Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1885)
- Article
- [Rezension] / t.
- Date
- 1885-01-15
- Page
- 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933105--17666-2959601- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 dem Lohne und der Tochter Nabbi Isniae's, welche in römischer Lkavcrei sich wiedersanden, seiner Lichtung zu Grunde gelegt und das über Indo, trinmphirendc Nom und das im ticfficn Elende schmachtend,.׳ jüdische Volk schildern wollen. Lo gern wir die gute vlbfidu anerkennen, so vermögen wir deren Ausführung nur ein eingeschränktes Vob ,11 spenden. ׳An der Aufgabe, das tragische (Geschick des von Nom in Aetten zu der Arena der Thicrkämpfe geschleppten Hcldenvolks zn einem würdigen Drama;11 gestalten, haben sich auch Andere vergeblich bemüht. Aach unserer Meinung ist es Herrn Walch besser gelungen, die Römer als die Inden zu zeichnen. t. Da׳? Bncl> ,^ohekrth, nach der Auffassung de׳? Talmud und Midrasch und der jüdischen Er׳ klarer de? Mittelalters, k. Theil von Rabbiner!)r. 2 inai Sd)iffer. Franlsnr! a. M. Via uff mann. Der vorliegende erste Theil nmsas:! den Zeitraum von der Mischna bis;um Abschluß des babylonischen Talmuds. Die Gelehrsamkeit de? Verfassers verdient volle Anerkennung. Er wende! sich in der Vorrede gegen die oberflächliche Ansicht, welche den Midrasch als ,.gemüthlichc Homilic" oder ״geistreichen Drusch" zn bezeichnen liebt. Dem lieferen Nachdenken stellt sich die Auffassung der Alten vielmehr als grammatisch gerechtfertigt und korrekt dar. Es ist zu bedauern, dag Herr Le!׳,iffer es nicht versucht hat, eine zusammen׳ hängende Erklärung de? ttohelclh zn geben.' NI an wird viele seiner Erläuterungen als sehr zmresfend bezeichnen!Nüssen. Mit Glück polernisirt er gegen G!׳ätz, den er in Betreff dessen Auffassung von Liclim. X V. .<'׳ בל ■נתב" הקרש ובו' und der späteren Abfassung von Mol)clcti) glänzend!viderlegt. Der Fortsetzung des Werls sehen ivir mit Vergnügen entgegen. Wenn auch mit Manchem nicht einverstanden, so betrachten nur die fleißige Arbeit des Verfassers als eine schäkzenswcrthc Bereicherung unserer Bteralnr. X. ^liliisisinns und Iudenklium. Bon Friedrich Noll. '.־liU :׳LCvl'tC vtul'dMlu!:. F-orlsctzung?׳ B i c 1־ r c 0 Ä a p 11 c 1. Die wenigen Tage, die Frau Vewinsli für ihren Ansenthalt in')e noch bestimmt hatte, verstrichen rasch: der Tag der Abreise, die in der Mittagsstunde stattfinden sollte, war gekommen. Es war früh am Morgen eines heitern, sonnigen TageS als Ignaz Vewinsli, der die wenigen Stunden bis znr Abreise wo möglich in Gesellschaft seines Freundes Herzkow verbringen wollte, aus dein. Hotel trat, um sich in Herzkow'S Wohnung zu begeben, als er diesen um die Straßenecke biegen und ans sich znschreiten sah. Beit ansgcstrccklcr Hand eilte er ihm entgegen. .,Le* dennx (!sprits s<־ rciicoiUmit!" Herzkow drückte Vcwinski'S Hand mit Wärme. ״Ich erwähnte gestern Abend in (Gegenwart der Frau Gräfin Ihrer bevorstehenden Abreise und war dieselbe so freundlich, meinen Zögling anfzufordern, den Vormittag in ihrer Gesellschaft zu verbringen, um mir noch ein ungestörtes Zusammensein mit Ihnen zn ermöglichen." ..Das ist in der That eine außerordentliche Bebens- Würdigkeit der Gräfin, für die ich mich ihr unendlich verpflichtet fühle." ״Ich habe ihr bereits in unser beider Namen herzlich gedawkt. Aber nun kommen Sie, Ignaz Abramowitsch, lassen Sic uns die wenigen Stunden nützen, ich möchte nach so Manches mit Ihnen bcsprechen." Er nahm den Arm des jüngeren Freundes, und beide schritten in traulicher Unterhaltung ihrem Lieblingsspaziergange, dem Meeresslrande zn. Lic hatten ihn bald erreicht, den schönen, weißen Strand, und nnwillkürlich wandte sich Vewinski's Vlick dem leicht bc׳ wcgten Meere zn, das im Hellen Glanz der Morgensonne glitzerte, dessen rauschende Wellen schäumend an der Hellen Erde sich brachen. ״Wie schön, wie wunderbar schön — Lttmdcn, Tage könnte man hier verträumen ohne wirtlichen Gedanken, ohne —" So kommen Sie fort von hier", sie! Herzkow ■ nnmnthig ein, ״die Zeit ist nicht da, um sic zu verträumen, und wie ich bereits vorhin ermähnt, ich möchte Wichtiges mit Ihnen besprechen." ״lassen Sie uns hier bleiben", cntgegnctc BwinSki lächelnd, ״wenn Sie sprechen, träume ich nicht, und hier ist die Vuft frischer, man athmet leichter, freier." ״Frei - murmelte Herzkow und cS lag eine unsägliche Bitterkeit in seinem Ton, und schweigend schritten sie einige Minuten neben einander her. Auch ans Bwinsti'S Angesicht war das kacheln geschwunden; mit einer gewissen ehrfurchtsvollen Scheu blickte er auf seinen Begleiter, ohne cs zu wagen, das ihm bereits peinlich werdende Schweigen zu brechen. — Endlich begann Herzkow ivieder. ״Ignaz Abramowitsch", sprach er und es lag tiefer Ernst, eine gewisse Feierlichkeit in dieser Anrede, ״erinnern Lic sich unserer Unterrednng in der Kohn'schcn Ncstanralion'?"