Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Graz [Nachricht]
- Date
- 1885-01-22
- Page
- 62 (sequence 1)
- Language
- German
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zz Graz, 15. Oamiar. Der deutsche akademisch«.׳! Vcfctncrcin, ein?((}itntioneljcrb bc^ uuUl)cnbcn Anti׳ scmitismus, wurde behördlich aufgelöst; so mclbct bic ״Ocstcrreichischc Wochenschrift". graufrei ch. Y. Paris, im Januar. 3n seinem neuesten Werke schreibt Erncst Nett an n. A. über bic cxcgctischen Arbeiten bei* 3 üben in l) ö d) ft a 11 er f c n n cn v in er 11) c 1־ Weise. Er bewunbert deren Vortrcsflichkcit nnb grammatikalischc Femsnhlichkcit. Schon Abnlwalid Mcrwan Iben G'nach. Rabbi Jona, dessen Verdienste übrigens non allen Sprachforschern unbestritten anerkannt werben, habe um etwa achthundert Jahre früher die vergleichende Methodik angcwenbet, als die nichtjübischcn Sprachforscher. Ileberhanp! gesteht Renan zu, bas; bei den Juden bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ein tieferes und besseres Lerständniß der Bibel vor- Händen war, als bei den Christen. N uszland. j7 Kowno, 15. Januar. Eine betrübende Kunde ist ans der Kreisstadt Wilkomir zu uns gelangt. Dort strömten die Jünglinge zusammen, welche in bas Heer unseres Kaisers cimrercu sollten, um zu Ehren desselben und des Vaterlands tapfer einzustchen mit dem Mnthc der Begeisterung und der geschickten Führung der Wafsen. Aber cs waren schlimme Elemente unter diesen Rekruten, und statt die Kraft zu bewähren zum Schutze der russischen Ehre, vergeudeten sic dieselbe in sträflichem Uebermuthc. Ohne alle Veranlassung fielen sie über bic wehrlosen unschuldigen Juden her und verfolgten Männer und Weiber, Greise und Kinder. Viele von diesen wurden arg mißhandelt, einige gefährlich verwunde!, ja einer sogar gelobtet. In ihrer Wnth achteten die Misscthätcr auch nicht die kaiserliche Obrigfeit, welche zum Schutz der Verfolgten und Gewißhandelten cingriff. Erst nachdem die Polizeimacht durch bic Mannschaft der Feuerwehr sich verstärkt hatte, konnten die rohen Horden überwältigt werden. Manche sind zur Haft gebracht worden, um die gerechte Strafe zu empfangen. — Wie lange sollen wir aber noch den Streichen des Pöbels ausgesetzt sein, wie lange noch wird cs dauern, bis der Jude wiederum sicher weilen kann auf Erden'?'? Ach, Israel ist 3י.בשח לטבח י!על 2 לlnS Kurland, N;. Januar. Das den.Juden Finnlands drohende Geschick scheint sich crsnlleu zu sollen. Dem Landtage ist in der That ein Gesetz zur Berathung vorgelcgt worden, durch welches ihnen der Aufenthalt und Gewerbebetrieb auf dem platten Lande verboten wird. Es soll ferner bestimmt werden, daß aber auch die Juden in d!n Städten jederzeit ansgctrieben werden können. Selbst denjenigen, welchen nach einem Aufenthalt von zehn Jahren ein sogenannter lebenslänglicher Pas; tcrheilt wird, soll nach Gutdünken der Behörde jederzeit ein Answcisuugs-Befehl zugestellt werden können. Man fragt sich vergebens nach den Ursachen solcher harten Maßnahmen. Roch sind diese nur geplant und noch kann man hoffen, daß der Kaiser dergleichen Unbilligkeit nicht sauktionircn wird. * Tiflis, *2(י. Dezember. Die ״Attgcm. Ztg." schreibt, daß die geplante Einführung der allgemeinen Wehrpflicht insofern ans ein Hindcrniß gestoßen, als die Armenier und Juden oft hinter dem für die Rekruten bestimmten Rormalmaßc (2 Arschin 2' 2 Wer sch ok - ca. 1,ö Meter) Zurückbleiben und deshalb theils vom Kriegsdienste freiblciben. In Anbetracht dessen hat der Fürst D o n d n k o w - K o r s a k o w, welcher dieser Tage nach St. Petersburg gereist ist, eine Vorstellung an den Kriegsminister mitgenommen, wonach obiges Akaß herabgesetzt werden soll. * Rach verschiedenen Zeitungsberichten soll die Auswcisungsmaßrcgel gegen die fremden jüdischen Kauf-- lcntc in Odessa vorläufig sistirt sein. Ueber die angeb׳׳ lichen Tumulte seitens der Juden in Odessa und Amaujew zirkaliren mannigfache theils abeutenerlich klingende Nachrichten, die wir aus dem Grunde ihrer Unwahrscheinlichkeit zu reprodnzircn Anstand nehmen. Numänien. ..../. Bukarest, 15. Januar. Es wird von Bakan berichtet, daß daselbst vor wenigen Tagen ein Bubenstreich, Gottlob ohne gefährliche Folgen, verübt worden ist. Der dortige Rabbiner befand sich zufällig am Fenster, als ein Pistolenschu'ß krachte. Die Kugel flog glücklicherweise dicht an dem Rabbiner vorüber ins Zimmer. Die Anzeige wurde sofort erstattet, aber von einer eigentlichen Untersuchung, ja nur von einer genauen Feststellung des Vorgangs ist kaum die Rede. Palästina. Ez Es verlautet jetzt der Inhalt eines Erlasses, welchen die türkischen Gesandten an die unter ihnen stehenden Generalkonsuln gerichtet haben sollen und zwar in folgender Fassung: ״Herr Generalkonsul! In Anschung der Unzuträglichkeitcn, welche in Palästina durch die Menge von Israeliten verursacht werden, die von allen Seiten Herkommen, um sich daselbst niederzulassen, hatte die Kaiserliche Negierung die Auswanderung derselben nach diesem Thcile des Kaiserthums verboten. Nichts desto weniger gelang cs einigen unter ihnen, unter dem Vorwände von Pilgcrreiscn oder Handelsgeschäftcn Einlaß in das Land zu erhalten, sich dort anzusicdcln und unter Erweckung eines falsches Scheines in der That cinzuwandern. — Um nun für diese Verhältnissc eine Grenze zu schaffen, hat die Kaiserliche Negierung beschlossen, vom Anslande kommenden Jsrae-