Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1885)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1885-01-29
- Page
- 76 (sequence 2)
- Language
- German
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76 Wir Ijnbcn demselben unsere Ansicht mckgctheilt, welche namentlich in den Kollektiv Berichten and lkngarn, den Abhandlungen über Ungarisches Jeschiba-Wesen und die Preßburger Talmndschule ihren unzweideutigen Ansdruck fand. Durch die Aenßeruugcn des Herr» Sckrciber sind wir in unserer Ansicht und von der .Korrektheit unserer Haltung nur bestärkt worden.! X. Vicrscn (Rhcinprovinz), Januar. Die I ...Köln. Vztg." bringt folgende Notiz: .,Durch Vew! fügung der Negierung zn Düsseldorf ist der pro- > te stau tische Pfarrer, Herr Jüngst, zum Lokal-! Schulinspcktor der jüdisch c n Privat - Elementarschule hierselbst ernannt worden." Wer weis;, ob der genannte Herr dieses Amt nicht besser verwalten wird, als irgend ein jüdischer Herr Inspektor. Heute ist ja nichts mehr unmöglich. Wenn, wie in Amerika, ein jüdischer Rabbiner in einer Kirche die Predigcrstellc verficht, warum soll da nicht ein christlicher Pfarrer die Inspektion einer jüdischen Gemeinde mindestens ebenso gut verwalten können? UcbrigenS begreifen wir nicht, dag, wenn die Sache wahr ist, von Seiten des RabbinatS in Düsseldorf keine Schritte dagegen geschehen. ־11־ Aus der Provinz Posen. Der Oberrabbiner der Posencr Gemeinde. Herr I)r. Fcilchen - seid, hat in lobenSwerthem Eifer den Gedanken an geregt, ein jüdisches Lehrerseminar für die östlichen preußischen Provinzen: Pommern, Ost- und Westprenßcn und Posen in's Leben zu rufen, um damit einem dringenden Bedürfnisse Rechnung zn tragen, welches n au deutlich im Hinblick auf die starke jüdische Bevölkerung dieser LandcSthcile (1140QO Seelen in 230 Orten) nicht in Abrede genommen werden kann. Er hat sich mit vielen Rabbinern dieser Provinzen vor Kurzem in Bromberg zn einer Berathuug über diese wichtige Angelegenheit vereinigt und ein Kolnittce gebildet, welchem jetzt etwa 140 Mitglieder angehören. Die Aufgabe desselben besteht zunächst darin, sowohl einen Fonds, wie regelmäßige'Jahresbeiträge zur Gründung und Erhaltung eines'solchen Instituts, tvclcheS in der Stadt Posen seinen Sitz haben wird, herbeizuschafsen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die erforderlichen Mittel Dank dieser zahlreichen Betheilignug sich finden werden, und wenn wir das Glück haben sollten, eine Anstalt für die Heranbildung tüchtiger Lrhrer im gcsctzeStreuen Geiste erstehen zu sehen, so würden wir den Tag segnen, an welchem zn Bromberg jene konstituircndc Versammlung stattgcfunden hat. Wir haben;u dem Herrn 1)1׳. Fcilchenfcld, sowie zu manchen andern der Herren Kommlttcemikglieder das volle Dertrauen, daß sie in diesem Sinne zu wirken die redlichste Absicht haben. Wenn die Leitung des Seminars Herrn D!׳. Feichenseld übertragen werden sollte, so würden wir in freudiger Zuversicht der Zukunft cntgegcnschauen und in dieser neuen Schöpfung eine Pflanzstätte wirklich jüdischen Geistes erblicken, ans welcher eine Fülle reichen Segens sich über unsere und unsere benachbarten Provinzen verbreiten könnte. 0. Posen, 21. Januar. Der hierselbst vcrftorbeue Kommcrzienrath Samuel 3affe hat solgen de Summen zn wohlthätigeu Zwecken in seinem Testamente anSgesctzt: 100 <>00 J(:. für die städtische Armenkasse, deren Zinsen jährlich am Sterbetage des Testators zur Hälfte an jüdische, zur Hälfte an christlichc Arme zu vcrthcilen sind: je 3600 J(. an die beiden israelitischen Krankcupflcvercine, für die Iakolrsche und jüdische Mädchen-Waiscnanstalt, die Diakonissenanstalt, das Kinderhospital; 6000 JL für die jüdische Knaben- Waiscnanstalt, deren Verwaltung der Verlebte angehörte; 600 (SL für den Verein junger Kau freute: im Ganzen eine Summe von 1 24 600 JC-.’, außerdem hat die Wittwe deS Verstorbenen an dessen Beerdigungstage noch 8000 JL für verschiedene wohlthätige Zwecke zur Verthcilnng gelangen lassen. In Ans der Pfalz, 23. Januar. Eine iuteressante Antiquität besitzt der Metzger Karl Michel in Hertlinghanscn. Es ist dies LaS alte Testament in hebräischer Sprache auf etwa 70—SO m langem Pergamcnt. DaS Ganze, ans dem 1 4. Jahrhundert stammcud, ist noch sehr gut erhalten und dürste für Lieb- Haber Interesse bieten. (Es wäre sehr zu wünschen, wenn diese ספר תורה jüdischer Secks angekauft würde.) * Ans Thnrnrgen, 2l. Januar. Nachdem die Judenhetze an ihrem deutschen EulstehungSherd Berlin iw letzter Zeit zum Stillstand gekommen ist, sucht sie 'sich, wie der ״Frkft. Ztg." geschrieben wird, im Reich weiter auSzubreiten. Zunächst ist Sachsen und Thüringen in Aussicht genommen. In den nächsten Tagen, am 23. Januar, wird der Judenfeind Herr Liebermann von ׳Sonnenberg aus Berlin in Leipzig im Zentralhalleusaal über ״neue Zeiten — neue Parteien" sprechen. Die neue Zeit ist die Wiederbclebung deö Mittelalters mit seinen Judenverfolgungen. In Klein-Paris hak sich auch vor Kurzem ein jndenhetzerisches Zentralbureau gebildet. Eingelcirct wurde die Bewegung schon vor Weihnachten. Damals wurde das christliche Publikum gebeten, seine WeihnachtSkäufe nur bei christlichen Kaufleuteu zu besorgen. Diese Aufforderungcn waren gedruckt und wurden durch antisemitische Broschüren unterstützt. Von Leipzig wird Herr Liebermann nach einigen thüringischen Städten gehen. Wir bezweifeln, daß er hier gute Geschäfte machen wird. DaS hat auch Herr Stöcker erfahren, als er vor einigen Jahren in Gera einen Bortrag hielt. Abgesehen von einige» orthodoxen Pastoren und deren Anhängern, fand der neue Luther daselbst eine