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Jeschurun · 1885-02-26 · Heft 9 (26.2.1885) · p. 141

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 9 (26.2.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1885-02-26
Page
141 (sequence 2)
Language
German
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141 Wenn eine so große Versammlung einen Schönerer : vergöttert, dann gilt es doch auf der Wacht zu stehen. Freilich glaube ich augenblicklich noch nicht an eine weitere Ausbreitung der Schönererschen Lehren, aber das Gute ist nicht so ansteckend wie das Böse. E. Wien, 22. Februar. Ans den Zeitungen entnehme ich folgende mitthcilcnswcnhc Nachricht. Zn Sereth in Ungarn verschied kürzlich ein seines großen Geizes wegen sprichwörtlich gewordener Herr L ö b Ach nc r, der sich sogar noch in der letzten Stunde seines Lebens geweigert haben soll, irgend welche Aufwendungen für sich selbst zu machen, aber sein gcsammtcs bcdeutendes Vermögen, von etwa einer Million, wohlthätigcn Stiftungen tcstirtc. An seinem Sterbetage ließ er lctztwillig sünfzigiausend Gulden unter die Arincn seines Wohnortes, ohne Unterschied der Konscssion, vcrtheilcn und eine gleiche Summe dem Verein für die Beförderung der Ackcrbanansiedelnngen im heiligen Lande aus händigen. — Die ״Ocstcrrcichischc Wochenschrift" bemerkt zu dem Jahresbericht der Talmud-Thora: ״Es ist schmerzlich, daß auch dieser Verein so geringe Unterstützung findet, daß die reiche Residenz eine einzige ״Talmud-Thora" so schwerer- Hallen kann, und sie könnte wahrhaftig in federn Bczirkc mehrere ganz gut brauchen." Es fehlt hier übrigens nicht nur für die ärmere, sondern auch für die besser situirte Bevölkerung an wirklich entsprechenden Anstalten für die Erzielung einer gedeihlichen Unterweisung in der Keuntniß des Judeulhumö. 8. S. Ujstcly. Die hiesige Gemeinde trifft entsprechende Vorbereitungen, um das 25 jährige Dicnstjubiläinn ihres hochgeachteten und vielverdienten Lehrers an der israelitischen Hauptschule, des Herrn Israel Singer, Ncligionsprofcssor an dem Obergymnasium, am l. März würdig zu begehen Der׳ selbe hat sich durch seine ausgezeichnete Pflichttreue die allgemeinste Liebe und Wcrthschätznng erworben und durch seine Schriften seinen Namen auch in weiten Kreisen bekannt gemacht. Nanicntlich seine ״Erzichnngslehre", welche auch in Ihrer Zeitung eine vortheilhafte Besprechung gefunden, hat ihm viele Freunde Nah und Fern zugeführt. Das Komitee hat eine entsprechende Kundgebung in dem hiesigen Wochcnblatte erlassen, damit auch entfernte Freunde und Kollegen sich an dieser Ehrenbezeigung bethciligen können. Desfallsige Zuschriften u. s. w. sind an den Herrn Schul- Präses Albert Fricdlicber hier zu richten. Möge cs Herrn Singer noch lange Jahre vergönnt sein, im Dienste der Jugendbildung wie bisher segensreich zu wirken. - *||* Pest, 22. Februar. Aus den Debatten des Reichstags vergangener Woche ist die Rede des Abgeordneten Gustav Degen bcmcrkmswMh. Er wandte sich u. A. gegen die judcnhetzcrische Partei, deren Stimmsührer im Reichstage mit einer Austreibung oder Vernichtnng der Inden gedroht hatten. Auf Grund dieser Drohung konstatirtc er den geradezu revolutionären Karaktcr der Antisemiten, welche gegen sechshunderttausend patriotische, fleißige ungarische Bürger konspiriren. Pflicht der Negierung sei cs, nüt aller Energie eiuzuschrciten, um diese revolutionäre Bewegung, die den Untergang des Vaterlands hcrbciführcn könnte, zu. ersticken. — 8. 8. Nadaust (Bukowina), Anfangs Adar. Das scheinbar unbedeutende Ereigniß, welches ich zu berichten gedenke, dürste doch vielleicht wegen seiner Seltenheit, und wegen der sich darin knndgcbendcn כבוד התורה, in Ihrem geschützten Blatte rcgistrirt zu werden verdienen. Herr Feldmann, -ein junger Mann ans Ungarn; kam, nachdem er dort namhafte Jcschiba'S frcquaitirt hatte, bald nach der Ankunft unseres Herrn Obcrrabbiners Knnstadt, hierher, um unter dessen Leitung seine Studien sortzusctzcn. Seine Tüchtigkeit, noch mehr aber sein wahrhaft mustergültiger Lebenswandcl, erwarben ihm so sehr die Achtung aller hiesigen Kreise, daß ein wohlhabender hiesiger Kaufmann den gelehrten und auch durch allgemeines Wissen sich auszeichnenden Herrn Feldmann zum Schwiegersöhne erkor.- Die Vermählung hat dieser Tage statt zcfnndcn und gestaltete sich zu einem Feste, an welchem die ganze Gemeinde herzlichen Antheil nahm. Am Sabbath vor der Vermählung wurde Herr Fcldmann mit Abhaltung einer 91cbc in der hiesigen großen Synagoge beehrt, die sich des Beifalls der zahlreichen Zuhörer erfreute. Es ist in diesem Falle der Wissenschaft und Tugend die Huldigung des Rcichthnms dargebracht worden. Der wohlhabende Kaufmann betrachtete eS als ein Glück, sein kostbarstes Kleinod,- die geliebte Tochter, einem Manne anzuvcrtranen, der unter Sorge und Entbehrung der Wissenschaft treu gedient und außer seiner Bildung und seiner Frömmigkeit nichts zu bieten hatte. Möge dieses Beispiel unseren Reichen zur Nach« achtung dienen. — Nußlan d. * Petersburg, 15. Februar. Das ״Frankfurter Journal" schreibt: Von der unter dem Vorsitze des Grasen Pahlen bestehenden ״Ju den kam Mission" har man lauge nichts gehört und jetzt heißt es sogar, daß sic ganz im Saude verlausen soll. Die überwiegende Mehrzahl der Gouvernements- und städtischen Behörden hoben sich, wie der ״Schl. Ztg." gemeldet wird, gegen die Erweiterung der Jndcnrechte ausgesprochen, sehr viele sogar den Wunsch geäußert, dieselben noch mehr beschränkt zu sehen. In wie weit dieses wahr ist, können wir nicht bestimmen.

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