Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1885)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
- Date
- 1885-02-12
- Page
- 111 (sequence 2)
- Language
- German
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mehr Gefühl als den Uebrigcn zutraute, mit den Worten an: ״Warum folgst Du nicht unfern! heiligen Glauben, mn durch die Taufe mit uns gleicher himmlischcr Srligieit zu genießen?" — Aber Aaron, antwortete sophistisch schneidend: ״,.Edler Fürst, ich glaube an den Gott, der Alles kann und Alles geschaffen hat, an ihn, dessen Verehrung unsres Volles Vater Abraham und sein Sohn Isaak und unsre andern Vorfahren, welche nie von unscrm Glauben abgcfallcn sind, gelehrt und geboten haben. Er, so glaube ich, ließ mich Mensch werden und Jude. Hätte Er mich zum Christen haben wollen, so hätte Er nrich nicht meinem heiligen Bekenntnisse zugcwandt. Wenn es Sein Wille gewesen wäre, hätte ich ein Fürst sein können, wie Du!"" ') Da schwieg er und knirschte mit den Zähnen. Alle aber gingen mit festem Muth, ohne Widerstreben und Thräncn, zun! Tode und hauchten mit alten, heiligen Gesängen ihr Leben aus." Das Hans des Juden Elcasar, in welchem die That vollbracht war, — nach der Urgicht an der Ecke der Pastiner Straße, dem Kirchhof gegenüber — ward abgebrochen; die Hausstelle lag als ein verbannter Platz noch lange wüst. Da das Vermögen der vcrbrannten Juden den Landesherren anhcimficl, so gehörte ihnen auch die HauSstelle. Bei der Verlegung des Hofgcrichts nach Sternbcrg im Jahre 10*22 erbauten sie auf der Stelle ein HanS, welches im Brande von 1659 eingcäschert ward. Die Stelle, welche von der städtischen Gerichtsbarkeit befreit war, ward lange 'Zeit die Präsidentenstelle genannt, bis im Jahre 1701 der nachmalige Bürgermeister Johann Vorast von dem -Herzoge die Erlaubnis erhielt, die Stelle gegen eine Erlegung eines jährlichen Kanons wieder zu bebauen. Im Jahre 1710 verkaufte Vorast das Haus an den Schulrektor und darauf an den Hülfsprcdiger Frank׳), der es im Jahre 1718 noch bewohnte. ') Diese freien Worte nannten sie ״sophistisch schnei, d c n d", die ausgesprochen wurden im Angesicht des Scheiter- Hausens! Versager des oben angeführten Berichts über die Hostie. — (״Gründlicher und ausführlicher Bericht von denen durch die Juden 1492 zerstörten Hostien.") Der Priester Peter Däne ward nach Rostock gebracht, wo der bischöslichffchwenusche Offizial wohnte, und hier durch ein geistliches Gericht ebenfalls zunl Fcucrtodc verurtheilt. In Gegenwart der Landes- Herren, vieler' vornchitler Männer und Priester ward er am Mär; M93 seines Priesteramts entsetzt, geschoren und in kurzen, weltlichen Kleidern dem Buttel übergeben, welcher ihn vom Markte auf einem Karren durch die Stadt fuhr, an den Straßenecken mit glühen- Zangen zwickte und ihn vor die Stadt zum Nichtptatze brachte. Alle diese Marter litt er ergeben und reumüthig. In Johann Berckmann's stralsundischer Ehronik stehen die merkwürdigen Worte: ״He wortt tho Nostog afgcwyctt vnd vp allen ordenn der stratenn mitt gloyenden tangenn thobraudt vud gctagcn, darua vorbrandt. Do vorsan sich Hertich Magnus darna vend were nicht sich vorbrandt gewesen, wenn idt nicht geschehen were, he hcdde em latheun bothenn, denn wor-he (ehe?) von forstenn (ersten) gehört ist." Hieraus erhellt die milde Gesinnung des Herzogs, welcher wohl dem strengen Eifer der Geistlichkeit nicht traute. Er hätte, so ist wohl die Ansicht des Chronisten, bei eignem Verhöre andere Erfahrungen gewonnen. Zur') Verehrung des heiligen Blutes wurde eine besondere Kapelle erbaut, die noch heute wohlerhaltcn steht. Sie ist an dem westlichen Ende des südlichen Seitenschiffes, neben der westlichen Hauptpforte der Kirche, an welche der Stein mit den Fußtapfen eingemauert ist, angcbaut. An einem ihrer Pfeiler ward die eichene Tischplatte befestigt, auf welcher die Inden in der Laube hinter Eleasar's Hause die Hostien durchstochen haben sotten. Sie ward mit folgender Inschrift versehen: ״Dit iS de Tafele dar de joden dat hillige saeramcut np gcsteken und gemartclet hcfft tom Sternberge im jare 1492." (Fortsetzung folgt.) Das Folgende ist ein Auszug aus Lisch's Referate über ״die heilige Blutkapclle" (Seite 218 — 226), soweit es uns hier interessirt. Inserate werden die Zspaltige Petitzcile oder deren Raum mit 25 Pfg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt die Nedaltion keinerlei Verantwortung. Jusertions- und AbonnementS.Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kaufsmann daselbst, ohne Preiserhöhung In meinem Hanse können noch einige! j Parochc,-, Scfcrmäntclchcn, Schul״ Knaben Aufnahme finden. Dieselben em. j * ' i * ״ilw j chnndcckerr u f. w. PsüNgen bei vorzüglichster Pflege eine sorgfäl.! von gutem Pergament und schöner Schrift! in echter Goldstickerei liefert in eleganter üge Erziehung.; empfiehlt billigst. I Ausführung billigst _ . r r m , I Frankfurt a. M. A. Hosmann, hebr. Buchhdlg. j Tsaac* Hirsch, Hannover, Artilleriestraße 29. I in Frankfurt a. M. J. Kauffmann.