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Jeschurun · 1885-02-12 · Heft 7 (12.2.1885) · p. 103

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 7 (12.2.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-02-12
Page
103 (sequence 2)
Language
German
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103 unterwerfen. — Seitdem haben sich natürlich die Zeiten ' geändert. Herr Reich verstand cs eben, der Sache eine andere Wendung zu geben. Am 44;>5 תענית אמתר! haben wir Herrn Kntna sogar als Mitglied der Rabbiner- Deputation gesehen, die Sr. Majestät ein Gesuch überreichte. — Was Wunder nun, das; sich Herr Äntna heute zum שליה hergiebt, Mittheilnngen, die Herrn Reich nicht sonderlich genehm sind, vornehm zu — dcmentirm! — Ucbrigens scheiden wir von Herrn Kntna mit der Versicherung unserer aufrichtigen Freundschaft und möchten ihm heute b!os noch den wohlgemeinten Rath crtheilcn, seiner Feder inöglichsten Stillstand zu gebieten, denn diese hat entschieden kein Gluck und hat ihm auch nie Glück gebracht, auch damals nicht, als sie offen und ehrlich der Welt sich präsentirte!!! Nihilismus und Iudenthum. Von Friedrich Nott. (3Ulc ilUMjtc i'ovbclinltcn (Fortsetzung.) Wenn cs wahr wäre, was aber durchaus nicht der Fall ist — das; ich Geza zuweilen fürchtetete — selbst wenn das der Fall wäre — Momente, wie der eben erwähnte, wiegen unendlich viel auf, mit einem Jahr rneines Lebens hätte ich ihn nicht zu theuer erkauft —״ Natalie hatte mit großer Lebhaftigkeit gesprochen, ihre Schwester sah sie von der Seite an, es lag nichts Spöttelndes in ihrem Blick — es war ein eigenthümlicher Blick. — ״Als Fran Di־. Lilienthal hättest Du aus solche Ehre nie zu hoffen." Irene lachte und warf mit anmuthiger Bewegung des schönen Kopfes die schimmernden Locken zurück — aber das Lachen hatte etwas Gezwungenes. Sie war unvergleichlich schöner als ihre Schwester, wenn der Monarch sie getroffen, er hätte sich zuversichtlich auch mit ihr unterhalten. — Abermals schritten sie einige Minuten schweigend weiter. — ״Natalie," begann Irene nach kurzer Panse, ״sage mir doch, träumst Du nie von unserer seligen Großmama?" ״Nie," erwiderte die Baronin, indem sie ihre Schwester verwundert anschaute, ״aber wie kommst Du aus solch eigcnthümliche Fragen?" Irene zuckte die Achseln. ״Aufrichtig, Natalie, sage mir, hat es Dir nie Skrupel gemacht, daß Du Deinen Glauben gewechselt hast?" ״Wer sagt Dir, daß ich meinen Glauben gewechselt habe?" lachte Natalie, ״ich versichere Dich, ich glaube heute nichts Anderes,׳ als was ich von jeher geglaubt habe." ״Das heißt, gar nichts," ergänzte Irene. ״Na, nicht gar nichts, aber nicht gar viel. Ich kann cs wenigstens ebenso gut als Ehristin glauben wie als Jüdin. Und was ist denn überhaupt der Unterschied zwischen Ehristen und Juden? Daß man als Ehrist in die Kirche geht und als Jude in den Tempel, daß man dort lateinisch Messe lesen hört und hier hebräisch betet, mir ist's einerlei, ich verstehe weder das Eine noch das Andere und ob auf meinem Gebetbuch ein Davidsschild sich befindet oder ein Kreuz, das ist mir doch gewiß gleichgültig —" ״Und unsere gute Großmama war so fromm," bemerkte Irene. Natalie zuckte die Achseln. ״Derartige Frömmigmigkeit, wie sie unserer seligen Großmama eigen war, ist ein längst überwundener Standpunkt, der in die heutige moderne Welt durchaus nicht mehr paßt. Sage mir lieber aufrichtig, Irene, wenn Dn die hohe Ehre erwägst, die dem hohen Adel zu Theil wird, wünschest Du nicht auch, zu demselben zu gehören? einem echten Kavalier von altem Adel als Gattin anzngchören?" Irene wandte das schöne Gesicht leicht erröthend ab. ״Ich bin bereits vermählt," cntgegnete sie mit einem gewissen Trotz. ״Sprich doch nicht solchen Unsinn," ries Natalie. ״Nach dem Gesetze MosiS und Israels bin ich Alfons Gattin; erinnerst Dn Dich denn nicht mehr, was unsere gute Großmama uns über dergleichen erzählt hat?" ״Ach, das ist ja lauter veraltetes Kram, hat heute nicht den geringsten Werth, so wenig als die Kossuth-Notcn oder die westphälischen Papiere." ״Das weiß ich denn doch nicht —" ״Das weiß ich aber um so bestimmter. Und der Du. Lilienthal als Advokat hat das auch sehr wohl gewußt, und Geza hat ganz recht, cS wirft ein durchaus schlechtes Licht auf seinen Karakter, daß er eine derartige Farce mit Dir ausführtc. — Aber freilich, er ist kein Edelmann, und wenn er Dir vorgefpicgclt —" ״Nichts hat er mir vorgcspiegctt," sie! Irene heftig ein. ״Ich selbst habe ihn dazu aufgefordcrt; er ist nur aus meinen Plan cingegangen." ״Aber das hätte er nicht dürfen, als Mann von Ehre sicher nicht. Doch schließlich ist cs vollständig einerlei, ob er diese Komödie Dir vorgcspielt oder nicht, praktische Folgen hat sie keinesfalls. — Es sei denn, daß er wahnsinnig genug wäre, seine sogenannien Rechte fordern zu wollen, in diesem Falle würde Papa ihn klagen und strafen lassen. Das wären, wie Papa und Geza versichern, die einzig möglichen praktischen Folgen eures Leichtsinnes. Aber dazu wird es nicht kommen. Br. Lilienthal kennt das Gesetz und

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