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Jeschurun · 1885-01-29 · Heft 5 (29.1.1885) · p. 75

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 5 (29.1.1885)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1885-01-29
Page
75 (sequence 2)
Language
German
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75״ hcllt, daß jener Zuwachs kein die Juden int Verhält- ' niß zu ihren Mitbürgern mehr belastender ist. Das Schreiben lautet: Mainz, den 26. Januar 1885. Sehr geehrter Herr! In höflicher Erwiderung Ihres Geehrten vom 25. l. MtS. verfehle ich nicht, Ihnen meine Ansicht über diese Frage offen darzulcgcn, indem ich zugleich bemerke, daß ich in meiner demnächst in der von Sachcr-Masor redigirtcn Zeitschrift ״Aus der Höhe" erscheinenden Abhandlung: ״Religion und Sittlichkeit" die Verhältnisse der jüdischen Kriminalstatistik eingehend erörtert habe. Da ich selbst Jude bin, so darf ich wohl glauben, daß ich bei der Beurtqeilung dieser Verhältnisse in keiner Weise einseitig verfahre. Daß die Juden früher, insbesondere vor der industriellen Krise von 1872 weniger an den von Herrn von Oettingcn genannten Verbrechen partizipirten, unterliegt leider keinem Zweifel und ist insbesondere durch die von Starke publizirten Arbeiten, welche durchaus objektiv und tendenzsrei gehalten sind, neuerdings nachgewiesen worden. — Zwar ist diese Progression bei dem Betrug und Meineid weniger stark, aber immerhin merkbar genug, und kann, wie gesagt, nicht geleugnet werden. In so weit hat Oettingcn ganz Recht; allein, er übersieht, wie ich dies ihm auch in meiner Antwort auf seine Erklärung mitgetheilt habe, einen wesentlichen Punkt, den Sie, trotzdem Sic Nichtfachmann sind, ganz richtig hervorhoben. Bei der Frequenz des Meineids kommt die Zahl der Eide in Betracht, welche in Zivilprozessen geschworen werden, denn die meisten Meineide sind aus bürgerliche Rechtsstreitigkeiten zurückzuführen. Nun ist aber die Zahl der Zivilprozesse seit 40 bis 50 Jahren ganz cnorn! gewachsen, nach Starke um 92"/״, deshalb muß auch die Zahl der wegen Meineids geführten Untersnchungen bedeutend wachsen, und da diese Progression sich ans alle Schichten der Bevölkerung erstreckt, machen die Inden natürlich keine Ausnahme davon. Sodann kommt sowohl für diese Deliktsgruppe, wie auch für die übrigen, der Umstand in Betracht, daß dieselbe in elfter Linie von Personen begangen werden können, welche im kaufmännischen oder Jndustrielcben thätig sind. Um einen einfachen oder qualifizirten Bankerott begehen zu können, muß man, wenn auch nicht de jure, so doch äs facto, eine kaufmännische Geschäfts- und Betriebsweise besitzen. Nun ist zwar die BerusSstatistik für das deutsche Reich erst einmal erhoben und noch nicht genügend bearbeitet, um Schlüffe mit absoluter Sicherheit zu gestalten. Dennoch ist darüber kein Zweifel, daß das jüdische Element am zahlreichsten am kaufmännischen GeschaftSleben, nicht dem großen, das ist eine Tcndenzlüge, und auch.nicht dein kleinen, wohl aber dem mittleren aktiv betheiligt ist, also gerade an dem Berufe, welcher, die thatfächlichcn Verhältnisse genommen, fast ausschließlich in die Lage kommt, wegen einfachen oder qualifizirten Falliments gerichtlich bestraft zu werden. UebrigenS will ich nicht vergessen zu erwähnen, daß bei der Frequenz der genannten Delikte durch unsere Glaubensgenossen in den einzelnen Theilcn des Reichsgebietes ein großer Unterschied ist. In Hannover (ich meine die Provinz), Rheinprcnßen, Hessen-Nassau, Westfalen, Großherzogthunl Hessen, Rheinbaiern 11. s. w. ist dieselbe viel geringer als in Posen, Ost- und Westprenßcn, Schlesien, Pommern und Sachsen (Provinz). Sie hält — und dies ist gegenüber allen Tendenzlügcn sehr wichtig — gleichen Schritt mit der allgemeinen Kriminalität, der Kultur und dem ökonomischen Wohlstände der betreffenden Provinzen. Es wird mich freuen, wenn diese Erörterung Ihrem Wunsche genügte und gebe ich Ihnen beznglich der Benutzung derselben vollständig carte blanche. Hochachtnngsv oll vi guCb. ־& Hannover, 27. Januar. Von Herrn Sa- 1011t 011 Kutna, Bezirksrabbiner zu Eisenstadt, geht uns ein Schreiben mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu, in welchem Herr Kntna Namens dcS Herrn Oberrabbiner M. Katz in Dentsch-Krenz die in Nr. 48 und 50 v. I. unserer Zeitung ans Ungarn mitgctheilte Mißstimmung gegen die Leitung der Durchführungskommission als unwahr erklärt. Zu seiner Legitimation schloß Herr Kntna seinem Brief eine angebliche Vollmacht des Herrn Oberrabbiner M. Katz bei für die Abgabe einer solchen Erklärung in dessen Namen. Diese Vollmacht kst aber keineswegs von dem genannten Herrn Oberrabbiner selbst unterzeichnet. Sic enthält die Versicherung, daß Herr Katz niemals die Absicht gehabt habe, etwas gegen Herrn Reich zu unternehmen. Wir erblicken in diesem Schriftstücke keineswegs ein Dementi seitens des Herrn Oberrabbiner Katz in Bezug auf die in unserer Zeitung gebrachte Schilderung der ungarischen Verhältnisse, da sie weder von diesem Herrn unterschrieben ist, noch auf unsere Zeitung speziell Bezug nimmt. Wir werden einer sachgemäßen vow sachkundiger Seite anSgchcuden Widerlegung der hervorgchobencn Mißstande die Spalten unserer Zeitung gern offen halten. Wir sind im Laufe des vergangenen Sommers mit dem Besuche des Herrn Oberrabbiner Schreiber aus Preßburg beehrt worden, welcher zu dem Zwecke hierhergekommcn war, um mit uns über ungarische Verhältnisse Rücksprache zu nehmen.

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