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Jeschurun · 1885-03-05 · Heft 10 (5.3.1885) · p. 156

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 10 (5.3.1885)
Article
Holland : Amsterdam [Nachricht]
Date
1885-03-05
Page
156 (sequence 2)
Language
German
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156 Stichling (Zecher Rabbi Jesaja)"; war cs doch dieser edle Mann, der während seines thatcnreichcn Lebens ganz allein für die Unterstützung der -Schüler des Seminars sorgte. Dank des regen Eifers der Vereins- Icitung konnte diese Stiftung im Jahre 1884 fl. 2405.98'2 verausgaben und den eisernen Fondauf fast fl. 1300 bringen. Die Stiftung ist durch königliches Dekret vom 20. Oktober 1883 staatlich anerkannt worden. Möge sie zum Heile des Iugenduntcrrichts zu wirken fortfahrcn im Geiste der gegenwärtigen wackeren Vcrwaltung Hand in Hand' mit der Seminarleitung. Möge sic dazu beitragen, daß das GotteSwort in allen unseren Gemeinden gelehrt und erläutert werde und die kommenden Generationen erstarken in תורה und דרך ארץ. Oesterreich-Ungarn. A. Preszburg, 22. Fcvruar. Am vergangenen Freitag verschied einer der würdigsten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, Herr Ber Lob Goldberger, im Alter von sechzig Jahren. Sein ganzes Leben war der תורה und ל הסה gewidmet. In der ה׳ מחזיקי תורת bekleidete er das Amt eines רבי und sungirte als Waisenvater in der ירוחם יתום n.. Unter großem Beileid wurde er bestattet; Herr Oberrabbiner Schreiber לי hielt eine ergreifende Rede an seinem Grabe. — Bei dem heutigen Traucrgottcsdienst anläßlich der ז׳ אדר gedachte der Oberrabbiner der jüngst dahingeschiedenen Rabbiner von Kl. Wardein, Dees n. A. A. Prcfrburg, 25. Februar. Den geehrten Leiern des ,,Icfchurnn" durfte cs nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß die Schlußprüfungen an der hiesigen Rabbinatshochschule am 24. und 25. dieses Monats stattfauden. DaS Resultat derselben war ein höchst zufriedenstellendes. Die Schüler dieser. Lehranstalt antworteten auf die an sie gerichteten Fragen mit einer staunenswürdigen Präzision. Am Ende der Prüfung sprach der Herr Obcrrabbiner und Direktor dieser Lehranstalt seine beste Zufriedenheit aus und ermahnte die Zöglinge, wie bisher, auch fürderhin mit Fleiß und Eifer dem Studiurn obznliegen. '*||* Pest, l. März. Das Resultat der Freitag auf Antrag von 35 Abgeordneten namentlich erfolgten Abstimmung über die Ernennung eines jüdischeu Vertreters im Obcrhauje war, daß mit großer Majorität die Vorlage angenommen wurde, und zwar dergestalt, daß der jüdische Vertreter zu ernennen sei. — Damit wäre denn allerdings die jüdische Konfession als gleichberechtigt ' den anderen im Oberhause hingestellt. Es ist dies allerdings ein erfreuliches Zeichen, doch wenn wir Orthodoxen unö fragen, ob wir durch diesen Beschluß etwas gewonnen, so befürchten wir, daß fast das Gcgentheil cintretcn werde. Wer wird denn der Mann sein, welcher unsere Interessen dereinst im Obcrhause vertreten wird? Daß dies, einer aus unserer Mitte sein wird, daran möchten wir fast zweifeln bei den desolaten Zuständen, welche gerade in der uns augenblicklich nach Außen vertretenden Behörde herrschen. Wer hat denn mehr Einfluß bei der Regierung, die orthodoxe jüdische Durchführungskonmtission oder die neologe jüdische Laudeskanzlei? 8. P. Ungarn. Für Ihr geschätztes Blatt dürste die Debatte im ungarischen Reichstage über jenen Punkt des die Oberhaus.-Reformcn betreffenden Gesetzentwurfes, der über die jüdische Vertretung handelt, nicht ohne Interesse sein. Baron Adrcanszki plaidirte natürlich für die Ablehnung der jüdischen Vertretung, mit der Motivirnng, daß die jüdische Religion nicht rezipirt sei und keine kirchliche Organisation besitze. Abt Göndöco war auch derselben Ansicht, da die jüdische Religion noch nicht Staatsreligion (Allgemeine Heiterkeit) resp. noch nicht rezipirt sei; nur versicherte er nebenbei, daß er nicht das kleinste Vornrtheil gegen irgend welche Religion hege. Ucbrigcns müßten eingetretenen Falles die orthodoxen und ueologcn Juden je einen separirten Vertreter erhalten. Franz Pulszki mißbilligte es, daß im Hause mittelalterliche Ideen aufgeworfen werden, denn hier gebe cs keine Konfefsionen, sondern nur Staatsbürger. Allein jene 800 000 Staatsbürger, die im Jahre 1849 zu uns hielten und dafür von Hahnau mit einer Brand׳ schatzung von einer' Million bestraft wurden, dürfen vom Schutze der Gesetze nicht ausgeschlossen werden. Der Geist der Freiheit imb Gleichheit werde die Antisemitcn überleben und die ungarische Nation sei kräftig genug, als daß der mit ihrem Geiste nicht übereinstimmende Antisemitismus sie erschrecken sollte. Auch der Ministerpräsident fertigte in sehr kräftigen Worten den Antrag der Antisemiten ab. Es sei für diese Religion -— sagte Redner — wahrlich kein großer Erfolg, daß ein Mitglied ins Oberhaus berufen werde. (Ein Antisenlit: aber für das Land.) Für -das Land wird eS ein. großer Erfolg sein, wenn die antisentitifchen Reden aufgehört haben werden. — Ich wünsche die ' Beibehaltung jenes Punktes, damit hierdurch wenigstens sign'alisirt werde, daß die ungarische Nation sich durch das ins Mittelalter zurückführende Gejohle nicht erschrecken läßt. In üiinder unzweideutiger Weise äußerte sich Desidor Szilagi. Gänzlich unrichtig sei cs, den KonfessionaliSmus in den Vordergrund zu schieben. Der Antisemitismus sei eine ganz unnütze und verfehlte Sache. Der Abgeordnete jüdischer Religion, Franz Chor in, widerlegte in seiner Rede, daß das Rezipirtsein einer Religion keine Beziehung habe zu deren kirchlicher Vertretung. .Auch Ministerpräsident Tisza ist derselben Ansicht. Wie und durch welchcs

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