Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1885-02-12
- Page
- 108 (sequence 2)
- Language
- German
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Edlen, Ritter und Freiherren nicht auch nach der Priester- 1 kröne Haschen? Mitglied des israelitischen Konsistoriums! zu sein, von Wien ans der ganzen Monarchie Gesetze i vorschrciben zu können, die eigene Aufklärung bis in : das entlegenste Dorf zu tragen — daS spornt den j Ehrgeiz an. ES wurde kürzlich im ״Ieschurun" sehr; bezeichnend das traurige aber wahre Faktum ansge- . sprachen: unsere Führer schlafen. In der Thal, sie schlafen, ' sie wiegen sich in Sicherheit, ״nicht in unseren Tagen wird das Unheil kommen;" sie dürften sich furchtbar! enttäuscht finden; früher als man es denkt, möchte sie! ein österreichisches Konsistorium überraschen. Haben; wir denn in dem weiten Bereiche der Monarchie keine Männer, welche sich an maßgebender Stelle ebenfalls Gehör zu verschaffen im Stande sind? Die Negierung wird in reinster edelster Absicht handeln, wenn sic dem Drängen von neologcr Seite nachgiebt; sie wähnt, ein segensreiches Werk zu vollbringen. Kennen denn die Inhaber der Regierungsgewalt ein anderes Indcnthum, als das sich in den Finanz- und Industricbaronen, in den Juristen und Aerzten der Hauptstadt ihnen präsenlirende, als daS von den Doktoren Icllinck und Güdcmann ministrirte? Und ihr, Gemeinden, lasset es euch gesagt sein, was Jotham von der Gerisimhöhe den Herren von Schechen! gepredigt: DaS Konsistorium wird der Dornbusch sein, welcher über euch herrscht und mit seinen Dornen euch Schatten gicbt, wagt ihr euch aber, ihm zu widerjctzcn, so wird Feuer von seinen Dornen anSgchen und euch verzehren. Und ihr, Rabbiner, merkt cud) das Gleiche. Lasset ihr euch, Gemeinden und Rabbiner, von schönen Redensarten bcthören, und seht ihr euch nicht bei Zeiten vor, so werdet ihr nur zu bald und zu schmerzlich den Dorn eines allgewaltigen Konsistoriums in eurem Fleische fühlen. *II* Pest, 8. Februar. In der gestrigen Sitzung des Reichstags beantwortete Minister Trefort eine Anfrage dahin, daß er von den Uebelständen bei den israelitischen Matrikelbüchern Kenntniß habe und daß er bereits Verfügungen traf, deren genaue Durchführnng diese Mißbräuche ausschließe. Auch habe er ein Statut auSgearbcitet, hinsichtlich dessen Jnslebentreten er mit dem Minister des Innern so bald als möglich die Verhandlungen beginnen werde. England. *§* London, 6. Februar. Die von NamSgatc cintrcffendcn Nachrichten über daS Befinden Sir Moses Motesiore'S lauten leider nicht günstig und geben zu den schlimmsten Befürchtungen Veranlassung. Rußland. * Die ״P. C." läßt sich aus Lemberg schreiben: Vor einem Monate bestürmten die in Radziwillow (einer nahe der galizischen Grenze gelegenen russischen Stadt) weilenden österreichischen Juden die kompetenten hicrländischen Behörden mit dem Ansuchen um Schutz gegenüber der ihnen angeblich drohenden Ausweisung. Wie cS sich nun herausstellt, war dieser Alarmbericht nur theilwcise begründet. Den gepflogenen Erhebungen zufolge beträgt die Anzahl der österreichischen Familien israelitischen Bekenntnisses in Radziwillow, gegen welche die Landesverweisung von der russischen Behörde ausgesprochen wurde, nur sieben. Außerdem ist seitens der OrtSpolizei die Ausweisung noch weiterer zehn bis zwölf Individuen österreichischer Nationalität und!nosaischen Glaubens aus Radziwillow in Aussicht genommcn. Diese theils bereits dckretirten, thcils erst beabsichtigten Ausweisungen stützen sich jedoch keineswcgs auf die Verordnung vom Jahre 1858, welche sowohl den einheimischen als den frcinbcn Juden den Aufenthalt innerhalb der Grenzzone von 50 Werst untersagt, sondern sie stellen sich als polizeiliche Maßregeln dar, zu denen das gesetzwidrige Verhalten der betreffenden Individuen einen Anlaß geboten hat. Diese Ausweisung nämlich soll nur solche Personen treffen, welche entweder keine vorschriftsmäßigen Legitimations- Papiere besitzen, oder welche als gewerbsmäßige Schmuggler bekannt oder sonst in anderer Richtung übel beleumundet , sind. UcbrigenS hat sich die russische Negierung bereit; erklärt, diese Angelegenheit durch die Lokalbehörden! nochmals genau prüfen und, wenn thunlich, Schonung! walten zu lassen. — Wie die ״Neue Zeit" mittheilt, wären der Iudenkommission nunmehr die Resolutionen der Lokalkommissionen für die Judenfrage aus den neun südlichen und südwestlichen Gouvernements zugegangen. Dieselben seien in Bezug auf die Frage der Erweiterung des AnsicdclungsrayonS für die Juden thcils ablehnend, theils zustimmend ausgefallen; dagegen hätten sich die Lokalkommissionen fast einstimmig dahin ausgesprochen, daß jämmtliche Spezialsteuern der Juden, wie die Korobkasteuer rc., sowie die jüdischen unteren und mittleren Separatschulcn aufzuheben, der gegenwärtige Modus bei der Führung der jüdischen Standesrcgistcr umzuändern und die Zahl der jüdischen Dclcgirten zu den städtischen Kommunalverwaltnngen zu beschränken sei. ...z. Petersburg, Februar. In den GouvernementS, .wo neuerdings den Polen selbst die Pachtung von Grundbesitz aufs Strengste untersagt worden, wollen sich die Juden bemühen, zum Kauf und zur Pachtung von Grundbesitz;!!gelassen zu werden. Dem ״CzaS" wird nämlich gemeldet, daß eine jüdische Deputation nach Petersburg gegangen ist, um die Erlanbniß zum Ankauf von Grundbesitz in polnischen Provinzen zu erhalten. Es durfte in der That im wohlverstandenen allgemeinen Interesse liegen, den Juden