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Jeschurun · 1885-02-05 · Heft 6 (5.2.1885) · p. 94

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 6 (5.2.1885)
Article
Rußland [Nachricht]
Date
1885-02-05
Page
94 (sequence 2)
Language
German
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04 thora", das ist eine Vereinigung von Waisenhaus, Rettungsansialt und Armcnschnlc für Knaben. Hier werden oft bis 20l> Knaben unentgeltlich unterrichtet, dabei erhalten die Hälfte wenigstens gänzliche Verpflcguna und Kleidung. — Errichtet sind alle diese Anstaltcn vermittelst gesammelter Spenden, und unter-; halten werden sie thcils auf eben dieselbe Art, thcils! und vorzugsweise durch die Beisteuer aus der ״Koropka". : Diese ״Koropka" ist eine indirekte Steuer zu wohll thätigen Zwecken. Dieselbe wird als Fleisch- und Licht-! stcuer von Jedermann verlangt. Wie groß das Erträgniß dieser Steuer ist, läßt sich leicht dadurch er׳ : sehen, daß beispielsweise in Wilna zu den Unterhaltungskosten des Krankenhauses 24000 Rubel, zur AltersvcrsorgungSanstali etwa!2 000 Rubel und zur Talmudthora 8000 'Rubel als Beisteuer gewährt wird Endlich ist daS vierte crwähncnswcrthe Institut: eine -Handwcrkcrbildungsaustalt, und diese verdient unser regstes Interesse. Mir ist bloS aus eigener Anschauung eine große Tischler. und Schlosserwerkstätte in Minsk bekannt. In dieser in großem Maßstabc angelegten Werkstatte werden bis 200 Handwcrkolchrlinge verpflegt und vollständig theoretisch und praktisch ansgcbildct; dieselben erhalten täglich einige Stunden Unterricht in den nöthigen Borkcuntnissen und BildungSelcmentcn, die übrige Zeit dient zur praktischen Ausbildung unter Aussicht tüchtiger Meister. — Außer allen diesen öffentlichen Anstalten gicbt eS in jeder jüdischen Gemeinde noch eine große Zahl privater ״Ehcwroth" (Wohlthcuigkcitsvcreine), und sind folgende erwähnenswert!): die ״Ehcivra Gemiloth Ehesed", eine Pfandleihanstalt, welche mit einem zusammcngeschossencn Kapital wirth׳- schäftet und auf Unterpfand, selbstverständlich zinslos, Geld verborgt; ״Somech Nosiim" (Stütze der Fallenden), dieser verlangt beim Verborgen kein Pfand, sondern eine Garantie, und gewährt die Begünstigung von Thcilzahlungcn bis zu dem geringen Betrage von 20 Kopeken pro Woche; ״Bitur-Eholim", Beiträge für ar'.nc -?ranke, die unentgltlich ärztliche -Hülse und Mcdikämmte erhalten: ״Choucn Dalim" (ArmeuUIntcrslützungs-Vercin), die Unterstützung besteht in Geld, Brot, Heizmaterial und ZinSbciträgcn; dann Suppenanstallen. Weiter der Verein ״Hachnosoth-Kalla" zur Ausstattung armer Bräute. Ein ״Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen", ein Verein für Ladengchülfen zur gegenseitigen Unterstützung und Belehrung. ״Malbisch-Aruminr", Armenbeklcidungs-Bcrcin, und noch viele Hunderte Vereine zur Unterstützung von armen Handwerkern, Handelnden und Gelehrten. Endlich sindet man in allen Orten eine jüdische freiwillige Feuerwehr. ־ך־ AuS allen diesen crgiebt sich, daß der Wohlthätigkcitssinn bei den russischen Juden im höchsten Maße ausgebildet ist. Jeder Einzelne, mag sein Verdienst noch so klein sein, steuert gern sein Scherflcin zu einem Wohlthätigkeitsvcrein bei. Er gicbt es um so lieber, als er weiß, daß in seinen alten Tagen für ihn gesorgt wird. * Ein Korrespondent der ״Frkf. Ztg." bestätigt ans Petersburg, daß die neue israelitische Neligionsgescllschast (sie) ״Neu Israel" die Bestätigung des Ministeriums erhalten habe. Der Herr Korrespondent will aus einem Privatbriese ans Kischeneff erfahren haben, daß die Sekte schwerlich eine weite Verbreitung finden werde, da dieselbe offenbar nichts anderes als die Umwandelnng des IudcnthnmS in's Ehristcnthnm bezwecke. Die Nachrichten russischer Blätter über diese Sekte seien mit Vorsicht ansznnchmen, da dieselben die Bewegung zu fördern und ihr eine größere Bedeutung beizulegcn suchen, als sie in Wirklichkeit habe. — Ans Obeffa wird uns in theilweiser Ucbercinstimmnng mit bent Vorstehenden geschrieben, daß allerdings die Bedeutung und der Umfang dieser Apostasie vielfach tendenziös übertrieben werde, — nichts dcstoweniger sei dieses Treiben geeignet, den vollen Ernst und die sorgfältigste Aufmerlsamkeit hcrausznfordcrn. — Es war auch bereits schon das Gerücht von der Ermordung des Nabbinowitsch verbreitet worden, und zwar offenbar mit dem sehr tendenziösen Beisätze, daß dieses Vcrbrechen von den Inden verübt sei Vis jetzt hat* sich dasselbe nicht bestätigt. b 11ייt^ Kur!and, 29. Januar. Die Gesetzes- Vorlage wegen des Ausenthaltsrcchts der Inden in Finnland wird sicherlich von den Landständen angenommcn werden. Es ist nur noch die einzige Hoffnung vorhanden, daß wegen der Fülle des BerathungSstosfeS vielleicht dieses Gesetz nicht mehr zur Verhandlung kommen wird, wodurch eine Vertagung der Angelegenheit ans drei Jahre hcrbcigesührl würde, weil der finnische Landtag nur alle drei Jahre einbernscn zu werden pflegt. Möglich, daß dann eine andere Strömung in den maßgebenden Kreisen zur Herrschaft gelangt. Die im Lause des Sommers bevorstehende längere Anwesenheit des Kaisers in Helsingsors würde auch Gelegenheit bieten, dem Kaiser persönlich die Bitte der Juden vorzntragcn. Rumänien. Bukarest, 30. Januar. Ich habe Ihnen kürzlich (Nr. 52 vorigen Jahrgangs) eine kleine Episodc ans dem rnmänischen Stillleben der Provinz in seiner ganzen brutalen Erscheinung mitgctheilt. Ich möchte Ihnen heute von demselben 5?ommissar Filipescu in Dorohoi ein anderes Histörchen — znm Besten geben, würde ich sagen, wenn cs nicht gar zu traurig wäre, wenn cs nicht ein Beispiel von den unerhörten Vcxationcn wäre, unter welchen die Juden hierzulande zu seufzen hätten. Ein Linienrcgimeut langte kürzlich

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