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Jeschurun · 1885-01-29 · Heft 5 (29.1.1885) · p. 68

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 5 (29.1.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-01-29
Page
68 (sequence 2)
Language
German
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68 als — Eduard von Hartmann. Ja, Hartmann müßte sich konsequenter Weise selbst sreiwilliq ansschließen, denn cs giebt keinen größeren Gegensatz, als;wischen ihm und dem Christenthnm. Es ist nach unserer de׳ scheidencn Meinung;wischen Chrislenthn!:׳ und Indentt)11m und DknhamcdalliSmnS ein weil geringerer Unterschied, als;wischen Christenthnm und Hartmanu'jcher Philosophie. Jene haben doch in dem Glauben an Gott und die unmittelbare Offenbarung des göttlichen Willens all die Menschen etwas Gemeinsames, und dieses GotteSbcwußtsciu erzeugt doch für die religiöse Vorstellung immerhin eine verwandte Anschauung und Denkweise. Die Bekenner dieser drei Religionen üben das Gute und meiden das Böse aus dem Grunde, weil Gott es geheißen und verboten hat; lind sie verehren Gott buchstäblich als den gerechten Richter, welcher im Diesseits lind Jenseits die Tugend belohnt und das Laster straft. Allen dreien ist die Welt Schöpfung Gottes, des Menschen Seele göttlichen UrsprungS und unsterblich, nicht Akzidenz der Materie lind vergänglich wie diese. Ja, der Ehrist verehrt dasselbe Buch als göttlich und heilig wie der Jude, die jüdischen Propheten sind auch ihm die Verkünder göttlicher Offenbarung, die Lieder der jüdischen Psalter auch ihm die Leiter, auf welcher er sich;11 seinem Schöpfer eulporschwiugl, in dem jüdischen Bibclwort findet auch er Belehrung, Erhebung und Trost. Und Hart mann? Ist Hartmann ein Christ, d. i. bekennt er sich zu.der christlichen Lehre, die in der Schule gelehrt, von der Kanzel gepredigt, in der Konfirmation bekannt wird? Ist feine Weltanschauung die christliche? Hören wir, wie er sich darüber in dem vorliegenden Kapitel ansspricht und wie er, um in christlicher Gemeinschast zu bleiben׳, dem deutschen Volke das Christen׳- thum überhaupt abspricht. Wie er, seinem AntiscntiliSmuS zu Liebe, das ganze deutsche Volk zu Anti-- scmitcn stempelt, also macht er um seiner Ungläubigkcit willen die Majorität der Christen zu Nichtchristcn. Nach ihm ״täuschen sich die meisten Christen über den 'Widerspruch zwischen den christlichen Grundlchren und der modernen Weltanschauung durch ancrzogen(- Pietät hinweg," so daß. ״wenn nur diejenigen zur christlichen Gemeinschaft gezählt werden, welche mit Ucbcrzeugnng als erwachsene, gereiste Menschen das christliche GlaubenSbckcnntttiß ablcgen könnten und wollten, die christliche Gemeinschaft sehr zusammenschmelzcn würde."' Die christliche Religion ist ihm ״eine ideell überwundene Stufe im EntwickelnngSgang des religiösen Bewußtseinder Menschheit", das Christenthum ist ihm ״obsolet", und er beklagt cS, ״daß nach der bis jetzt maßgebenden Auffassung ein . konfessionsloser Staatsbürger praktisch als ein ftaatSgcfährlichcS und rcligionSscindlichcS Individuum behandelt wird, bei dem man nicht auf Treue und Glauben rechnen darf," daß ״man heute selbst solche Aemter einem konfessionslosen Staatsbürger noch nicht anvcrtrauen würde, die man einem Bekenner der mosaischen Religion bereits unbedeutlich auvertraut." Herr Hartman» wird es nicht in Abrede nehmen, daß er nach diesen Bekenntnissen, welche wohl mit der Gott leugnenden Philosophie dcS Unbewußten, keineswegs aber mit dem Christeuthume harmo-- nircn. in Wirklichkeit rvufejsiouSloS ist, und daß er nur deshalb äußerlich in der christlichen Gemeinschaft vcrbleibt, weil ein kousrssionSloser Staatsbürger in der Thal nach der heute maßgebenden Auffassung von der Gesellschaft ausgeschlossen wäre. Das hat jedoch für uns mir ein untergeordnetes Interesse. Cü läßt uns nur darüber staunen, daß er für diesen schreienden Widerspruch, in welchem er selbst sich zu der allgemeinen religiösen Anschauung verhält, nicht auch die Konsequenzen zieht, die er so gütig ist, für die Juden zu folgern. Cs erinnert dieses edle Selbstvergessen ganz an daS ״Ja, Bauer, das ist etwas ganz anderes." Wichtiger für die uns hier beschäftigende Angelegenheit ist darin aber das klare und Herrn Hartmann selbst schlagende Zugesländniß, daß die religiöse Verschiedenheit zwischen Inden und Christen keinen Grund abgeben kann zu einer feindlichen Haltung gegen die Juden, und daß die allgemeine Anschauung der dcntscheu Christen nicht so jndcnfcindlich ist wie die antisemitische dcS Philosophen, und ferner, daß das Judenthum keineswegs ein FriedcnSstörcr sein kann zwischen den Inden mtb der christlichen Welt. Wohl mag das Jndcnthnm mit seinem positiven GottcSgtanben dem Philosophen Hartman» unsympathisch sein, die christliche Gesellschaft erblickt bei aller Verschiedenheit in dem Judenlhnm eine sich verwandte Welt- und Lebensauschaullng, die Quelle der auch ihm gültigen Moral und Tugend, wogegen sie, nach Hartmanns Versichcrung, dem konfessionslosen Philosophen den Rücken kehren würde.!Hottsetzung folgt.) Dir LrhrrrMsmiiiiilllilg \\\ Drrllii am 2 <4. und &IL Dezember 1884. -,Schluß.) Wer sott getäuscht werden durch die Vorspiegelung einer Einheit im heutigen Israel, die nicht vorhanden ist? Der Wahrheit ist gewiß damit nicht gedient und der gedeihlichen Entwickelung acht jüdischen Geistes und Lebens innerhalb der Gemeinden wahrlich auch, nicht. Da zittern sie, wenn man cs auSzusprechcn wagt, > daß der Riß vorhanden ist, daß die Reform, die halbe

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