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Jeschurun · 1885-01-22 · Heft 4 (22.1.1885) · p. 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 4 (22.1.1885)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1885-01-22
Page
60 (sequence 2)
Language
German
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60 ratl) Sadjman, (S\ Löweuberg, Rabbiner Dr. Unser•־; Icibcr, fämmtlirf) in Berlin, Professor!0׳. Grätz in BrcSlau, Kommerzienratl) S. JassO in Posen, Ascher \'m in Po!rin 11 nb Bczirksrabbiner Dr. 3alr*cubt in ' Dürkheim. Außerdem gehört bem Verwalimigsraih Herr Henry A. Franklin in vondon als Kurator einer größeren Schenkung an. In! verflossenen Jahre gingen an Spenden ca. 3800 an Beiträgen ca. 2000.1V., an Zinsen ca. 3000 c\Lt an Gaben z׳.nn eisernen Fonds und Legaten 2-100 .!!. ein; für Kosten der Waisencrzichung waren ca. 10 000 J(:, erforderlich. Im Ganzen zählt die Anstalt in Jerusalem 14 Interne und 10 Externe. Der dortige österreichisch-ungarische Konsul Ritter von Strauß hat die Anstalt besucht und sich sehr befriedigt über den Zustand und die Kenntnisse bei Zöglinge ausgesprochen. Ebenso zwei Herren aus Amsterdam, die zugleich die Zinsen eines größeren Beträges zur thcilweisen Deckung der Kosten für einen weiteren Waisenknaben zur Verfügung stellten. M. Mainz, 18. Januar. Auch in Ihrer Zeitung findet sich eine Rüge der antisemitischen Gesinnung des Prosessor von Dettingen in einer Korrespondenz anS Leipzig. Sie werden deshalb auch gewiß gern Notiz non einem Schreiben nehmen, welches der Genannte an den hiesigen Rechtsanwalt D!׳. Ludwig Fnld gerichtet hat. Dasselbe enthält u. A. folgende Erklärung: ״Ich stehe innerlich durchaus freundlich dem indischen Volke gegenüber. Ich verabscheue die antisemitische Propaganda und habe mich wiederholt auch in meinem Hauptwerk anerkennend über die Vorzüge des Indenthums (geringere uneheliche Geburt, Familiensinn, Bildnngsstrebcn, selbst geringere Bethcilignng am Bcrbrechen) unter ausdrücklicher Anerkennung Berlins ausgesprochen. In früheren Schriften habe ich sogar die ungeheure providcnticlle Bedeutsamkeit dieses, durch Gottes Fügung so zähe erhaltenen und großartig angelegten Volksstammes eingehender zu beleuchten versucht. — Aber freilich — coiTiiptio optimi pessima. — 2m Vertucchcrthum und Gauncrthnm hat, wie ich ausdrücklich sage, der südische Dämon, nicht das ganze Volk, einen vcrhängnißvollen Einfluß geübt. Beweis dafür ist mir zunächst die bekannte Beobachtung Avä- Lallcmants in Betreff der jüdischen Elemente in der Gaunersprache. Doch auch hier hebe ich hervor, daß die Zusammenschicbung indogermanischer und semitischer Sprachtypen für alle Zeiten ein trübes Denkmal unserer Sünden, d. h. unmenschlicher Verfolgung des alten Gottesvolkcs sein 1111b bleiben werde. Damit brandmarke ich doch die antiscnutischc Tendenz. — Wenn ich nun die so sonderliche Zunahme gewisser, von Juden verübter, gemeiner Verbrechen (Meineid, Betrug, salfcher Bankerott) zisjcrnmäßig darlege und dann hinznsügc, daß man ״die steigende Empörung des christlichen Bcwnßtseins gegen diese betrügerische Bande" verstehen könne, so meine ich doch selbstverständlich mit diesem Ausdruck nicht das ganze, mir durchaus als ehrenwerth geltende Volk, sondern eben die verbrecherische Gruppe der Handels- und Börsenspekulanten, welche freilich nach meiner durchgehenden Gesummt an schammg von der Solidarität mit dem krankhaften Volksgcist und den herrschenden Lchoßsüuden dieses Volksthnms ebenso znsammenhängt, wie etwa bei den deutschen und nanientlich den protestantischen, die bis auf's Höchste gesteigerte Selvstmordtendenz. Mit dem Ausdruck ״bctrügerische Baude" will ich also nur jene ans künstliehen oder faktischen Bankerott hinarbeitcude Klasse von jüdischen Spekulanten bezeichnen, die ja einen vcrgiftenden Einfluß ans die Volksseele ansübt. — Sehr lieb wäre cs mir, um der Sache und meiner Person willen, wenn Sie frenndlichst dieses Mißverständuiß etwa in einer neuen Auslage Ihrer Schrift oder sonst öffentlich znrcchtstellcn wollten. Ich stelle' cs Ihnen frei, von diesem meinem Schreiben dabei Gebrauch zu machen, und bekenne bei dieser Gelegenheit aufrichtig, daß ich die ganze antisemitische Agitation a la Stöcker und Hcnrici verabscheue. — Genehmigen Sie u. s. w. ge;. Professor A. v. Dettingen." 14. B. Breslau, 17. Januar. Es ist hier unter dem Namen ״Talmudischer Lehrverein" ein Verein entstanden, welcher gewiß mit vieler Freude zu bcgrüßen ist. Derselbe hat den Zweck jüdisches Wissen unter unseren Glaubensgenossen zu verbreiten, fleißige und befähigte Schüler für das Stadium des Talmuds zu gewinnen und dabei zu ׳unterstützen unb armen talmudisch gebildeten Männern mit Geldmitteln, je nach Gutachten des jedesmaligen Vorstandes, beiz׳.!stehen. Als Lehrgcgenständc sind vorläufig bezeichnet: 1)ר״ש׳יי und היי אדם (3 ,משניות (2 ,חומש. Außerdem sollen noch allgemein verständliche, jüdisch-wisscntschaftliche'Vorlräge gehalten werden. Es verdient namentlich für den Geist dieses Vereins als bezeichnend hervorgehoben zu werden, daß bei den Vorteägeu jede Kritik über Schriften, Lehren und Satzungen, die bei dem gcsetzeslrenm Indenthnm als unantastbar gelten, ausgeschlossen ist. Wir wünschen diesem Vereine und allen ähnlichen Bestrcbungen לה נד ל תודה das beste Gedeihen. Die Verbreitung der Kenntniß des Jndenthums ist das wirksamste Mittel zur Heilung unserer inneren Schäden und zur Stärkung unserer Kraft für die Kämpfe nach?laßen. p. Aus dem Herzog LH um Brauuschweig, im Januar. Db die braunschweigischen Lande wohl jemals wieder eine Stätte bieten werden für die Entsaltnug eines echt jüdischen Lebens in Hans und Gemcindc? Lasriat.p. ugni speran/a voi chViitrate, das scheint der Grabcsruf zu sein, welcher ans unserem herrlichen gesegneten Ländchcn in die ׳Außenwelt tönt.

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