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Jeschurun · 1885-01-29 · Heft 5 (29.1.1885) · p. 78

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 5 (29.1.1885)
Article
Österreich-Ungarn : aus Steyermark [Nachricht]
Date
1885-01-29
Page
78 (sequence 2)
Language
German
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warum sotten wir nicht auch unfcrc großen Männer! haben? Und wenn Wien einen Schönerer erzeugen! konnte, so kann Slchcrmark seinen Äußerer answcisen.! Ja, Äußerer verdient es, an die Leite der Großen j gestellt werden. Er hat die Steyrer zu den Sassen gcrnscn, er hat den ״Deutschen Verein", welcher dcutscheu Gcisl und deutsche Treue und deutsches Recht und deutsche Svrache pflegen will, sehr richtig als den Hort des Antisemitismus erkannt und: Aus gegen die Inden! das ist die neue Parole, von welcher unsere Berge in deutschen hauten wicderhallcn. Denn der Herr Abgeordnete und Bolksführcr I)r. Äußerer hat eine gar mächtige ^unge. und er spart den Athem nicht, wenn eS gegen die Juden gilt. — Soll ich Ihren Vcjcru den Inhalt seiner Hetzreden mittheilen'? Sic kennen die Gattung, und die Steyersche Art unterscheidet sich kaum von den Ihnen bekannten Arten. Es ist stets die alte Veicr, die gleiche Lüge, die gleiche Gehässigkeit. Aber die Herren Antisemiten irren sich doch gewiß. 'Das Volk hört nicht aus sic, das Volk in seiner Gesammthcit ist aufgeklärter, gerechter, gebildeter, als diesenigen, welche sich zu seinen Wegweisern answcrsen wollen. In Oesterreich, und speziell in Steyermark, wird es ihnen nid)t gelingen, eine Indenhetze zu inszeuiren Rußland. * Petersburg, im Januar. lieber die Apostaten läßt sich die ״%)i Fr. Pr." ausführlich von ihrem Petersburger Korrespondenten berichten, welcher sich auf die Publikationen der Schriftsteller Portugalav (Arzt und Jude) und Prugawin stützt. Danach wäre bereits 1880 in Iclissawetgrad eine jüdische Sekte unter dem Namen ״Geistliche Biblische Brüderschüft" entstanden, welche, den größten Theil des Juden- IhumS über Bord warf. Nach kurzer Zeit traten Andere als die Begründer des ״Nationalistcn-Vcreins" auf unter Leitung des sogenannten ״Apostel von Kremcntschng". Eine Bereinigung mit der Brüderschaft von Iclissawetgrad wurde an gestrebt, aber scheiterte. Daraus tauchte in Odessa eine neue Sekte unter Prilnker als ״Ncu-Israel" auf, die ebenfalls eine Vcrschmelznng mit der ״biblischen Brüderschaft" kategorisch zuruckwieS. — Hierauf kommt nun jetzt Nabbinowitsch in Kisch in ew. ...x. Petersburg, 16. Januar. Die sogenannte Indenkommission fängt an, sich etwas zu regen. Sie witt sich den Schein geben, als richte sie ihre Aufmerksamkeir ans die verschiedensten Punkte der Judenfrage. Sie beschäftigt sich unter Anderem auch mit der Erörterung der Frage, welchen Einfluß die Juden auf die Gestaltung der sozialen und staatlichen Verhältnissc ausübten, und zwar diejenigen Juden, welche als Redakteure in der russischen Presse und Publizistik thälig sind. Ich habe schon oft die Thätigkeit oder vielmehr U n thätigkeit der Kommission besprochen. Ich kann nur immer wiederholen, daß die Herren den w o h l t h ä t i g e n Einfluß den die Juden -— falls ihnen im ganzen 'Reiche sämmtliche Rechte werden — auf die Hebung Rußlands in jeder Beziehung haben, nicht sehen wollen. Der Einflllß jüdischer Redakteure scheint mir dem gegenüber zu unbcdeutcno, als daß die Kom- Mission sich mit ihm zunächst beschäftigen müßte. Alles zur Zeit! Das 'Sichtigste aber zunächst! ~ Kischenew, im Januar. Dem ״Odessaer Westnik" zufolge wurde in Gegenwart des lutherischen Pastors Faltin, des Polizcimeisters, einiger angesehener christlicher Ortsbewohner, sowie einer großen Anzahl Juden, besonders des jugendlichen Alters, unter dem Glanze des Weihuachtsbaurucs im Hanse des ״Bruder Reformator Nabbinowitsch" die intcremistischc Synagogc am Seihnachtsabcnd eröffnet. Nach Absingnng mehrerer geistlicher Lieder bestieg Nabbinowitsch die Kanzel und hielt in dem landesüblichen jüdischen Jargon die Predigt, in welcher er ans das vergebliche Harren seiner jüdischen Brüder auf die Ankunft des Messias hinwics, während doch der Erlöser schon in Jesus erschienen sei. Nur tut Glauben an ihn werde die Wahrheit gefunden. — Die Missionsbestrebungen scheinen demnach in der That einen viel ernsteren Karakter zu haben, als man im ersten Augenblicke anzunehmcn geneigt war und der wiederholt in diesen Spalten ergangcne Nus zur Wachsamkeit dürfte in der That sehr zu beherzigen sein, lieber des wohlcdlen Herrn Nadbinowitsch Vergangenheit verlautet das Folgende. Er war ehedem ein eifriger Ehaßid, wurde hernach Anwalt und ging dann nach dein heiligen Lande, wo er gegen Herrn Oliphant auftrat. — Er sott ein Mensch ohne Kenntnissc und Einsicht sein, der sich jetzt mißbrauchen läßt und ein Fanatiker geworden ist. '׳Odessa, 16. Januar. Ich meldete Ihnen, daß ausländischen Inden hier der Aufenthalt nur gestattet werden sollte, wenn drei russische Minister ihre besondere Einwilligung in jedem einzelnen Falle erthcilcn würden. Jetzt kann ich Ihnen bestimmt mitthcilcn, daß bis auf Weiteres die Ausweisung gegen solche Juden nicht in Kraft treten soll, die öfterreich!schc Untcrthancn sind. — Herr Nadokanacy, ein christlicher Bankier zu Odessa, bietet seinen jüdischen Landsleuten eine weite Landstrecke in Vesiarabien zur pachtweisen Bcwirthschastung an. In den ersten zwei Jahren verlangt er keinen Pachtschitling und später soll nur eine sehr mäßige Reute erhoben werden. Er ist auch bereit, jedem Pächter ein Kapital für die Oekonvmie

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