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Jeschurun · 1885-02-19 · Heft 8 (19.2.1885) · p. 123

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 8 (19.2.1885)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1885-02-19
Page
123 (sequence 2)
Language
German
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123 wurde vom Kaiser Aurelian (272 n. d. gew. Zeitrechnung) zum ersten Male und nach dem Wiederaufbau von den Sarazenen (744), vernichtet. Benjamin von Tudela (1172) erzählt, daß er daselbst eine jüdische Gemeinde, etwa 2000 Seelen stark, getroffen habe.— Die Form der Inschrift an dem Tcmpelportal soll auf die ersten Jahrhunderte der gewöhnlichen Zeitrechnung Hinweisen. * Fürth. Der Jahresbericht der Gabriel Nießer'schcn Stipcndienstiftung pro 1883/84 gewährt eine Ucb er sicht über die stetig zunehmende Wirksamkeit dieses Vereins. Während im ersten Jahre (1807) nur drei Stipendien mit zusammen <46 171,43 gewährt werden konnten, wurde in der letzten Periode deren 16 mit ^6 3120 bewilligt. Diese Stipendien kommen jungen Leuten zu Gute, welche ihren Studien obliegen, beschränken sich aber nur auf jüdische Bayern. Seitdem achtzehnjährigen Bestände dieser Stiftung haben im Ganzen 103 Stipendiaten mit <46.18 173,85 auS dieser Stiftung Nutzen gezogen und zwar 1 Theologe, 55 Juristen, 37 Mediziner, 7 Philologen :c., 16 Polytechniker und 45 Seminaristen. (LchramtSkandibaten??) Oesterreich-U ngarn. ...f. Wien, 11. Februar. Daß ich keine Gespcustcr am lichten Tage schaue, daß die Befürchtungen, welche ich in meinem vorigen Schreiben ausgesprochen, nicht einer lebhaften Phantasie ihren Ursprung verdanken, davon gicbt die Erklärung Kunde, mit welcher der Herr Kultusminister vorgestern in der Budgetkommission hcrvorgetreten ist. Baron Konrad thcilte mit, daß ein Entwurf über die Neuregelung der jüdischen Gemcindcvcrhältnisse in seinem Ministerium fast ganz fertig auSgcarbcitct bereit liege und in der nächsten Session zur Verhandlung gebracht werden solle. Welcher Einfluß sich in dieser demnächstigcn Regierungsvorlage geltend machen wird, darüber kann wohl kaum ein Zweifel obwalten, ebenso wenig darüber, daß im Reichstage selbst schwerlich sich Stimmen finden werden, welche für das Recht des gesctzeStreuen Jndcnthums in Oesterreich plädiren. Lassen die Orthodoxen die kurze Spanne Zeit, welche noch zu verstreichen hat, bevor sie den Entwurf in dem Bürcau des Reichstags erblicken, ungenützt vorübergehen, bieten sie nicht Alles aus, um im Ministerium auch ihren Wünschen Gehör zu verschaffen, dann, so fürchte ich, bricht eine trübe, trübe Aera herein. Ich wiederhole die ernste Frage: giebt es denn in Galizien, Mähren und Böhmen keine einsichtsvollen, energischen Männer, welche für Gott und sein Heiligthum in die Schranken zu treten gewillt sind; — ist denn aller Manncsmuth und alle Begeisterung erloschen?? *II* Pest, Februar. Bei Gelegenheit der Debatte über die Reform dcS Oberhauses wurde der Abgeordnete Andor Vadnay wegen ungezügelter Angriffe auf die Juden vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. — ..p.. Czcrrrowitz, 9. Februar. Omnin vindt Amor — ob dieser Alles besiegende Amor Dummheit oder Antisemitismus in dem folgenden Histörchen heißt, mag dahin gestellt bleiben und zwar umsomehr, da der letztere jedenfalls eine Spczialart der elfteren ist. Da prangte kürzlich an dein schwarzen Brett unseres Gymnasiums eine hochwcisc Proklamation dcS überaus gelahrten -Herrn Direktors, in welcher n. A. auch die väterliche Mahnung an die geliebten Gymnasiasten jüdischen Glaubens vorkam, doch lieber das Studium auszugeben, da sie vermöge ihrer Konfession ja keine Aussicht hätten, die erworbenen Kenntnisse zu verwcrthcn. Die dem Herrn Direktor Vorgesetzte Schulbchörde erschrak darob gewaltig, weil sie mit Recht der Ansicht war, das viele Wissen habe den armen Mann verrückt gemacht, so zwar, daß er nicht mehr wisse, daß Czernowitz in Oesterreich liegt und wir jetzt 1885 und nicht 1785 schreiben. Die Untersuchung darüber ist wohl noch nicht abgeschlossen, die interessante Bekanntmachung ist aber sofort auf höhere Ordre entfernt worden. Die überaus gelehrten Herren sind öfters ganz komische Menschen, so daß man nicht weiß, wo bei ihnen die Weisheit aufhört, um der Dummheit Platz zu machen, oder umgekehrt. * Aus Galizien. Die ״Sociatpol. N." enthält eine interessante Schilderung über die Petrolcumiudustrie von Drohobycz und Boryslaw, in welcher über 10000 Arbeiter, zum größten Theil Juden, ihren Erwcrb finden. Derjenige, welcher diesen in dem karpatischcn Boden verborgenen Reichthum zuerst erschloß, war der Obcringcnieur Anton Prokesz, der von der ganzen Gegend und namentlich den Juden als Wohlthäter verehrt wird. Als er im Jahre 1851 bei seinen Untersuchungen die Ergiebigkeit der Naphtagucllen in dieser Gegend erkannte und nach Drohobycz kam, um die geeigneten Geschäftsleute für die Ausbeutung dieses Produkts zu gewinnen, war es gerade Suckoth. Er mußte deshalb einige Tage verweilen, da mit den Juden natürlich geschäftlich nichts zu machen war. Mit Mendel Sachs und A. Schreiner verhandelte er zunächst. Er verschaffte den über nicht große Mittel verfügenden Juden Vorschüsse. Hermann Toch legte die erste Raffinerie an. 8. P. Aus Ungarn. Ich habe im verflossenen Jahre im ״Jeschurun" - aus eine Neformbewegung in Pest austnerksam gemacht. Dicstlbe ist aber seitdem selig entschlafen. Nun habe ich über einen neuen Ncsormcoup zu berichten, der aber mit größerem

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