Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1885)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1885-02-12
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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107 im larmcnbftcn Fortissimo der Schlachtruf: ״Juden raus! Knoblauch! Juden raus!" Der ahnungslose Pilger sah sich erst mit lächelnder Miene nach dem Opfer des türoi׳ antisemiticus um, er freute sich über das harmlose UnterhaltungSspicl, endlich aber wurde cs ihm klar, daß er selbst die Adresse war, an welche jene freundliche Aufforderung gerichtet war. Nun war'S mit Lust und Scherz vorbei. Vergebens betheucrte der also Verkannte seine ״Unschuld", vergebcnS verwies er auf seinen Taufschein und seine echt christliche Abstammung — cs half ihm nichts, denn die schwarzen Haare hatten es den Anderen angcthan, und so hallte ihm der Ruf ״Inden raus" noch nach, als er die Thür des ungastlichen Restaurants schon von draußen zugcmacht hatte. III Hamburg, 3. Februar. Vorgestern ist hier Herr H. Matthias, das älteste Mitglied der Direktion der Talmud-Thoraschulc, sowie Vorsteher vieler wohlthätiger Anstalten, im Alter von 72 Jahren verschieden. תנצבה. -a- Hamburg, 5. Februar. Gestern Nachmittag wurde unter zahlreicher Bei Heiligung Herr H. Mathias bestattet. Der Lcichcnzug war ein sehr großer; die obersten Klassen der Talmud-Thora-Schule folgten unter Führung ihrer Lehrer. Im Sterbehause hielten Herr Oberrabbincr Stern, sowie Herr Dr. Nathan ergreisende Reden. Der Entschlafene hatte seine ganze Thätigkcit in selbstlosester Weise für das Wohl der Gesammthcit und seiner Mitmenschen gewidmet und insbesondere für die Talmud-Thora-Schule Großes geleistet. Er hat sich im Kreise unserer Gemeinde damit ein ewiges dankbares Gedächtniß gestiftet טוב מבנים ומבנות. Er hintcrläßt keine Nachkommen, aber die דרדקי דבי רב sind seine Kinder. AVL Frankfurt a. M., Februar. Nach erfolgten! Abbruch der alten Häuser in der Judengassc soll die Straße von nun an Börnestraße, der Judenmarkt Börncplatz genannt werden. Die Bornheimer׳ straße, früher einen Theil der Judengasse bildend und erst nach dem Brande von 1796 so benannt, soll in die Börnestraße einbczogen werden. ...f. Aus dem Taunus. Der Herr Ober- Präsident von Hessen-Nassau hat dem Vorstande der Israelitischen Kultusgcmeindc zu Königstein die Erlaubniß ertheilt, zum Zweck des Neubaues einer Synagoge daselbst bei den Israeliten des Amtsbezirks zu Königstein und der Städte Frankfurt und Wiesbaden bis September d. I. durch polizeilich lcgitimirte Kollektanten eine Kollekte zu veranstalten. — Königstein ist ein namentlich von Frankfurt aus stark frequentirtcr Luftkurort, etwa zehn Minuten von Falkenstcin, ebenfalls klimatischer Kurort, woselbst die durch ihre vorzügliche jüdische Verpflegung bekannte Anstalt von Herrn Di׳.! Hirsch sich befindet, entfernt. In Falkenstein wohnen gegenwärtig nur noch zwei jüdische Familien, wovon die eine die des dortigen Ehason ist, dessen Funktionen sich auch ans Königstein, Höchst, Medes, Ursel zu erstrecken haben. Die Königstciner, die bisher keine eigene Synagoge besaßen, besuchen die in Falkenstcin. Möge mit dem zu erbauenden Gottcshause auch der echt jüdische Sinn wieder einkehrcn. Der Mangel an streng religiösen Ansorderungcn entsprechender jüdischer Einrichtungen hat sich schon gar oft, namentlich während der Kurzcit, fühlbar gemacht, indem dorthin geschickte Erholungsbedürftige, in Berücksichtigung dieses Umslandes, lieber von einen! längeren Aufenthalte absehen!nußten. Nun, was nicht Ast, kann endlich doch werden. EL 8, Würzbirrg, 6. Februar. Vorgestern starb hier Herr Pferdehändler Löb Weickershciuicr durch einen Schlagsuß. Doch das ist cs nicht, was ich Ihnen berichten will, obwohl der Verstorbene ein sehr braver, geachteter Mann gewesen. Nur die Art und Weise, in welcher das ״Frünk. Dolksblatt" diese Nachricht bringt, verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Es schreibt: ״Der Pferdejude W. wurde gestern in seiner Wohnung vom Schlage gerührt und blieb, wie ein hiesiges Blatt meldet, sofort todt." In roherer, pöbelhafterer Weise ist wohl selten eine derartige Nachricht geschrieben. Mit tiefer Verachtung wenden wir uns von einen! solchen Geschreibsel ab, das dem Judenhaß auf solche Weise Ausdruck verleihen soll. - Weitere Bemerkung ist überflüssig. Denn wer Schinutz anfaßt, besudelt sich. Wir haben für ein derartiges Verfahren nur ein ״Pfui!" 8. Muncherr, 16. Februar. In den Blättern sind Berichte über die Vorlesungen an der hiesigen Universität in! II. Semester enthalten. Unter Anderem ersehen wir, daß von fünf Privatdozcnten der juristischen Fakultät drei Juden sind. Dieses ״schauderhafte" Faktun! hat nun das ״Fräuk. Volksblatt" zu einem tiefsinnigen Ausrufungszeichcn veranlaßt. Was das edle Blättchen bamit gemeint, wissen wir. Doch kann man in das Ausrufungszeichen auch einen andern Sinn legen, und welcher derselbe ist, das wissen wir auch. Jedenfalls kein allzu schlechter! Sapienti sat! Oesterreich-Ungarn. ... f. Wien, 8. Februar. Man. gebe sich in den Kreisen des gesetzestueucn Judenthmns keinen Illusionen hin, als ob die einmal angeregte Frage der Einsetzung eines israelitischen Konsistoriums für Eisleithanien spurlos in! Sande verlaufen werde. Es wird still aber emsig an der Verwirklichung dieser Idee gearbeitet, und an!naßgcbender Stelle bringt man derselben eine wohlwollende Aufnahme entgegen. Warum sollen unsere