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Jeschurun · 1885-01-29 · Heft 5 (29.1.1885) · p. 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 5 (29.1.1885)
Article
Ein liberaler Richter im 14. Jahrhundert
Date
1885-01-29
Page
70 (sequence 2)
Language
German
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daß die Juden in ihr Aharace*) oder Opfer niemals j weder Blut noch Fleisch geben, Sachen, welche an sich durch das (Gesetz MoseS verboten sind, sondern; mir ungesäuerte örobc und gemeinen Lattich, daß eine! solche Anklage einzig und allein von eifersüchtigem Haß 1 und Habgier nach den Gütern der Inden hcrrühre — der Richter, sagen wir diesen und anderen Erwägungen zufolge, sprach die Inden alle und jeden einzelnen von der gegen sie erhobenen Anklage frei. Dieses Urtheil, datiert vom Schlosse bei Chambery den 20. Juli 1329 und wurde an demselben Tag von Eduard Graf von Savoyen bestätigt. W. WlMsmns und Zudenthum. Bon Friedrich Rot t. (׳'-,Ille :1!eckte Vorbehalten (Fortsetzung.) Tolza hatte den Brief zu Ende gelesen, sinnend saß sie da. Die religiösen Grundsätze der Schreibcrin, deren ganzes cxaltirtes Wesen kontrastirtcn zu sehr mit ihrer eigenen ausrichtigen Frömmigkeit, ihrem ruhigen, sanften Wesen, als daß sie in Wirklichkeit wärmeres Interesse für Irena hätte empsiuden können. Dennoch hätte sie ihr gern geholfen, denn sie betrachtete sie als Gattin dessen, der sie sich angetrant, nach jüdischein Eherecht. — Ob es nützen würde, wenn ihre Mutter sich abermals an Irenens Eltern wenden würde? — schriftlich ihre Fürsprache wiederholen? — Eben überlegte sie, ob sie die Mutter darum ersuchen sollte, als die Thür hastig aufgerissen wurde, und hastig, wie sic ihn noch nie gesehen, Alexander in das Zimmer trat. ״Weißt Du nicht wohin Ignaz ist? — hat er Dir nichts gesagt? — " Erschreckt blickte sie zu ihm auf. ״Ignaz? — ist er denn nicht im Kontor? — ober ist er vielleicht aufs Telegraphenamt gegangen, seinen Freund in W.... zu benachrichtigen, daß er ihn nicht erwarten möge? —" Alexander athmcte erleichtert aus. ״Hat er Dir gesagt, daß er das wollte?" Sie schüttelte den Kopf. ״Mir hat er gar nichts gesagt, doch in heftiger Erregung hat er einige Worte vor sich hingemnrmelt, so viel ich verstanden, daß er sich den unerträglichen Zwang nicht, länger gefallen lassen wolle." ״Das hat er gesagt!" ries Alexander. ״Um Gott! Alexander, was fürchtest Du?" ״Alles —" erwiderte er tonlos. Doch im selben Moment hatte er dieses unbedachte Wort auch schon bereut. Seine Frau war aufgesprungen, leichenblaß, zitternd stand sie vor ihm. ״Was?" flüsterte sie, ״was fürchtest Du?" Er schlang seinen Arm um sie und zog sie an sich. ״Nichts fürchte ich, Kind, gar nichts — Du darfst nicht so erschrecken. Ich meinte nur, daß Ignaz, trotz deö Verbotes unseres Vaters die Reise angetrcten haben könnte. — Du glaubst doch gehört zu haben, daß er gesagt, er wolle sich diesem Zwang nicht länger gefallen lassen. — Und einer unserer jungen Leute, der eben in der Nähe des Bahnhofes zu thnn hatte, glaubt, ihn im Reiseanzug dort gesehen zu haben. Nun, das wäre allerdings sehr Unrecht von Deinem Bruder, doch zum Erschrecken ist eS gerade nicht. Er ist eben ein junger Mensch, leicht aufgeregt und eS hat ihn vermuthlich verdrossen, in den Angen seiner Freunde nicht vollständig unabhängig zu erscheinen, wenn er bei dem verabredeten Rendezvous sehlen würde." Er hatte sehr ruhig gesprochen, hatte jedoch nicht vermocht, die einmal erregte Besorgniß seiner Frau zu beschwichtigen. ״Weiß es der Vater?" ״Ich glaube nicht — mit Bestimmtheit "weiß ich selbst eS doch auch nicht." ״Wenn Du ihm mit dem Kurierzug Nachreifen würdest — ihn vielleicht cinholcn könntest, bevor er W.... erreicht und ihn bewegen könntest, daß er sofort mit Dir zurnckkchrt — dann brauchten cö unsere Eltern vielleicht gar nicht zu erfahren, daß er gegen ihren Willen — es würde sie so sehr schmerzen —״ Alexander schüttelte den Kopf. ״Wenn er trotz des Verbotes seines Vaters abgercist ist, so würde es mir nicht gelingen, ihn zurückznbringen, selbst wenn ich ihn erreichen würde. — Aber selbst wenn ich ihn dazu bewegen könnte, würde ich nicht die Hand dazu bieten, es Deinem Vater zu verheimlichen. — Dein Vater muß seinen Sohn genau kennen, Heimlichkeiten in dieser Richtung wären eine übel angebrachte Rücksicht." ״Vielleicht hast Du Recht. — Aber wenn Du dennoch ihm Nachreifen wolltest — vielleicht gelingt es Dir, ihn zu bewegen, daß er mit Dir zurückkommt — hinterdrein könntest Du cs dann dem Vater mittheilen." ^Ich muß vor Allem erfahren, ob er in Wirklichkeit abgereist ist. Ich gehe sofort zum Bahnhof, um mich zu erkundigen. Erfahre ich, daß er abgereist ist, so halte ich mich verpflichtet. Deinem Vater sofort Mittheilnng zu machen. — Aber Du darfst nicht so besorgt dreinschaucn, vielleicht hat sich der junge Mann geirrt, und Ignaz sitzt schon ruhig im Kontor an seinem Pult. — Doch wenn auch nicht — so wäre *) Unter Aharace ist wahrfchrnrlich dasCharoßct gemeint.

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