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Jeschurun · 1885-02-05 · Heft 6 (5.2.1885) · p. 84

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 6 (5.2.1885)
Article
Die "Tagin" der Schriftzeichen oder Moses und Rabbi Akiba
Date
1885-02-05
Page
84 (sequence 2)
Language
German
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84 Wendigkeit auf, den Thorazeichen diese Zusätze zu vcrleihen?" lautet seine Frage. Genügen die gcschriebeneu Worte nicht, um ein Gesetz in seiner vollkommenstcn Ausbildung auszumachen'? Giedt cs noch eine Weisheit außerhalb ihres einfachen Sinnes? Ohne Zwang, ohne Nothwendigleit wird der ewige Gesetzgeber diese seltsamen Zeichen nicht formen, er mirb gewiß keine leere Zierde seinem heiligen Buche vcrleihen, um cs dadurch eher Eingang finden zu lassen — diese Tagin, das war dem Propheten klar, mußten eine tiefliegende Bedeutung haben. (Farlsetzlmg folgt.) Der Alltismitisms des Wssophen. (Fortsetzung.) Nicht die Juden allein, sondern auch Me. welche den Hartmannst'chcn Standpunkt zur Religion nicht theilen, werden sich entrüstet einer Anschauung abwenden, die von der Moral und von dem Wesen der Religion überhaupt nichts zu wissen scheint. Hartmann behauptet, daß bei demjenigen, welcher als ״reifer Mensch" zum Ehrislenlhnm Übertritt, ״eine entschiedene Unwahrheit in den! .Delcuntuisse vorausgesetzt werden dars." Dennoch aber ist er ״weit entfernt, denjenigen zu tadeln, der sich zu diesem Schritte entschließt," ja er ״kann sogar die Stärke eines Patriotismus und eines Familiensinns bewundern, welche cm persönliches moralisches Martyrium auf sich nimmt, um die Kluft zwischen den deutschen Staatsbürgern jüdischer und deutscher Abkunft tilgen zu helfen." Der jüdischen und christlichen Mora! gilt die Lüge als ein Verbrechen, die jüdische und christliche Moral verurtheilt jede Heuchelei, die jüdische und christliche Moral verabscheut als eine Entweihung des Heiligen jedes Spiel mit einem religiösen Bckennlniß. Eine weitere Kluft kam! nicht zwischen der Gottlob bei Juden und Ehriftcn allgemein gültigen Moral und deren Gcgentheil gedacht werden, als sich in diesem Bekenntnisse des Philosophen Hartmann offenbart. Die Lüge und Heuchelei als ein ״moralisches Martyrium" bewundern und glorisisircn zu können, das ist den gewöhnlichen Sterblichen nicht gegeben. Einer solchen Anschauung kann auch Diebstahl, Raub und Meineid als ״persönliches moralisches Martyrium" gelten. Sollte in irgend einem Kreise, was Gott verhüten möge, diese Hartmanu'schc Doktrin maßgebend werden, so möchten sich daselbst gar wunderlichc Heilige verehrt finden. Wir sind der Ansicht, daß Hartmann wohl daran thäte, die zwischen ihm und dem deutschen Volke gähnende Kluft erst zu überbrücken, bevor er daran geht, den Inden seine guten Dienste anzubieten. Der Jude und der Christ vcrschmähen seinen Rath. Dem Philosophen des Unbewußten entzieht sich doch das im Volke lebendige moralische und religiöse Bewußtsein, er hat kein Vcrstandniß für dasselbe. Er maßt sich Urthcilc an, die von einer totalen Unkcnntniß des zu bcurthcilenden Objekts zeugen. Wer hat ihm offenbart, daß die religiösen Vorschriften des jüdischen ״Zercmonialgcsctzes ans keine Weise ihrem Inhalte nach durch die religiösen Grundwahrheiten des jüdischen Glaubens bestimmt und bedingt sind," und wo ist ihm die Weisheit geworden, daß diese seine Ansicht ״unbestritten" richtig ist? Wir erklären, daß sich in diesem Satze eine totale Unkenntniß des Jndentyumö ausspricht. Hartmann hat keine Ahnung von dem Inhalte und Geiste des jüdischen Gesetzes, und er macht sich in dm Augen eines jeden Kundigen geradezu lächerlich, wenn er behauptet, daß ״die jüdische Orthodoxie sich in einem schreienden Selbstwiderspruch befindet, wenn sic ihre Anhänger mit Beobachtung der nebensächlichen Vorschriften des Zeremonialgcsetzes belästigt, aber in Bezug ans dessen Haupt- Vorschrift, den OpfcrkultuS, die längst unhaltbar gewordene historische Fiktion aufrecht erhält, als ob der Opferknltns ihr durch IV-ree majeure verwehrt wäre." Ein Philosoph sollte doch in seinen Urtheilcn vorsichtig sein und nichts für wahr halten, was nicht objektiv wahr ist. Es handelt sich ja gar nicht darum, ob Herr Hartmaun das jüdische Gesetz oder die jüdische Orthodoxie für vernünftig hält oder nicht, sondern darum, was Jndenthnm oder Orthodoxie ist. Was bctit Jndenthnm nebensächlich ist, wie sich das Judenthum oder die jüdische Orthodoxie znm OpfcrkultuS verhält, daraus kommt es an, bevorman Nebensachen in: Judeuthum oder einen schreienden Selbstwiderspruch der jüdischen. Orthodoxie mit Bestimmtheit feststellen kaliu. Dis Herr Hartmaun eine solche wissenschaftliche Begründung erbracht haben wird, erklären!vir seine Auslassungen - für hohl und nichtig und von keinem größeren Wcrthe, als das Raisonnement eines gedankcnlosen oder vorurtheilsvollen Schwätzers. Es nimmt sich wahrlich kölnisch aus, den Philosophen Hartmann als Bibelexcgcten siguriren zu scheu. Alles, was er tu dieser sonderbaren Situation dozirt, ist durch und durch unwahr. Unwahr ist die Behauptung, das Judeuthum ״tnache die Blutsverwandtschaft zur Bedingung für die Thcilnahme am Heil," unwahr, daß nur ״die angeborene oder erworbene Stammeszugehörigkeit" der Verheißungen der jüdischen Religion theilhaftig werde, unwahr, daß den ״Vollblntjuden" in dieser Hinsicht ein Vorzug vor den andern Juden zugcsichert ist, unwahr die Faselei von einer ״jüdischen Weltherrschaft", welche nach Hartmanns Versicherung das bewußte und unbewußte Ziel aller Inden aller Zeiten sein soll. Im

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