Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1885)
- Article
- Nihilismus und Judenthum
- Date
- 1885-02-12
- Page
- 104 (sequence 2)
- Language
- German
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104 wird — doch da kommt Gcza mit einigen Kavalieren, Iajj nnS hinein gehen." 1.U cunres Kapitel. Säüoß Wilkenscls, 23. Dezember 1680. ״Theurer Alfons! (s^ciicbicu meines Herzens' ׳Man׳.׳, meiner Wahl! Du, ׳.:!ein Gatte vor Gott und Deinen heiligen Schüaren. — Deine Irene ist rief betrübt, mit gleißnerischcn Worten sucht »rau sie zu umgarnen, sucht sie wankend zn machen in ihrer Pflicht, in ihrer Treue gegen den heißgeliebten Gatten. Doch urnsonst -- Deine Irene bleibt Dir treu, treu bis in den Tod — bis über den Tod hinaus! — Aber unglücklich ist Deine Irene — o, so nnsäglich unglücklich! — Ich athme, ich vegetire — aber leben — leben — fern von Dir, Geliebter, leben — unmöglich! — O, daß Du mich erlösen, mich befreien könnlest, mich führen würdest in Dein trautes Heim — eine Hütte und Dein Her; — und ich tauschte nicht mit dem Fürsten aus dem Throne. — Doch wenn ich noch lange fern von Dir weilen müßte — wenn eö meinem AlfonS nicht gelänge, die treueste Gattin hcimzuführen — dann — dann — dann möge er kommen, der Freund aller Unglücklichen, ihr Vcsreier, ihr Erlöser — möge er Deine Irene schließen in seine Knochenarme, den kalten Kuß auf ihre Lippen drücken — er soll mir willkommen sein. Denn leben — leben — fern von meinem AlfonS leben — unmöglich! — Komme, Geliebter! komme — erlöse mich! befreie mich! — ich vergehe — ich sterbe in Sehnsucht nach Dir. — Eile zu mir, Geliebter! Eile zu Deiner in liebender Sehnsucht nach Dir sich verzehrenden Irene." Sic hatte ziemlich hastig geschrieben, dann aber dnrchlaS sie anstncrksam das Geschriebene, cS hatte sichtlich ihren Bestall, o gewiß, diese glühenden Worte mußten auch AlfonS gefallen. Sie faltete das Blatt zusammen ,und schloß cS in eilt duftendes Kontiert, adrcssirte es an den treuen Jean, der bereits verstaudigt war, alle von der Hand seiner jungen Gebieterin an ihn gelangende Briefe Herrn Dr. Lilienthal zu übergeben, und ließ cS aus bem Tische liegen, unt eS am kommenden Morgen mit den Briefen ihres Schwagers befördern zu lassen. Dann entkleidete sie sich rasch und warf sich aus das schwellende Himmelbett, in dem, wie ihr Schwager vorhin erwähnt, der Later des gegenwänigcn Monarchen, der einst bei Geza'S Vater übernachtet hatte, damals geruht. — Wie freundlich von Geza, daß er solche geweihtes Bett in ihrem Zimmer gelassen — wie wollte sie heute so lauft dort ruhen, wo ein Kaiser einst geschlummert. — Er war doch nicht böse, ihr hochadeliger Schwager, und gewiß, Natalie war glücklich an seiner Seite. — 'Wie hatte ihr Auge geleuchtet, als sie erzählt, wie Geza sie dem Monarchen vorgestellt, und wie dieser sich mit ihr unterhalten. — Wenn sie an ihrer Schwester Stelle gewesen — Aber Natalie hatte Recht, Frau Dr. Lilicnthal durste nimmer Ijofjcn, den Monarchen in ihrem Park zu begrüßen. — Aber sie war doch in Wirklichkeit nicht Alfons Gattin, wenn sie auch in rhetorisch schönen Wendungen sich in ihren Briefen als solche be.zeichnete, und ihr Vater und ihr Schwager hatten geschworen, daß sie es nimmer werden sollte. — Ob sie gegenüber den vereinten Intrignen der Ihrigen nicht doch werde erliegen müssen? — Und was dann? — was dann? — Graf Brandensee bemühte sich so auffällig um ihre Gunst, er war von noch älterem Geschlecht als ihr Schwager, der die Bewerbungen des Grafen sichtlich begünstigte. — Hatte ׳Natalie recht, war Graf Vrandcnsee schöner als Dr. Lilienthal? — .Sie wußte es selbst nicht — aber Brandensce war Kavalier vom höchsten Adel. — Doch gleichviel, Alfons war ihr Gatte, sie blieb ihrem AlfonS treu. — AlfonS! — Alfons! — Mit seinem Na!neu auf den Lippen schloß sie die Augen und entschlummerte sanft, ruhig — wie ein glückliches, sorgloses Kind. — Und der Traumgott führte sie an des Geliebten Seite, Alfons schloß sie in seine Arme, sie lehnte ihr schönes Haupt an seine Schulter und blickte liebevoll zu ihm empor — da neigte er sich zn ihr — und sie erkannte Vraudensee'S Gesicht — sie wollte aufschreien, aber er lächelte ihr zn, so mild, so zart. — Komm, flüsterte er, die Jagdgesellschaft wartet. — Und dann hob er sie auf einen prächtigen, weißen Zelter und schwang sich selbst aus einen schwarzen Rappen, und von allen Seiten kamen Reiter und Amazonen und bildeten den Jagdzng. Irene allen voran auf ihrem weißen Zelter und ihr zur Seite Brandensce. — Fanfaren ertönten, der Zug setzte sich in Bewegung, über Gräben und Zäune, durch Felder und Wälder. — Irenens Herz pocht laut in nie geahnter Lust, ihr goldschimmcrndeS Haar flattert im Winde, erglänzte im Hellen Sonnenschein, eö streifte das Antlitz ihres Begleiters, der es jauchzend an die Lippen drückte und — ״Haben das gnädige Fräulein sonst noch etwas zu befehlen? —" (Fortsetzung folgt.)