Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1885)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1885-02-19
- Page
- 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Hauptthcil des Vortrags durch eine geschickt getroffene Auswahl aus den Werken des Dichters und Philosophen eine Bekanntschaft mit der Ideenwelt Jehuda Halcwi's zu vermitteln suchte. Das wiederum recht zahlreiche ans Herren und Damen bestehende Auditorium zollte der Vorlesung lebhaften Beifall. K. Berlin, 1 l. Februar. Die ״Post" berichtet, daß eine Jüdin, Namens Pech, am vorigen Sonnabend als Zeuge in einem Privatbeleidiguugsprozeß vor Gericht erscheinen sollte, doch ihr Ausbleiben dahin motivine, daß sic kränklich sei, daher nicht zu Fuß den Weg zum Gerichte zurücklcgcn könne, durch ihr Ncligiousgesetz jedoch verhindert sei, am Sabbath zu fahren. Die Gegenpartei protcstirte gegen diese Gründe, wogegen jedoch der Gerichtshof die Entschuldigung der Zeugin als begründet erachtete und den Termin verschob, allerdings wieder auf einen Sonnabend, da nur dieser Tag für die Verhandlung von Privat- Ehrenbeleidigungsprozessen bestimmt sei. -u-Brrlin, ln.Februar. Wer schützt uns vor uns selbst, vor der eigenen Verunglimpfung unseres Heiligsten? Wir empfinden - bitter den Spott unserer Hasser, cS schmerzt uns tief der Schlag von ihrer Hand; bitter und tiefer aber empfinden wir die Prcisgebung des jüdischen Heiligthums von Seiten der eigenen Brüder. Herr I. Morgenstern verherrlicht in Nr. 3 des ״Magazin für die Literatur des In- und Auslandes" den Naturforscher Charles Darwin. Ich gönne demselben gewiß jedes ihm gebührende Lob. Warum aber muß der Verkünder seines Ruhms diese Glorifikation dazu benutzen, 11m die jüdische Lehre zu verunstalten? Als Erweis für die abgestandene Theorie der verschiedenen Redaktoren des Pentateuch und daß derselbe erst lange nach der Salomonischen Zeit entstanden, bringt Morgenstern als ein Novum die letzten acht Verse auf's Tapet. Moses habe doch nicht schreiben können ״Und MoscS starb ..." u. s. w. Jeder Kundige weiß, daß im Talmud Baba Bathra 15 hierüber zwei Ansichten mitgcthcilt werden. Die eine geht dahin, daß diese acht Schlußsätze von Josua niedcrgeschrieben seien, die andere, daß Moses selbst sic nach Gottes Ausspruch ausgezeichnet habe: ״bis hierher hatte Gott gesprochen und MoseS unter Wiederholung des göttlichen Worts geschrieben, von hier ab aber sprach nur Gott und Moses schrieb schweigend unter Thränen." Herr Morgenstern Übersicht die crstere Ansicht und nennt die zweite 'paradox, ״als ob eine Lüge mit Thränen geschrieben erlaubter als eine mit Tinte geschriebene Lüge wäre. Lüge bleibt Lüge, gleichviel, ob sie mit Thränen oder mit Tinte geschrieben ist," schreibt er spöttisch. Die zarteste, innigste Auffassung wird so mit frivolem Hohne abgcfcrtigt. Ist das wissenschaftlich? Eö kann unS gleichgültig sein, ob Herrn Morgenstern der Pentateuch GotteS Wort ist oder nicht; uns und dem Talmud gilt sic aber als solches und in dieser Auffassung ist cs doch wahrhaftig keine Lüge, wenn Moses etwas niederschreibt, was Gott ihm selbst über seinen Tod mittheilt. Giebt es aber eine tiefere Auffassung als die in dem ..paradox" genannten Ausspruche des Talmud? Moses schrieb die ganze Lehre nach Gottes Ausspruch und wiederholte sich jedes Wort, das ja auch für ihn und an ihn gesprochen; die letzten acht Sätze aber waren nur au ihn für Israel und die Menschheit gesprochen, nicht für ihn. Wenn Herr Morgenstern sich für den Darwinschen Atavismus mit dem Affen begeistert, so ist das seine Sache, gegen die Verunglimpfung der jüdischen Lehre aber legen wir Protest ein.-Die ״N. Pr. Ztg." verwahrt sich gegen die russische Presse, welche für den Brand in Jakobstadt das russische Deutschthum verantwortlich macht, da dieser Ort überwiegend von Juden bewohnt werde, und es deshalb viel wahrscheinlicher sei, daß, falls ein Jakobstädter der Urheber der Brandstiftung sein sollte, die Schuld einen Juden träfe. Sie macht also hier die größte Wahrscheinlichkeit geltend, daß der einzelne Missethäter aus der Majorität hervorgegangcn sei. Die Juden in Deutschland bilden aber auch nur einen geringen Bruchtheil der Bevölkcrung Deutschlands und doch macht sie fortwährend für alles soziale Unheil diese Minorität verantwortlich. Ist das mit gleichem Maß gemessen?? —, -1- Kassel, 12. Februar. Herr Dr. Isaak Prager, Direktor des israelitischen Lehrerseminars zu Hannover, ist zum Provinzialrabbiucr des Sprengels Niederhessen von der Negierung ernannt worden. .A. Frankfurt a. M., 15. Februar. Die ״Frankftr. Ztg." enthält eine kurzgedrängte Anzeige über die wissenschaftlichen Ergebnisse der vom Professor Julius Euting aus Straßburg unternommenen Reisen in den eben vergangenen beiden Jahren. Herr Euting zählt zu den hervorragendsten Gelehrten auf dem Gebiete der orientalischen Epigraphik, d. i. die Lesung und Deutung von Inschriften. Unter den Ruinen Palmyras (Tadmor) glaubt der gelehrte Reisende die Reste eines jüdischen Tempels entdeckt zu haben. Dicscben bestehen aus zwei Pfeilern mit ein Paar kaum leserlichen Worten und der Oberschwelle, auf welcher in schöner Ouadratschrist die Verse deS ״Schema Israel" eingegraben ist, (5. B. Mosis 6, 4—9). Herr Dr. Landauer, Bibliothekar in Straßburg, hat hierüber bereits in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie vom 31. Juli 1834 Mittheilungen gemacht und die ganze Inschrift in verkleinertem Maßstabe, sowie den Abklatsch des besierhaltenen Theils derselben in Originalgröße photolithographisch wiedergegeben. Das einst mächtige und blühende Palmyra