Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1885)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1885-02-05
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
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91 wattigen Stürmen der Vergangenheit danken. — Die Herrn Antisemiten jagen uns keine Furch: ein, mögen sic konservativ oder liberal sich nennen. 11. Deutz, 25. Januar. Als einen kleinen Beitrag zn den zahlreichen Kennzeichen der heutigen Zeitslrömnng berichte ich Ihnen, daß die hiesige Liedertafel ihre Statuten um eine Satzung bereichert hat — den Ausschluß der Juden. — Die Juden müssen sich in ihr trauriges Schicksal finden, von dieser gewiß hochgebildeten Gesellschaft sich ausgeschlossen zn sehen.!II Posen, 29. Januar. Nach einer Warschauer Meldung verbietet ein Erlaß des russischen Handels- Ministers an die Gouverneure, an fremde Juden, die mit ausländischen Pässen versehen sind, Erlaubnißscheine zur Eröffnung von Handels- und Industriegcschäftcn auszufolgcn. 8. 8. Wür.zburg, 26. Januar. Im ״Frank. Voltsblatt" lese ich eben folgende Note aus Köln: ״Entrüstung, ja eine große Entrüstung geht durch ganz Köln, nicht etwa über die verweigerten 20 000 -ä, sondern über die unerhörte Kühnheit der bekannten Bonner Professoren Krafst und Konsorten wegen ihres Angriffes auf die Katholiken. Eine ganze Religiousgcsellschaft des Aberglaubens und der Geistes׳ kuechtschaft zu beschuldigen, dazu gehört schon etwas. Wie würde cs katholischen Professoren und Geistlichen wohl ergehen, wenn sic in öffentlichen Blättern so über Protestanten hcrsielcn. Hier ist die Entrüstnng über dies Vorgehen so stark, daß hiesige gebildete katholische Männer alles Ernstes daran dachten, die Unterzeichner des gu. Ausrufs wegen Beschimpfung der katholischen Religion vors Gericht zn laden." Ich ergreife die Gelegenheit, bei dieser Korrespondcnz des ״Frank. Bolksblatts" die nichts weniger als .anständige Haltung speziell der katholischen Antisemitcnblättcr zu kennzeichnen. Voller Entrüstung bcklagen sic sich alle zusammen, die ״Germania", die ״Köln. Volksztg.", das ״Frank. Bolksblatt" :c., wenn die katholische Religion, die Katholiken als solche angcgriffen werden. Da ist natürlich von Koufcssionshaß, Religioushctze u. dcrgl. schönen Dingen mehr die Rede, da wird geeifert gegen die protestantischen Angreifer des Katholizismus und seiner Bekenner. Nun, sic haben Recht, ivenn sic sich gegen die Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft verwahren. Doch wie machen sic cs selbst? Voller Rcligionshaß Hetzen sie gegen eine Konfession, welche dieselbe Existenzberechtigung hat, wie jede andere. Sic beklagen sich, in ihrer Eigenschaft als Katholiken beleidigt zu werden, und wie beschimpfen sic selbst das Judcnthum und die Judcnheit! Wie würde es ihnen gefallen, wenn ein jüdisches Blatt ir-gend nur einen geringen Schein von Beleidigung gegen die katholische Religion und ihre Bekenner sich zu Schulden kommen ließe? Da würde eS den: Betreffenden wohl ebenso ergehen, wie den protestantischen Professoren, und mit Recht. Doch, was du nicht willst, das man dir thu', das füg' auch keinem Andern zu." Man beklagt sich, wenn die eigene 'Religion angegriffen wird, eifert überhaupt gegen den Konfessionshaß — und verübt Alles selbst, was mau soeben verdammt hat. Oesterreich-Ungarn. 1)1׳ W. Pc st, Ende Januar. Das Dementi des Herrn Kutna in Eiscnstadt in der jüngsten Nummer des ״Israelit" hat hier sehr indiguirt. — Die Auseinandcrsctzungen tu den ״Kollektiv-Berichten" erregen dafür allgemeinste Würdigung und viel Interesse. — Doch wird der Passus, in welchem Herr M. Trebitsch zum koordinirten Präses empfohlen ist, nicht gut aufgcnonuncn. Herr Trebitsch ist ein sehr achtbarer Mann, aber für diesen Posten nicht geeignet, dazu brauchte mau cincu Mann von Energie und Sclbstbewußtsciu. Die n^L-Mehl-Fabrikation wirst faktisch ein Erträgniß von circa 10 000 Gulden ab; und es ist sehr wahr, daß an diesem ansehnlichen Prosit zum großen Thcil der Schweiß armer frommer יהודים klebt. — Die 5 2ה - Mehl - Fabrikation hat übrigens auch im Weichbilde der hicsigcu orthodoxen Gemeinde schon manche Mißhelligkcitcu herausbeschworen; doch ich will diesen delikaten Gegenstand nicht weiter berühren. — M.H. Nus dem Nerttraer Kvmitat. Durch diese Zeilen möchte die Aufmerksamkeit aller bctreffenden Kreise auf die Form gelenkt werden, unter welcher die Entäußerung des Ehaincz-BesitzcS kurz vor Pcßach zu bewerkstelligen ist. Es dürfte wohl ein Bedürsniß vorliegen, hierauf hiuzuwciseu, weil dieser Chamez-Vcrkauf vielleicht öfters aus Uukeuntniß derartig vollzogen wird, daß der Betreffende keineswegs sich vollständig außerhalb des Chamez-Vesitzcö gebracht hat, so daß er sich trotz des vermeintlichen Verkaufs des איפור von בל ידאה ובל ימצא schuldig macht. Mau kam! deshalb nicht ernst genug warnen, mit der Vornahme des Ehamez-Vcrkaufs genau nach Vorschrift zu verfahren, um eine wirkliche Vcsitzcutäußeruug herbei- Zufuhren, und man sollte in den einzelnen Fällen sich bei Sachluudigcn Rath erholen. — Diesen ober möchte die folgende Frage zur Erioägung hierdurch verstellt werden. Es ist behauptet worden, daß bei der in der üblichen Form des Verkaufs durch Kaufbrief und Abschlagszahlung dennoch vielleicht eine wirkliche Besitz- Übertragung auf den Käufer nicht erreicht werde, weil, falls aus Grund eines solchen Verkaufs der Käuser wegen Zahlung des rcstircudeu Kaufschittings gerichtlich belangt werden sollte, derselbe mit Erfolg den Einwand gcltcud machen könnte, eS sei notorisch, daß ein solches Kaufgeschäft kein wirkliches Rechtsgeschäft, sondern nur gewissermaßcn ein Schcingcschäft sei, durch dessen Abschluß