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Jeschurun · 1885-02-26 · Heft 9 (26.2.1885) · p. 134

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 9 (26.2.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-02-26
Page
134 (sequence 2)
Language
German
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184 Deutscher fühle und sein deutsches Vaterland herzlich liebe, so erklärte Herr Hartmann diese Versicherung als Heuchelei, arges Lchaukclsvicl und grobe Täuschung. Noch aber bildet die Hartmann'sche Theorie nicht die Grundlage dcö deutschen Reichs, wie sie überhaupt niemals das einigende, verbindende und erhaltende Prinzip eines mcm'chcngescllschaftlichcn Vereins bilden kann, weil sic in Wahrheit negativ-zersetzend jede Bcrbindung aufhcbt und nur das egoistische Interesse im Menschen zu wecken geeignet ill Wir lassen unö von Hartmann weder unser jüdisches StammcSbcwußtscin verunglimpfen, noch unsere Anhänglichkeit 11nt> Treue an das Vaterland, unser deutsches Nationalgcfühl wegdisputircn. Beides ist viel zu positiv und stark und hält noch Stand vor der Hartmann'schcn dialektischen Kunst. Es wird nilnmer gelingen cS wegzndisputiren. Dagegen erscheint das Hartmanwschc deutsche Nationalgefühl wahrlich überaus schwächlich, wenn cS nicht einmal vor seiner durch Nichts begründeten, höchst vernunftwidrigen Abneigung gegen die jüdischen Angehörigen deutscher Nation zu bestehen vermag und er in kaltblütiger Grausamkeit Hunderttausendc Deutscher, deren nach Jahrhunderten . zählende Seßhaftigkeit auf deutscher Erde und wohlerworbene, feierlich proklamirte und staatsrechtlich verbriefte Gleichstellung über allem Zweifel sind, als unberechtigte, heimathlosc Fremde und ungebetene Gäste behandelt wissen will. Von dem jüdischen Stammesgefühl hat der Philosoph Hartmann keine Ahnung und kein Bcrsländniß. Er kennt und begreift nicht das Weben der jüdischen Volksseele, ihm schlt die Fähigkeit das Ahnen, Sehnen und Hoffen des jüdischen NatioualgcuiuS zu verstehen. Lein Geist ist nur für Kongeniales empfanglich, und weil diesem stolzen selbstbewußten Geiste, der alle Gehcintnisse der Welt cutrüthselt .zu haben glaubt, der den Schöpfer aus seiner Schöpfung verbannt und Gott von seinem Throne stürzt, um das Nichts an seine Stelle zu setzen, nur ein schaler, kalter Egoismus faßbar ist, darum vermag er auch in des Andern Brnst nur den schnödesten Eigennutz vorauszusctzen und dichtet dem Inden ein Stammcsgefühl an, wie ein solches seinem -Irrwahnc allein möglich erscheint: egoistisch, allen! Andern feindlich und gehässig, auf den gemeinen Bortheil erpicht. Das jüdische Stammesgefühl aber ist der gerade Gegensatz von diesen Hartmann'schcn Ersiudungcn. (Fortsetzung folg!.) Ailjilismus und Iudenlhum. Bon Friedrich R o t t. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Es war bereits Abend, als er W... erreichte. Er erkundigte sich sofort nach der Wohnung der Gräfin Orlofska, und trotz der vorgerückten Stunde begab er sich dorthin. Die Gräfin empfing heute eine zahlreiche Gesellschaft in ihrem Salon, ihre ganze Dienerschaft war in Bewegung. Einem der Leute, der ihm zuerst entgegen trat, drückte er ein reiches Trinkgeld in die Hand und ersuchte ihn, dem Hofmeister des jungen Grasen mitzntheilen, daß er ihn im Interesse einer Sterbenden um eine sofortige Unterredung bitten lasse. Der Mauu versprach, den Auftrag pünktlich zu besorgen, und in der That, wenige Minuten darauf stand Herzkow vor ihn!. ״Sie kommen von meiner Mutter?" fragte er hastig. Alexander verneinte. Herzkow athmete wie erleichtert tief auf, daun forderte er seinen Besucher auf, ihm in sein Zimmer zu folgen. Alexander entsprach dieser Aufforderung. Herzkow bot ihm einen Sessel, und indem er ihm gegenüber sich niederließ, fragte er nach seinem Namen. ״Mein ׳Name ist Noscnfeld," entgcgnete Alexander, ״ich bin der Schwager Ihres Freundes Ignaz LewinSki, dessen Mutter hoffnungslos darniederlicgt, sich verzehrt in unnennbarer Sehnsucht nach dem einzigen Sohne." ..Frau LewinSki ist so schwer leidend? das bedaure ich von Herzen; ich glaube, sic in! verflossenen Soinnter in dl... gesehen zu haben, sie schien noch frisch und lebenskräftig." ״Sie war eS." crwiederte Alexander mit mühsam verhaltener Erregung. ״Der Schmerz um die Verirrnng des Sohnes hat ihr das Herz gebrochen. Es entstand eine Pause; Alexander athmete hastig, Herzkow schwieg, als erwarte er, daß der Andere weiter spreche. ״Und was wünschen Sie von mir?" fragte er endlich kühl. Alexander blickte ihn verwundert an, er glaubte den Zweck seines Kommens bereits ausgesprochen zu haben. — ״Daß Sic mir den AnfcnthaltSort meines Schwagers angcbcn," erwicderte er, indem sein Blick dem des ihm gegenüber Sitzenden zu begegnen suchte. Dieser zuckle die Achseln. ״Ich bedaure, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können." ״Sie können ihm nicht entsprechen?" rief Alexander, ״wollen Sie in Abrede stellen, daß Sie es sind, der den unreifen Jüngling seiner Familie entfremdet, ihn—״

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