Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1885)
- Article
- Asien [Nachricht]
- Date
- 1885-02-19
- Page
- 125 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Asie 11. .§. lieber die Juden in Centralasien berichtet der englische Reisende 1)1׳. LanSdell manches Interessante, aus welchem wir nach dem ״Jewish World" einiges mittheilen. In Taschkent, Kokaut uudSamarkand erfreuen sich die Juden unter der russischen Herrschaft eines guten Zustands. Sie erblicken in den Russen ihre Befreier von der früheren Willkür und Bedrückung. Die Juden zeichnen sich durch Intelligenz und Bildungstrieb vortheilhaft von der übrigen eingeborenen Bevölkerung aus. Viele Juden in Taschkent sind als russische Soldaten dorthin gekommen und haben sich nach ihrem Austritt aus der Armee daselbst niedergelassen. Di׳. Lansdell erzählt, daß er in einer Schule von 77 Schülern nicht weniger als 30 jüdische Knaben fand, welche die bei weitem vorangeschrittensten waren. Dagegen befinden sich die Juden in Bochar a in einer überaus gedrückten Lage. Sie klagten ihm, daß ihr früherer Rabbiner bereits seit fünfzehn Jahren ohne einen RechtSgruud von dem Emir im Kerker gehalten werde, nachdem sein Vermögen konfiSzirt worden sei. Er sei auch zur Annahme des Islam gezwungen worden. Sie baten Anfangs, Di׳. LanSdell möge sich für ihn verwenden, nahmen aber bald dieses Ersuchen zurück aus Furcht, der Emir könnte eine Verwendung übel aufnehmen und sich dafür entweder an dem unglücklichen Gefangenen oder au den Juden überhaupt rächen. — Mchttsllillu. ס׳ התורה והמצו' וגלו׳ אליו מאמר אלה פוסקיך ישראל מאת יוסף כהן צדק London 5644. 8. 112 S. Die vorliegende Schrift besteht auS zwei Theilen, wovon der erste das Verhättuiß des Thorastudiums zur Thorabeobachtung behandelt. Obwohl der Verfasser bemerkt, daß er in seiner Abhandlung keine erschöpfende Erörterung dieses Gegenstandes zu geben beabsichtige, enthält seine Darstellung doch mehrere sehr lichtvolle Erörterungen hierher gehöriger Talmudstellen, woraus gezeigt wird, daß, obgleich das Thorastudium die erste der jüdischen Pflichten ist, doch in solchen Fällen, in . denen die rechtzeitige Erfüllung eines Gebotes gefährdet wäre, das Gesetzesstudium der Gesetz'eSbeobachtung nachstehen muß. Der zweite Theil der genannten Broschüre enthält die Kritik des Anfanges einer Schrift, die als Doppelkommentar zu ש״ע י״ד הל, בבור אב ואס unter dem Titel שתי המטות erscheinen und nach der Prätension ihres Verfassers eine Hodegctik für rituelle Entscheidungen sein soll. Der Verfasser dieser Schrift hat den ersten Bogen derselben dem schon seit lange durch seine verdienstvolle jüdische literarische Thätigkeit in den weitesten Kreisen bekannten Gelehrten, Herrn I. Kohn» Zedek, zur prüfenden Einsicht überschickt, und die vorliegende Besprechung אלה פוסקיך ישראל enthält eine schlagende, ebenso gründliche als geistvolle, von witzigen Sarkasmen sprühende Widerlegung verschiedener auf dem erwähnten Probcbogen enthaltenen Aufstellungen. Da es im jüdischen Interesse liegt, daß die Anschauungen des Verfassers des שתי המטות die ihnen gebührende Zurechtweisung finden, ist der vorliegenden Schrift des Herrn Kohn-Zedek, die von dem Herrn Verfasser (13, St. Mark Street, Goodman's Ficld'S, E., London) zu beziehen ist, aus mehrfachen Gründen die weiteste Verbreitung zu wünschen. —11. ״Der arme Poet von Kotzcbne" und Schiller's ״Resignation". Uebertragcu ins Hebräische von Isidor B rüstig er. Lemberg 1884. Ehrenpreis. Der Nebersetzer zeigt eine bedeutende Gewandtheit in der Handhabung der hebräischen Sprache. So weit Rezensent die Uebertragung mit dem Originale verglichen hat, was allerdings nur bei Schillert Nesignation geschehen ist, giebt sich dieselbe allerdings nicht als eine Uebersetzung, sondern als eine Nachbildung. Es läßt sich die Schwierigkeit, welche der Uebersetzung einer poetischen deutschen Dichtung inS Hebräische entgegensteht, nicht verkennen. Ich bin deshalb der unmaßgeblichen Meinung, daß man auf. ein solches Unternehmen lieber verzichten und der eigenen Dichtung sich zuwenden sollte. Namentlich wäre dem Herrn Vrüstiger zu empfehlen, sein schönes Talent in dieser Richtung zu versuchen. X. * * Der hohe Nabbi Low und sein Sagenkreis. Von Di׳. Nathan G r ü n. Prag 1885. Brandeis. Eine interessante Monographie über das Leben des berühmten Rabbi Löw den Bezalel, genannt der hohe Nabbi Löw, eines der bedeutendsten Männer seiner Zeit. Die vorliegende Studie ist ׳ eine recht fleißige und umsichtige, wenn man auch nicht immer dem Verfasser in seinen Schlüssen wird folgen wollen. Ist eS doch ungemein schwierig, aus dem vorhandenen, nicht sehr belangreichen Material die Biographie eines Mannes zu schreiben und wird man nur allzu oft auf Konjekturen sich hingewiesen sehen, über deren Wahrscheinlichfeit die Ansichten natürlich auScinandergehen können. Dem Herrn Verfasser gebührt jedenfalls Anerkennung und Dank dafür, daß er die Person des gefeierten Nabbi Löw den Zeitgenossen näher gebracht hat. W.