Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1885-02-19
- Page
- 124 (sequence 2)
- Language
- German
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Applomb in Szene gesetzt wird. Wie die Blatter melden, fand unter dem Vorsitze eines gewissen S. Herzfeld eine Versammlung der ״reforuürtcn israelitischen Kirchcngemeindc" ftatt, in welcher auch ein von 200 Personen unterschriebenes Programm verlesen wurde. Es sind dies größtenthcils sehr eigcnthümliche Namen. — Diese Bewegung wird hoffentlich baldigst den Weg aller ihrer Vorgänger gehen und der wohlverdienten Vergessenheit anhcimfallen, da selbst ncologeste Kreise nicht geneigt sein dürften, diesem Neformzuge Heeresfolge zu leisten. Holland. j-j Rotterdam, 14. Februar מש׳ק. Unsere Gemeinde befindet sich in FestcSstimmung; unser neuer Oberrabbiucr, Herr Dy. Ritter, seither in Prcnzlau, ist gestern installirt worden. Große Vorbereitungen waren getroffen worden, und das Programm ist in schönster Weise zur Ausführung gelangt. Den Glanzpunkt des Festes bildeten die zwei Predigten, die unser neuer Oberrabbiucr gestern Abend und heute gehalten hat. Es waren goldene Worte der Begeisterung, die seinem Munde entströmten, und sie fanden weiten Widerhall in den -Herzen der zahlreichen Zuhörer. Das waren keine Phrasen, keine gekünstelten Redewendungen, unter denen inan sich alles Mögliche denken kann, — da sprach der von Liebe und Begeisterung für unsere heilige Thora durchglühte und entflammte Rabbiner zu seiner Gemeinde. — Möge cs ihm vergönnt sein, seinem Programme gemäß, Großes und Herrliches bei uns zu wirken, und möge er dabei die Mitwirkung Aller finden, die zur Leitung unserer Gemeinde berufen sind.!והדרך צלה רבב על דבר אמת Rußland. * Aus Ob4*ffa vom 4. Februar wird der ״N. Fr. Pr." geschrieben: Während hiesige Korrespondenten auswärtiger Blätter den Organisator der neuen jüdischen Sekte, Rubinowitsch, in Kischencw von einer Horde fanatischer Juden ermorden ließen, erfreut sich dieser des besten Wohlseins und scheint sich zahlreiche An- Hänger zu erwerben. Soeben veröffentlichte er seine Lehrsätze in der heutigen Nummer des hier unter den Juden stark verbreiteten ״Listok". ״Seitdem es durch die Presse bekannt geworden" — schreibt Rabiuowitsch ~ ,.daß uns Israeliten des Neuen Testamentes von der Negierung erlaubt wurde, in Kischencw eine besondere Synagoge zu gründen, erhalte ich von meinen jüdischen Milbrüdern aus dem ganzen Reiche täglich eine Masse von Briefen, in welchen sie, das vollste Mitgefühl für die von mir verbreitete heilige Sache unter den rufstscheu Juden ausdrückend, sich an mich mit folgenden Fragen richten:!.Worin besteht die rituelle Seite der Inden dcS Neuen Testaments? 2. In welchem Perhällnisse werden die gegen die Juden im Allgemeinen bestehenden StaatSgesctze zu der neuen׳ Sekte stehen, und welche Privilegien werden die Anhänger der Sekte von den anderen Juden auszeichnen? und 3. Können die unbemittelten Mitglieder auf materielle Unterstütznng von Seite dieser neuen Sekte rechnen?" Was die erste Frage betrifft, so verweist Rabiuowitsch seine Mitbrüdcr aus die in jüdischer und deutscher Sprache in Leipzig erschienene Broschüre des Professors und Theologen Delitzsch unter dem Titel: ״Dokumente der national-jüdischen christglänbigen Bewegung in Südrußland" mit der Bemerkung, daß die in der Broschüre angegebenen Pläne und religiösen Gebräuche nunmehr detaillirt ausgearbeitet und christlich-theologischen Autoritäten z!!r Begutachtung vorgelegt werden, worauf sie nach Erlangung der ministeriellen Erlaubnis durch die russische Presse bckamttgemacht werden sollen. Auf die zweite Frage antwortete er mit den Worten Jesus, welche dieser seinerzeit den Juden zurief: ״Wenn ihr meinem Worte glauben werdet, so seid ihr meine wahrhaften Jünger. Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit. wird euch freimachen. Wenn euch also der Sohn befreien wird, so werdet ihr wahrhast frei sein." (Ev. 301)., Kap. 8, V. 31,32, 56.) Unter dieser Befreiung versteht Nabinolvitsch wahrscheinlich die Gleichberechtigung der neuen Sekte mit den übrigen Nationalitäten in Rußland, welche die alttestamcntarischen Inden nicht genießen. Die letzte Frage beantwortet Rabinowitsch mit der kategorischen Erklärung, daß die Fonds der neuen Sekte nicht in ״geprägtem Silber und Gold", sondern in ״dem kostbaren Blute des Heilands" bestehen, und daß die Sekte nicht über solche Mittel verfügt, welche von den Missions-Agenten ausländischer Missionen angewendct werden." An Gegnern scheint eS dem neuen Propheten nicht zu fehlen, denn ein Brief aus Odessa vom 7. d. meldet uns: Der Organisator der neuen Sekte ״Neu- Israel", Joseph Rabiuowitsch, fängt jetzt an, die Rolle eines Märtyrers zu spielen. Wie nämlich einem hiesigen Blatte ans Kischencw tclcgraphirt wird, übersiet ihn gestern, während er mit seiner Tochter ans der Straße fuhr, eine Anzahl von 2׳ bis 300 orthodoxen Juden, welche ihn mit Schmutz und Schnee bewarfen und mit einem kolossalen Lärm verfolgten. Rabinowitsch verlor indessen den Muth nicht, sondern stieg aus und sagte: ״Was wollt ihr Unverständigen? Nicht ich allein, sondern auch Andere werden dasselbe predigen; s es ist Zeit, ihr müßt glauben!" Die Menge soll sich; nun sofort beruhigt haben und auseinandergegangen j sein. Wie des Weitcren gemeldet wird, gedenkt Rabi- : nowitsch nächste Woche nach Odessa zu kommen, um I vor d§n hiesigen Juden eine Predigt ztl halten.