Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1885-02-12 · Heft 7 (12.2.1885) · p. 109

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 7 (12.2.1885)
Article
Rußland : Petersburg [Nachricht]
Date
1885-02-12
Page
109 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2933101-2933109--17945-2959960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

109 bic Freiheit deS Erwerbs nicht zu verkümmern. Die > jetzige Messe zu CH er low lieferte dazu die sprechend׳ j stcn Illustrationen. Sic ist überaus kläglich ausgefallen,! so daß der Handelsstand wahrhaft entsetzt ist. Diese! Kalamität ist fast ausschließlich auf die Beschränkungen I zurückznführcn, denen die Juden unterworfen sind.! m. Warschau, 3, Februar Den sännntlichcn l Gnbcrnialregiernngcn ist zur strikten Befolgung Seitens! des Ministeriums die Weisung zugegangcn, daß fortab ausnahmslos allen mit Auslandspässen versehenen Israeliten die Ertheilnng von Ertaubnißschcinen zur Betreibung von Geschäften Zu versagen sei. Amerika. G. Newyork, 23. Januar. ES hat hier dieser! Tage eine Versammlung von einigen jüdischen Neve׳! rcnds getagt, welche unendlich viele Phrasen, unter! welchen man vergeblich einen wirklich vernünftigen Gez danken, welcher die Mühe des BcrichtcnS und die! Druckerschwärze wcrth wäre, Zn erspähen sucht. Trotz aller Anstrengungen der amerikanischen Neformpredigcr, sich eine große Bedeutung beizulcgen und ihrem Amte und ihrer Würde ein gewisses Ansehen zu verleihen, gelingt cS ihnen nicht, selbst in den Kreisen ihrer An- Hänger, sich Achtung zu verschaffen. Was ist uns der Reverend? sprach zu mir ein angesehenes Mitglied einer großen Ncformgemeindc, als wir uns über diese Rabbinerkonferenz unterhielten. Der Nebbe meiner polnischen Hcimath genießt noch heute in meinen Augen eine größere Achtung, trotzdem ich während der dreißig Jahre meines amerikanischen Lebens mit den Traditionen meiner Kindheit gänzlich gebrochen habe. Er war doch ein ehrlicher Mann, dem cS mit seinen Lehren und seinem Arnte heiliger Ernst war. Unser Doktor aber ist ein Charlatan, ein Schönredner, ein Schauspieler. Er glaubt selbst nicht an das Wort der Religion, welches er immer noch im Munde führen rnuß. WaS ist ihm denn eigentlich Jndcnthnm? Ich weiß cS nicht, aber er weiß cs ebenso wenig. Die Zeit wird kommen, wo dieser ganze jüdische Ncsornischwindel in die Brüche geht. — Ich sah den Herrn mit großen Augen an. — ״Sic staunen?" nahm er wieder das Wort. ״Sie haben vielleicht nicht Unrecht; denn ich habe mich ja ganz dem Jndcnthnm entfremdet. Aber, was wollen Sic? ich bin Geschäftsmann, ich habe mich ans den ärmlichsten Verhältnissen cmporgearbcitet und unter den Sorgen und Kämpfen des Lebens Gott und das Indenthuin vergessen. Glauben Sie mir, ich sehne mich nach einer Leitung Zur Rückkehr. Meine seligen Eltern waren in ihrem Elende daheim glücklicher. Wir leben in Sans und BrauS und in rastloser Arbeit, aber wir sind unendlich elend und kennen keine wahrhafte Freude. Unsere Kinder werden Heiden. Möchte doch ein Mann anfstehcn, der uns ans dieser geistigen Roth erlöste, aber unsere Prediger, das sind die .ärgsten Pfaffen, die gehen uns in allem Irreligiösen mit bösem Beispiel voran - Ich schaute den Herrn, welcher sich rasch empfahl, noch lauge uach und zeichnete die Unterhaltung aus, um Ihnen einen Keinen Einblick in unsere Verhältnisse zu geben. — Darin hat er recht, cs fehlt uns an einem Manne. Hätten wir einen solchen, es stände wahrlich besser um uns. Afrika. 8. Die ״Völle auf Erden," nennt ״The Iewish World" Marokko und meint, die auf russischem Boden im Jahre 1882 verübten Grüuelthaten sänken zu unbedeutenden Auftritten herab gegen das srrrchtbare Leid, welches über unsere Brüder in Dcmnat verhängt ist. Aus eidlich erhärtete Thatsachen und beglaubigtrn Briese stützt sich die Schilderung, welche dieses vorsichtige und zuverlässige Organ der Presse von den Demnater Leiden entwirft. Auf Beseht des Gouverneurs wurden die Wohnungen der Juden geplündert. Das war das Werk deö TagS. Nachts aber brach der Pöbel in die ausgcraubten Häuser und vollendete die Arbeit: die Frauen und Kinder wurden geschändet, so viehisch kühlte der Janhagel seine bestialische Wnth, daß die Feder der Frau Ester Amsalcm, welche darüber berichtet, sich sträubt, diese Szenen entarteter und thcilweise widernatürlicher Lust auftnzcichncn. Der neunzigjährige Rabbi 011 ff 11 f cl Malik wurde herbeigeschleppt, auf die Erde geworfen, entkleidet und mit neunhundennndachtzig Streichen gepeitscht. Khalif ben Mohär erhielt vor den Augen des Gouverneurs siebenhundert Peitschenhiebe, und als der Unglückliche wie leblos in seinem Blute am Boden tag, näherte sich ihm einer der Soldaten des Gouverneurs und trat ihm die Augen ans. Die Frau des Rüben el Ma l-i k hatte gesucht, sich mit ihrem anderthalbjährigen Kinde aus dem Arme zu flüchten: sie nmrd aber eingeholt, die Soldaten entrissen ihr das Kind und schlachteten cs vor der Mutter Augen. Das sind nur cinzcine Züge aus den unsäglichen, aller Beschreibung spottenden allgemeinen Gräueln, welche der Gouverneur verübt. Znm Himmel schreien diese entsetzlichen Abscheulichkcitcn — gicbr cS aber auf Erden keine Annehmer der mißhandelten Unschuld, keinen Rächer dieser Unthaten??- M Der Schrrkchau-Arrrch :mb dreMabbLrrer übev das Berhältmß der Jude:? zu Anders-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.