wach war, wurde der Friedensrichter Johann Hosda in der lebhaftesten Gasse' ermordet aufgefunden. Nachdem alle Effekten, die Uhr, die Geldtasche und der Ring, bei der Leiche vorhanden waren, mußte die Untersuchung, die sofort eingclcitct wurde, annchmcn, daß Hosda einem Racheakt zum Opfer siel Hosda hielt nämlich an Sonntagen den Rumänen Vorlesungen ans Istüczy's Flugschriften und hetzte das Volk fortwährend gegen die Juden. Die Juden haßten ihn deshalb und cs tauchte der Vcrdacht auf. daß ihn ein Jude oder mehrere ermordeten. Es war am Sonntag und das Volk versammelte sich rasch auf der Stätte des Verbrechens und forderte von der Vorslehnng, daß sie bei einigen Juden, die im Rufe gcwaltthütiger Leute standen, HauSdurchsuchnngen vornehme. An der Spitze eines größeren Volkshaufens willfahrte auch die Vorstehung diesem Wunsche, fand aber nirgends ein corpus delicti. Ein Jude, Smil Lax, an dessen Hemdärmcl ein wenig Blut war, und ein anderer, weil er sehr erschrocken aussah, wurden als muthmaßlichc Thätcr in Verdacht gezogen und auch nach einigen Tagen verhaftet. Die Untersuchung hatte zier Folge, daß drei Rumänen unter Eid anssagten, sie waren zufällig des Weges gegangen, als Smil Lax und Naftaly Mcndclovics die That vollbrachten: sie erkannten die Thätcr, getrauten sich aber nicht, die That zu verhindern, weil sic für ihr eigenes Leben besorgt sein mußten. — Eine ganze Reihe jüdischer Zeugen wies hingegen das Alibi der Angeklagten nach und der M. Szigetcr Gerichts- Hof sprach die Angeklagten frei und ließ sie sofort auf freien Fuß setzen. Die königliche Tafel bestätigte das Unheil. Die königliche Kurie hingegen sprach Smil Lax und Naftaly Mcndelovies schuldig des vorsätzlichen Todtschlagcs und verunheilte sie zu je zwölf Jahren Zuchthaus; McndelovicS flüchtete vor der Strafe, Lax trat hingegen im Januar!883 seine Strafe an. Doch reichte er eine NovisirnngSklage bei Gericht ein, in der er hervorhob, daß die Belastungszeugen falsch auSsagten, was er uicht nur durch Zeugen, sondern auch im Wege einer Ortsaufuahmc nachzuweiscu fähig sei, denn es werde zweifellos festgcstcllt werden, daß die Zeugen von jener Stelle, von der sie angeblich die Ermordung Hosda's mit angesehen, nichts sehen und absolut nichts erkennen konnten. Im Lause des novisirtcn Prozesses zog der eine Zeuge seine belastende Aussage zurück und gab au, er Ijabc wohl die Mordthat gesehen, aber von den Thätern Niemand erkannt, und blos deshalb die Angeklagten als solche benannt, weil ihn der Gcmcindcrichter und der Polizeikommissär dazu zwangen. Die übrigen zwei Zeugen blieben auch beim neueren Verhör bei ihrer ersten Behauptung, aber cS meldeten sich andere Zeugen, welche behaupteten, daß die beiden Zeugen das Unwahre ihrer Aussage vor ihnen anerkannten. Am 26. Januar v. I. wurde in Borsa die örtliche Aufnahme abgehalten. Der Untersuchungsrichter stellte die Belastungszeugen an jenem Orte aus, von dem aus sie den Mord mit angesehen zu haben angabcn. Der Richter begab sich daun mit mehreren bekannten Personen auf die Stelle, wo der Mord geschah und forderte dann die Zeugen auf, die neben ihm stehenden Personen zu benennen und die Stelle zu bezeichnen, die dieselben entnahmen. Das Ergebniß war ein überraschendes, denn die Belastungszeugcn waren nicht im Stande, irgend Jemanden zu erkennen und der Untersuchungsrichter koustatirte, daß er selbst den uuiformirten Gendarmen in der anderen Gruppe von den Bauern uicht zu unterscheiden vermochte. In Folge dieser wesentlichen Veränderung des ThatbestandeS gab der Gerichtshof der NovisirungSklage Folge und ordnete eine neue Schlußverhandlung an. Dr. Fricdmann, der Vertheidiger von Tißa-Eßlar, hat auch in diesem Prozesse die Vertheidigung übernommen und ist bereits nach MamaroS Sziget abgereist. Rußland. L. Eine erlauchte Dame hat unter dem Pseudonym Th. von Bayer ihre Reiseeindrücke über Rußland veröffcntlicht. Dieselben bildeten den Gegenstand einer eingehenden Besprechung in der Wochenschrift ״Das Ausland" und geben dem Referenten, Herrn Di*. Ed. Petri, zur folgenden Bemerkung (in Nr. 7) Anlaß: ״Das auf dem Wege von Odessa nach Kiew so zahl-- reich hcrvortrclende jüdische Element, schreibt Di*.