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Jeschurun · 1885-01-22 · Heft 4 (22.1.1885) · p. 59

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 4 (22.1.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-01-22
Page
59 (sequence 2)
Language
German
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50 werden. — Die weit überwiegende Mehrheit der orthodorcn Juden besteht au$ Armen, der Kindersegen ist zumeist in den Hütten der Armen zu finden, demnach verbrauchen zumeist Arme das?i?L-Mchl der Durchführungskommission und das hieße den armen, dürstigen. kuinrnerbcladenen und sorgenvollen ידודים die Erhaltung der ישיבות aufbürdcn. Es werden Andeutungen gemacht, als ob es nicht schadelt könnte, wenn die ganze ״Kommission" ansgelassen würde. Doch das wäre in diesem Augenblicke nicht nur höchst unpraktisch, sondern auch Verhängnis;- voll. — In solange die ״Landcskanzlci" der Kongrcßler besteht, injolangc kann die Orthodoxie eine offizielle LandcSvertretung nicht entbehren. Wenn man die Reorganisation der DurchsuhrungSkommission mit dem Präsidentenwechsel auhcbcu wollte, so würde mau beweisen, daß man die Situation noch immer nicht recht erfaßt und für . die Folgen eines solchen Schrittes leider nicht das richtige Verstäudniß hat. Diese Wahrnehmung stimmt uns ernst und erfüllt uns mit Wchmuth. Daß Herr Reich die Herausgabe der Protokolle der Rabbiner-Versammlung verweigert, kann nicht als stichhaltiger Grund gelten. Darf mau wissen, wieso die Beschlüsse der Rabbiner-Versammlung in den Pult der Durchführnngskommission gelangten? Wer hat sic dort dcponirt?-— Das war immerhin ein Fehler! Aber giebt's denn kein anderes Mittel, um in den Besitz der Akten zu gelangen? Die ״Enthebung" wird's kaum bewerkstelligen. Die Enthebung des Herrn Reich wäre ein Casus fatalis, der unseres Erachtens den Stand der Dinge eher verschlimmern als verbessern würde. Die langjährige Routine sowie die natürlichen Anlagen des Herrn Reich können der Orthodoxie noch gute, große Dienste leisten, sobald er sich von seinem heillosen System cmaltzipirt hat.-Verlassen der gegenwärtigen Position, Losreißung von seinen gegenwärtigen Verbündeten oder Ucberführung derselben, sollte das an ihn zu stellende Postulat sein. Man muß alle Eventualitäten bedenken und erwägen, und wir dürfen nimmer aus dem Auge lassen, wenn Herr Reich auch zahlreiche offene und geheime?Feinde hat, so hat er auch nicht wenige freiwillige und unfreiwillige Anhänger, welche ihm zun! Thcilc verpflichtet sind und zu diesen Verpflichteten gehören leider auch manche ::•רבני, die sich גדולים tituliren lassen. — Mit der Suspeudirung des Herrn Reich laufen wir Gefahr. die tiefe Kluft, welche von den sephardischen Brüdern uns trennt, zu erweitern. Reich würde das Regime der Chasfidim übernehmen und eine neue Konfusion inauguriren, die viel Unheil stiften und sehr gejährlich werden könnte. Wir haben scholl wiederholt und mit vielem Nachdrucke gegen die Ehassidim Fraktion unsere Stimme erhoben, doch wolle man uns nicht mißverstehen, wir achten in den Chassidiin die unerschütterliche Glaubenstreue und würden sie gerne mit uns vereint sehen, aber bei den vorwaltcudcn Systemen und Maximen können wir unmöglich mit ihnen paktircn. Herr Reich könnte, wenn er wollte, auch nach dieser Richtung hin Ersprießliches leisten, wenlt er nämlich seine mannigfachen Konnexionen mit den Ehassidim und seinen nicht zu unterschätzenden Einfluß anwendcn wollte, um die Ehassidirn zu Orthodoxen (nach sozialer Auffassung), nicht aber die Orthodoxen zu Ehassidim zu machen. — Allein ״Gut Ding braucht Weil", so gewähre man denn Herrn Reich entsprechende Muße. — Vor der Hand dürften jedenfalls etwa folgende radikale Maßnahmen durchführbar sein, ohne einen besonderen Kampf heraus zu beschwören. I. Man gebe Herrn Reich einen koordiuirten Präses zur Seite, ohne dessen Gutheißung nichts vcranll.ßt und nichts ausgesührt werden dürfte. Als solcher würde sich besonders der vicloerdieutc,- einstmalige Präses Herr M. Trcbitsch eignen, und da dieser sein Domizil in Budapest hat, würde dieser Posten auch keine Mehrausgabe involviren. II. Wir haben schon mehrfach nachgewiesen, daß Herr Reich allein nichts auSzurichtcn vermag, wenn sich nicht einige Rabbiner mit ihm verbinden und zur Ncalisirung seiner Pläne als Werkzeuge sich gebrauchen ließen. — Nun denn, wir erinnern an die schöne Parabel im מדרש: Als das Eisen erfunden wurde, kamen die Waldbäumc bebend und zitternd zu ihren Aelresten, klagend, welch ein furchtbarer Feind ihnen entstanden sei. Jene antworteten: So lange Keiner von euch mit dem Feinde sich verbindet, haben wir wenig zu fürchten, die eiserne Axt ohne den hölzernen Stiel kann wenig schaden. — (Schluß folgt.) KlmesMdcilzcll und Nachrichten. Deutschland. Iss Frankfurt a. M., kll. Januar. In der außerordentlichen Generalversammlung des ״Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" wurde der Vcrwaltungsrath für die nächsten Jahre wie folgt' erwählt: Alfred Geiger, EharleS Hallgarten, Leopold Hamburger, Arthur May, Jakob S. Posen, Felix Sachs, M. T. Sondhcimer, sämmtlich in Frankfurt a. M., M. I. Bodenstein, Jakob Hamburger, Stadt-

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