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Jeschurun · 1885-01-15 · Heft 3 (15.1.1885) · p. 45

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 3 (15.1.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Prag [Nachricht]
Date
1885-01-15
Page
45 (sequence 2)
Language
German
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45 cinc$ österreichischen jüdischen Konsistoriums, zn welcher die böhmische Landesjndcnschaft bekanntlich Geratter gestanden, wird in den betreffenden Kreisen eifrig ventilirt. Unsere Rcformrabbiner begeistern sich natürlich dafür an erster Stelle. Sic Gemeinden aber sollten sich bei Zeiten vorsehen, wenn sic nicht eine allmächtige Hierarchie erstehen sehen wollen, die sie zur imsma pl<4>* (•ontrilmeiis degradirt. Bor Allem aber, Ihr! Orthodoxen, seid ans der Hut; vergesst nicht die Zeit, Ihr könntet cS bitter bereuen. England. ^vttdvlk, 9. Januar. Herr Davis sucht in einem Schrcibeit an die Nedaktioit der jüdischen Wochenschrist ״The Jcwish World" seinem abentcncrlichcn Plane einer christlich-jüdischen Synode eilten etwas wcttiger cigenthümlichcn Karakter zu verleihen. Nicht sowohl um Glauben und Bekenntnis;, als um eine gewissenhafte und sorgfältige gemeinsame Prüfung der zweitausendjährigen Dokumente soll es ihm zu thun sein. U!td das Resultat der gemeinsamen Konferenzen und desselt Konsequenzen? — Der Richter K a y hat kürzlich in einer Verhandlung sich über ״jüdischen" Wucher ausgesprochen. Die Bertretling der Judcuschaft unter Vorsitz des Herrn Arthur Eohcn, Parlamentsmitglied, hat . energisch gegen eine solche Herabwürdigung des jüdischen Namens protestirt. — Das furchtbare Elend der Armuth und des Verbrechens in den schlechteren Stadtvierteln Londons hat zu einer ciilgchcnden Untersnchnng im menschenfreundlichsten Interesse geführt. Daß auch die Inden ein großes Kontingent zu diesem Elende stellen, ist bekannt. Aber dieses beschränkt sich Gottlob mir auf die Noth, nicht auf die Sünde. Die beiden chrcnwertheu Herren Nodwell und Liddlc, welche vor dem betreffenden Parlameutsausschnsse ihre diesbezüglichen Untersuchungen mittheiltcn, sprachen sich über diese ärmsten Juden -־־ Schnorrer, Schacherer würde man sie bei Ihnen wahrscheinlich nennen — folgendermaßen aus. Herr Nodwell deponirte: Die ärmlichsten, elendesten Juden habe ich als sehr intelligent und verhältnißmäßig rcinlichst kennen gelernt; und Herr 3)r. Middle ließ sich dahin aus: In diesen Quartieren bilden die Inden den besten Thcil der Bevölkerung. Es wurde mir bezeugt und auch von mir selbst wahrgenommen, daß sie eine größere Lebenskraft besitzen, dank ihrer religiösen Satzungen: sie sind durchaus nüchtern, ihr Familienleben ist gut; sofern sie cS nur eben vermögen, suchen sie für jede Familie eine gesonderte Heimstätte; gewiß, diese Juden sind ganz vortreffliche Bürger. Rußland. * Petersburg, 3. Januar. Es heißt, daß in Odessa von 2009 Inden eine Kundgebung an das Polizcigericht versucht worden, um t verhaftete Glaubensgenossen zn befreien. Di!׳ Polizei soll dabei iusnltirt, das Militär reqnirivt. Verhaftungen sollen vorgcnommen sein. Aehnlichc Vorgänge werden ans Ananyosf und Kisch in eff gemeldet. Die Bestätigung, rcsp. Rektifizirnng derselben dürfte noch abzuwarten sein. L. Odessa, 4. Januar. Der Nowrossijsky Telegraph bericht et, daß die vor Kurzem in Kischincsf aufgetauchte Sekte ״Nowji Jsrail" daselbst eine Synagoge des ״heiligen Messias Jcs. Ehr." erbauen will. Der Minister des Jltncrn, Tolstoi, soll den Ban genehmigt und die Sekte als besondere Neligionsgenosscnschaft anerkannt haben. - - Eine gleiche in dem südrnssischcn Iclissawetgrad entstandene Sekte soll ebenso von der Negierung protcgirt sein. Es ist darum mit Recht mit einem Ihrer Korrespondenten zu sagen: Vidmmt <*0nsul<*s! da die Seelcnfängcrei im vollsten Gattze zu sein scheint. * Herr A. Kisch veröffentlicht in der ״sozialpolitischeu Revue" ans eigener Kenntnis; über die jüdische Bevölkerung Rußlands manches BemerkcnSwerthc. Sic sind vor Allem cmnii fleißig; sic müssen cs sein, wenn sie sich den uothwcudigften Lebensunterhalt schaffen;vollen; und mit diesem Flcißc verbindet sich eine außerordentliche Sparsamkeit und Enthaltsamkeit. Auf den Straßen, namentlich der ivestrussischcu Städte, sicht man fast mir Juden als Straßenkehrer, Pflasterer, Maurer, Handlanger, Dicnstmänner, Hausknechte, Fuhrlentc, Droschkenkutscher. Auf dem Marktplätze stehen täglich zu Tausenden Kopf an Kopf — Käuferinnen und Verkäuferinnen — nichts als Jüdinnen, denn auch für die Haushaltung der christlichen Herrschaften bis zum Generalgonvcrnenr, besorgen Jüdinnen die Einkaufe. — Auf den Bauplätzen fast nur Inden, tüchtige, geschickte ausdauernde Arbeiter. Alle Handwerker: Dachdcckcr, Zimmcrlcnle, Steinmctze, Glaser, Maler, Schreiner, Seiler, Färber, Leimsieder, Kürschner, Hntmachcr, Weber, Schuster, Schneider, Fleischer, Gvldarbcitcr, Nhrmachcr - fast ausnahmslos Inden. Ebenso: Lastträger, Holz- Hauer, Erdarbeiter — Inden. Der größte Thcil der Fabrikanten ״ Inden; ebenso die Fabrikarbeiter. Herr Kisch fragte einst einen Edelmann, der seine mitifcmiti« schc Gesinnung offen zur Schau trug, warum er denn unter seinen Dienern und Beamten so viele Juden anstellle,׳ warum sein Leibkntscher ein Jude wäre? ״Die Inden sind bei uns ein nothwendiges Ucbel," lautete die Antwort, ״sic sind die fleißigsten und tüchtigsten Arbeiter, die Einzigen, denen man ihrer Klugheit, Nüchternheit und Einsicht wegen einen verantwortlichen Posten anvertraucn kann." — Eigenen Grund und Boden besitzen sie nicht, aber schaarcmveiscn ziehen sie am Sonntag früh hinaus auf's Feld, um am Freitag

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