Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1885)
- Article
- Deutschland : aus dem Herzogthum Braunschweig [Nachricht]
- Date
- 1885-01-22
- Page
- 61 (sequence 2)
- Language
- German
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(5$ ist, als ob alles erstorben wäre, jedes Gefühl für die hehre ehrwürdige Vergangenheit, jede Empfindung für die erhabene Aufgabe des JudenthumS, jedes Bewußtseiu von dem Inhalte und der Bedeutung des jüdischen Gesetzes. דור הלך ודור פא, unser verwaistes Landrabbinat ist wiederum besetzt; die Landgemeinden haben sich den Wünschen der Hauptstadt gefügt, Herr Dr. Nülf ist definitiv gewählt und bestätigt. Mochte doch Gott in feinem Herzen einen Funken der Begeisterung für ein thatkräftigeS Wirken im Geiste des alten JudenthumS cntflamnicn und cS ihm dann gelingen, auch den fast schon erstorbenen Geist in den Gemeinden wieder zu wecken. Möge er mit dem eigenen Beispiel eines untadelhaft religiösen Wandels den Lehrern und Gemeinden voranlcnchten und cS verschmähen, in die breitgetretcncn Spuren einer indifferenten Amtsführung und-einer laxen Lebensführung zu treten. Daß doch diese Wünsche nicht nur fromme Wünsche blieben! e. Würzburg, 15. Januar. Die noch immer schwebende Nabbinerfrage ist jetzt zu einer endgültigen 'Erledigung gelangt. Herr Rabbiner Nathan Bamderger ist definitiv als DistriktSrabbiner bestätigt. 0. Dinslaken, 15. Januar. Im Mai dieses Jahres wird hicrselbst ein großes israelitisches Waisen- Haus eröffnet, dessen JnSlebenrufnug von angesehenen Männern hiesiger Provinz schon im vorigen Jahre in einer Konferenz beschlossen worden. Mit Genehmigung des Oberpräsidenten ist eine Sammlung veranstaltet, deren Resultat bis jetzt schon ein recht erfreuliches zu nennen ist. .11. Dsfenbach, 19. Januar. Als ein erfreuliches Zeichen deS ungestörten interkonfessionellen Friedens im Greife unserer Bürgerschaft dürfte die Mitthcilung intercssircn, daß bei dein kürzlich stattgehabtcn fünfzigjährigen AmLSjubiläum deS hiesigen Dekan Herrn Bonhard auch die Jndenschaft sich dutch ein Festgcschenk für den Jubilar belheiligte. Dasselbe bestand in zwei großen silbernen Kandelabern. Der Herr Dekan erfreut sich aber auch wegen seiner Humanität und Freundlichkeit der allgemeinsten Hochachtung und Liebe. * Bnrgpreppach, 18. Januar. Die hiesige Talmnd-Thora-Schnle hat in diesen Tagen ihren RechenschaftSbcricht für das zehnte Verwaltungsjahr 1883,84 erstattet. Diese Anstalt erfüllt die Aufgabe einer Prä- Parandic für das Lehrerseminar. Sie bereitet ihre Zöglinge demgemäß in den allgemeinen Kenntnissen: Deutsch, Rechnen, Welt- und Naturgeschichte, Geogra- Phie, Französisch, Kaligraphic, Zeichnen, Gesang und Turnen, sowie in den speziell jüdischen Wissenschaften: Hebräisch, Pentateuch mit Naschi, Propheten, Chajc Odom, Mischna und Talmud in genügender Weise vor und zählt jetzt 04 Zöglinge, welche außer dem Direktor, Herrn DistriktSrabbiner A. Hirsch, noch von vier Lehrern unterrichtet werden. Sic wird lediglich durch freiwillige Beitrüge erhalten, welche in dem abgelaufenen Rechnungsjahre sich auf <46 8423.95 beliefen. Hierzu kam noch eine Zinsencinnahmc von <46 236.79 und für llnterrichtSgcld und Miethe /.'.500, so daß die Gesammteinnahme <46 0100.74 betrug. Die Ausgäbe belief sich dagegen: Lchrergchalt c/6 3 345,98; 1111־ terslütznng armer Zöglinge 2043,05; Lehrmittel, Schnlutensilien und Drnckkostcn <46 450.42; Zinsen und Unterhaltungskosten <46 821.22; Heizung <46 1 96.63 und VerwaltungSkosten J6 107.48, int Ganzen J6 6964.78, so daß das Vermögen der Anstalt sich um 016. 2195.96 vermehrt hat und nunmehr 0/6 8152.32 beträgt. — Wir schließen uns aus vollem Herzen dem Wunsche der Verwaltung an, daß diese segensreich wirkende Anstalt sich immer mehr befestigen möge, um ihrer Aufgabe in noch umfassenderer Weise gerecht werden zu können. O L st er reich -Ungarn. -k׳- Wien, 8. Januar. Dem von den Der lheidigcrn der Moses Ritter'scheu Eheleute, Di׳. Machalski und Dr. Noscnblatt, gegen das Urtheil des Krakauer Schwurgerichts eingcrcichten KassatioSgcsuche wird stattgegcben. Die Sache gelangt vor dem höchsten Gerichtshof nochmals zur Verhandlung. Moses und Gitel Ritter, deS Mords der Franziska Minch dezichtigr, sind inRzcszow bereits zum Tode verurtheilt worden. Die gegen diesen Spruch eingelegte NichtigleitSbcschwerdc führte zur Kassirung desselben und neuen Verhandlung in Krakan, wo aber ebenfalls das Todcsurtheil über die Angeklagten verhängt wurde. Hoffentlich gelaugt jetzt endlich deren Schuldlosigkeit, an welcher Niemand zweifelt, an den Tag. W. Wien, 16. Januar. Die im April vorigen JahrcS crschicuene Schrift von Isidor Singer: ״Sollen die Inden Christen werden?" ist von der Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegt worden. A, Prestbnrg, 6. Janur. Dem sechzehnten GebahrnngSausweise deS hiesigen Vereins מרפא לפש für 18",«4 entnehmen wir, daß 90 Kranke verköstigt und erquickt worden sind. Es wurden nicht nur alle vorhandencn Mitte!. verbraucht, sondern cS schließt vielmehr die Rechnung mit einem Defizit ab. Es wurden 2462 Mittags- und-4794 Nachtmahlzeiten verabreicht, außer sonstigen Labungen und Erfrischungen. Der Vorstand sieht sich zu einem warmen Appell an die Wohlthätigkeit der hiesigen und benachbarten Gemeinden um kräftige Förderung seiner Zwecke genöthigt, an letztere um so mehr mit vollem Rechte, als die Bcncsizien deS Vereins namentlich auch Angehörigen derselben zu Gute kommen. Möge der Ausruf seine Wirkung nicht verfehlen.