Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1885)
- Article
- Die "Alliance israélite universelle"
- Date
- 1885-02-26
- Page
- 130 (sequence 2)
- Language
- German
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130 und (riit?LUrfrii beschränkt sich anSsch!! eßl i ch auf mcnschensrcnndliche Ziele: Hülfe den ^Icbriuftcn und Uitlcnpcifmtft der Onflonb zu geinähren. Bei denjenigen unserer »Feinde, denen noch nicht alles Nechl^gesu!)! nbl)anhon geko,innen ist, muß diese offenkundige Rechen - schaflsablagt die ^iige verstummen machen unb sie miiffcit sich in Achlnng beugen vor einen! streben, weiches dem ihn! verleumderischer ׳Weise angcdichlctcn Egoismus ״in .HimmclSweiten fern steht, welches nichts gemein hat mit politischen! Ehrgeiz und einer Phontostischen jüdischen Wcltmonarchie. Die Alliance schließt grundsätzlich olle politischen Fragen von ihrem׳ Programm ans, wie sic auch den Kämpfen der politischen und wirthschastlichen Parteien und der Rationalitäten fern steht. Tic nimmt sich der Juden, welche als solche zu leiden hoben, an und sucht aus de»! Wege der Bitte deren Vciden zu mildern und deren Anerkennung als gleichberechtigte Bürger der Staaten, in deren Mitte sic leben, zu erwirken. Wenn sic sich lediglich hieran ein (genüge sein ließe, wenn sie in der Thot noch Innen jede Be׳ ffrcbnng auf religiösen! (Mebicte,!nie cs in ihren! Programmc ausgesprochen ist, anSschlöff'c, so inürdc ihr die ungetheilte und unbegrenzte Sympathie oller Inden nicht schien können, und wir wären wohrlich nicht die Vcfctcn, die ihr zur Jubelfeier rückholt- und bedingungslos für ihre geso 11! inten Bestrebungen den Zoll unserer Bewunderung und Dankbarkeit darbrücht'cn. To ober sehen wir uns zu unserem aufrichtigen Bedauern in der Hage, diesen lediglich auf diesen Thcil ihres Tteebens beschränke!!;1!!Nüssen. Wir!werben die Re snltate desselben weiter nuten mitthrilcn. Aber nicht diesen gebührt der Preis und Donk. Wenn nirgends der Erfolg als Maßstob für den sittlichen Werth gelten kann, so gewiß nicht ans einem Gebiete, wo mit moralischen -Waffen gegen die Unterdrückung der Schwachen gekämpft wird, wo mm sich der verblende teil vMeuusii nur bittend naht, wo man in! Romen (Voltes, i 111 Rainen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit für den Dhnmächtigcn anstritt und, au das lädiere in der Meuschenbrnst oppelircnd, die Gewalt anssordert, sich vor dem Rechte zu beugen und dem Diktate der Viebe Holge zu geben. Wie gering oder bocntend die Erfolge der Alliance hier immerhin ge wesen sei!! mögen, Donk ihr für jede Theilnohme, die . sie dein Bedrückten erwiesen, für jedes Wort der Bruderliebe, das sie anihn gerichtet, für jedes freimuthigc Wort, das sic zu seinen Gunsten vor den Mächtigen der Erde gesprochen, für jeden Tropfen Balsam, mit dem sie das gcüngstigtc Gemüth bcschwichtigt, für jede Minute, um welche sic das Veiten einer Mcuscheusecle gekürzt, für jede gute Thät, für jedes edle Streben,, deren Förderung sic bewirkt, für alles Gote, was sic gewollt -- dafür sei ihr gedankt, rückhaltlos gedankt. Tie Hot ober ein weiteres Ziel sich gesteckt als lediglich die Hülse und die Vertheidigung der Glaubensgenossen gegen von Außen ihnen gebrachtes Veit, gegen Veesolgnng, Bedrückung und Verleumdung ihrer Feinde. Die ״sittliche Entwickelung und Bildung der Israeliten" gehört nicht minder;u ihrem Programm und nimmt in viel höheren! Grade ihre unausgesetzte Wirksamkeit in Anspruch. Freilich betont sic nachdrücklichst, daß sie keinen religiösen Zweck verfolgt und keine ״religiöse Vcljrc innerhalb des jüdischen Glaubens״ unterstützen will; ״Theologie stände ihr ebenso fern, wie die Politik." Aber sieht die in sechSnndzwanzig orientalischen Slädtcn bewirkte Errichtung von Schulen mit dreihnndertnndvicr Lehrern und neuntausend Schülern mit der Religion nicht im Zusammenhang, ja, ist dieses Gebiet ihres Arbeitsfeldes nicht in eminentem Grade ein religiöses? Entweder cS wird in diesen Unterrichtsstatten der Alliance das religiöse Moment gar nicht berührt, oder cS findet auch dort seine Pflege. Im elfteren Falte würde die religiöse Erziehung und Bildüng der Berkümmerung überwiesen ans Kosten der wissenschaftlichen, wodurch sicherlich nicht die ״sittliche Bildung der Israeliten" eine Forderung fände. Im andern Falle aber träte gerade die religiöse Seite bedeutend in den Vordergrund, und da fragte es sich, in welchem Geiste das jüdisch religiöse Bewußtsein ge-!neckt und gepflegt werde. Rim ist eS eine überaus traurige, aber leider nicht wegzulengnendt Thatsache, daß die Indcnheit der Gegenwart gerade in diesem Punkte gespalten ist und sich hier die Gegensätze iu der deutbar schroffsten Weise geltend machen. Die Einen erblicken in einer Umgcstaltung des IudeuthumS ein nothweudigeS Erforderuiß und leugnen die ewige Verpslichluugskraft rcligionS׳- gesetzlicher Normen; den Anderen gilt das ganze Indenthnm, wie cS uns von den vergangenen Geschlechtern überkommen, als heilig, unantastbar' und verpflichtend. Die Alliance hat diese Kluft auch keineswegs übersehen, aber geglaubt, einen Ausweg gefunden zu haben, auf welchem ein Zusommengche!! Aller auch in den Fragen dcS IngendnilterrichtS möglich wäre. Sic hat deshalb die vorhin angeführte Erklärung in ihr Programm ausgenommen. Wie will man aber Schulen für das Volk einrichtcn ohne Religion' und wie will man für die sittliche Hebung einer Religionsgemeinschaft thätig sein, ohne die Religio!! als Basis dieser Sittlichkeit zu nehmen? Wenn die Alliance sich der Ingendbildung im Kreise unserer orientalischen Brüder widmen will, . wenn ihr Streben dahin geht, eine wahrhaft gebildete, rcllgionötrcne jüdische Generation heranznbilden, so hätte sie die ״religiöse Propaganda" nach Innen