Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1885)
- Article
- Deutschland : aus Thüringen [Nachricht]
- Date
- 1885-01-29
- Page
- 77 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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77 sehr frojtfge?[iifuafjmc, bic ihm baä Wicbcrkommen ucilcibctc. Hohenlimburg, 23. Januar. Vorgestern jioub 1p״[a־ älrcfiecf, ehrwürdiges 231it^licb Herr Koppel 15.0 \)!1 int fd'i'nctt Aller von 1U3 Jahren. ת׳נ׳צ׳ב׳ה. O c sterr eich - Unga r 1t. i'. Wken, r>. Januar. Sie brachten in Ihrer letzten Nummer meine .Korrespondenz über den Hirtenbrief des Kardinals Haynalb. Die betreffende Stelle über den Antisemitismus scheint nun den Herren Redakreuren der kalholisch-auttsemitischen Zeitungen sehr unlieb gekommen zu sein, da jetzt doch ein so hoher Kirchcnsürft sich gegen ihre Prinzipien so energisch ansgesprochen hat. Sie suchen natürlich die ganze Sache ganz anders darznsttllen, was ihnen aber sehr wenig gelingen will, indem sic. behaupten, daß das Neujahrsschreiben vor Ment eine Bertheidigung des Diöseklerns gegen die Berunglinlpfttng der Tagespreise sei, ferner, daß bei den Geistlichen seiner Diöccsc kaum ein ncnnenSwerther Fall von AntijcntitiSmus vorgefallen sei. Nun, das wollen wir auch gar nicht bestreiten, im Gegen- ^heil, wir freuen uns noch besonders über die letzte Bemerkung, da wir ja sehen, daß der Kardinal mit Gcnngihmmg das besonders hervorhebt, bei seinen Geistlichcn fei solche fast gar nicht vorgckommeu. Jedenfalls aber steht das fest: Kardinal Haynald hat sich auf das Entschiedenste wider den Antisemitismus ansgesprochen. Das ist nicht abznleugnen, denn es steht im Ncujahrsschreibcn, und wir begrüßen diesen AttSsprach nochmals mit besonderer Freude. A. Prcsiburg, 19. Januar. Seit dem Vestände der sechsllassigen Volksschule in der orthodoxisraelitischen Kattnsgcmeindc war mit derselben eine soacmm-rte ״Borbereitniigsklasse" verbunden, in welcher Kinder, welche das schulpflichtige Alter noch nicht erreicht haben. Unterricht erhielten und für die erste Klasse vorbereitet wurden. Nachdem jedoch vor zirka zwei Jahren der Königlich ungarische UnterrichtSmi-.üster eine Aufforderung erließ, nach tvelchcr in ossi'ntlichen Volksschulen nur solche Kinder anfgenotnmen werden dürfen, welche das׳ sechste Lebensalter bereits erreicht haben und sämmtliche Vorbercitungsklassen zn lchlicßen seien, wurde attch die oben genannte Klasse arrfgchobcm Um aber diese für uns Juden so wichtige Schule zn erhalten — in derselben wurde größtentheils in den Ansangsgrmiden des hebräischen Unterrichts unterriäMr — wurde eine ausschließliche ״jüdische Betschnlc" au deren Stelle eingerichtet. Aber auch diese ״Betschule" sollte sich nicht ihres Bestandes lange erfreuen. Dlescr Tageerhieü nämlich der Schulvorstand ein Schreiben des Herrn Schnlinspektors, in welchem derselbe erklärte, daß er Ordre erhalten habe, auch diese Klasse schließen zu lassen. Der Vorstand will noch einen Versuch, machen, eine Deputation au Se. Exzellenz den Herrn Minister zn senden, um denselben über die Wichtigkeit des Fortbestandes dieser Klasse Vorstellungen zu machen, über dessen Resultat ich Sie in Kenntniß zn setzen gedenke. 8.-P. 21113 Nttgnrir, 19. Januar. Auch in den monoton׳u Gang der Verhandlung deö Budgets des Handelsministeriums lassen unsere Autisemitcu ihre Stimme ertönen. Diesmal mußten auch neben uns Juden, die wir gegen solche kleinliche Insulten bereits gestählt sind, noch Minister Trcsort und der Geistliche Janossy herhalten, l^eza Nücz, der Benjatuin Jstoczy'S, wie er genannt wird, oder besser der Bcn-Oni dcS ungarischen Parlaments, crdreistetc sich sogar, den Nesereuten Moritz Wahrmann zu verdächtigen. Was ist diescnt kleinen Gernegroß die aufopfernde Hingebung, mit welcher ein Patriot, wie Wahrinann, seinem Amte als Nesercnt seit sechszchu Jahren obliegt, so dieser mit bcm großen Gcbnrtsschlcr behaftet ist, als Jude zur Welt gekommen zu sein. Dieser jugendliche Faiseur erkühnt sich, dem Vertreter eines hauptstädtischen Vezirkcö die Frage höhnisch znznrnsen, ob er würdig sei, dieses Ehrettamt zn bekleiden! Diese Frage wäre vielleicht richtiger an die Adresse des Fragenden zu richtet!. s 21ns Sieyermark, 2!. Januar. Gestatlctt Sie mir, geehrter Herr Nedakteitr, einen Platz in Ihrem Organe, welches für die Interessen der Juden so matmhast und ausdauernd cinsteht und allen Angriffen ans Juden und Jndenlhum unerschrocken Widerstaitd leistet. Auch hier in der fernen Ostmark weiß ntan dattkbar anzuerkeunen, was der Jeschurun nach dieser Richtung hin leistet. Das בל ישראל ערבים זה בז" ist von uns zu allen Zeiten beherzigt worden. Daß wir uns als. Brüder fühlten und nicht gleichgültigen Auges znschatttcn, wenn unsere Glaubensgettossen in irgend einem Theile der Welt gekränkt, bedroht oder verfolgt wurden, dadurch haben wir unS ja als den eigenartigen McnschcukrciS erwiesen, der in der vereinzeltftcn Zersplitterung sich Eins weiß mit bcu Millionen, bic mit ihm jühlen, mit ihm beten, mit ihm hoffen, mit ihm leiden. — Was mir heute die Feder in die Hand gicbt, ist. Ihnen zur Abwechselnng einmal etwas von unserem thcuren Freunde, dem Antisemitismus, zn erzählen. Staunen Sie nicht! Warum sollten wir hier im Südosten des österreichischen Dcttischlands nicht so gut unfern Stöcker haben, wie Sie im Norden? Meinen Sie vielleicht, Sie hätten den Antisemitismus in Generalpacht genommen? Was Preußen sich leistcn kann, das vermag auch Oesterreich. Warum sollen Sie Ihre Autisenritengrößen allein haben,