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Jeschurun · 1885-01-08 · Heft 2 (8.1.1885) · p. 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 2 (8.1.1885)
Article
Deutschland : Leipzig [Nachricht]
Date
1885-01-08
Page
28 (sequence 2)
Language
German
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28 trockener Zahlen handelt, lind es ist doch genugsam j erwiesen, dost dos jüdische Kontingent zu der Vcw! bi־c*1)cvfiatiftit mindestens kein verhältnistmästig großes ist.! O c st e r r c t ch > 1111 g a r u. |;;||• Pest, Ende Dezember. Die TiszaSszlarer! Angeklagten mnstlen bekanntlich, nochdein ihre glänzende! Freisprechung von der snrchtdorcn Belastung erfolgt j war, um ihrer persönlichen Sicherheit willen, Ver-; drechcrn gleich ihren bisherigen Wohnsitz verlassen, um sich eine neue Hcimath zu suchen, wo mildere Sitten herrschen und der betreßte und;erlumpie Pöbel minder steiis vor den! Aussprüche des (Gerichts ״Achtung Hot, so dost ein unschuldiger, friedlicher Mensch, selbst wenn er ein Jude iväre, -ruhig und ungestört leben kann. Joses Schorf, der unglückliche Vater des belhörten und verführten entarte en Sohnes Moriz, des falschen Blutzeugen gegen den leiblichen Vater, durfte cs sogar nicht wogen, hier in der gebildeten Hauptstadt zu weilen. Sein kurzer Aufenthalt gab den Anlost zum Ausbruch jener Exzesse, bei welchen die Polizeileitnng sich, wie allgemein bekannt, so großartig bewährte, dost der oberste CSljcf bald darauf in den wohlverdienten Ruhestand trat. Scharf mußte sich mit den Seinigen ins Ausland begeben und fand endlich in dein Lande, dost von jeher als ein Asyl der von religiösem Fanatismus Bertriebenen galt, dem freisinnigen und freien Holland, ein neues Heim. So ärmlich und bescheiden dasselbe auch immerhin sein mag. Schars fühlt sich dort zufrieden. Er betreibt sein Hondiverk in gewohnter Emsigkeil. Familienangelegenheiten führten Josef Scharf kürzlich wieder zur alten Heimath, nach Hajdn-Bamat. So groß ist aber noch immer die leider keineswegs unbegründete Furcht vor dem ungarischen Antiscmitismus, gegen welchen Schorf sich auch in der That austcrordentlich versündigte, weil er ihn um das Schauspiel von einem halben Dutzend am Galgen hängenden jüdi׳ scheu Kannibalen betrogen hatte, dost man es für gerathen hielt, die Ankunft des armen jüdischen Schusters und ehemaligen Synagogcudieners in einem elenden Dorfe auf ungarischem Boden mit dein strengsten und peinlich gewahrten Geheimnis; zu umgeben. Dieses kann nunmehr gelüftet werden, weil Josef Scharf bereits wieder nach Amsterdam zurückgekehrt ist. Es wird erzählt, daß Moriz Schorf jetzt in einer Diamantschleife'rci, deren cs ja in Amsterdam sehr bedeutende, und zwar als eine Spezialität der dortigen jüdischen Bevölkerung, geben soll, als Lehrling arbeitet und ein cigenthütnliches verschlossenes Wesen bethätigt. Wer kann in dieses Knaben Seele lesen? Ist es Rene, Schani, Furch! oder ein anderes Gefühl, welches dieselbe beherrscht? — Scharf soll seinen Verwandten mitgeiheiit haben, daß er mit seinem Sohne nur [cltcit znsammenkommc, weil er cs für besser halte, dast Moriz in der neuen Umgebung nicht allzuoft an die furchtbare Zeit erinnert werde, in welcher er zun! falschen Zeng'.tist wider Vater und Glaubensgenossen verleitet worden. — Die geh c > m 1! i st 01 ט i c Reise Joses Schorfs ist jedenfalls auch ein besonderes Lymptont für den h ier ländischen Antijentitismns. England. A Lvttdon, l. Januar. Eine abenteuerliche Idee ist auf die Tagesordnung der öfscutlichcn Besprechutig gesetzt worden. Ehrwürden Zaines Davis, ein hochangesehcner Pastor, hat es sich in den Kopf gesetzt, endlich das Bekchrnngswerk an der gesammten Jndenheit zu vollenden und die seit fast zwei Jahrtausenden noch immer ungläubigen Inden in den Schoost der Kirche zu führen. Dieses Wunderwerk glaubt er durch eine große christlich jüdische Synode zu erreichen, welche denutächsl ans je fünfnnddreistig Rabbinern und Pastoren bestehend, znsammcntrctcn soll. Auf derselben sollen die Inden ihres Jrnhnms überführt itnd zur Anerkennung der spezifisch christlichen Dogmen gebracht iverden. Ernste und gründliche Nachweise ans den Büchern des Alten Testantcnts sollen den fünfnnddreistig Rabbinern die Angen öffnen, und mit dieser Erlenchtnng der Rabbiner wäre das Eis um das starre Herz der gesammten Judenheit gebrochen. Der ehrwürdige Herr meint cs mit seinem Plane ganz ernst und er ist von dem Ersolge durchaus überzeugt. Seine einzige Sorge ist nur, die fünfunddreistig anerkannten und maßgebenden Üiabbiuev für den frommen Zweck;u finden. Da ihm weiter nichts mangelt, so ist die Sache schon so gut wie durchgeführt und für den Ehicf-Rabbi von G.rostbrittanien ein Bischofsstuhl der Hochkirche in Bereitschaft gestellt. — Der zn Bedenken An last gebende Gesundheitszustand Sir Moses M o n t e f i o re' s hat sich (Gottlob etwas gebessert. Er ist aber sehr schwach und bedarf der sorgsamsten Schonung und Pflege. Gott verlängere die Tage des Edlen! N u s; l a u d. X. Von vcv russischen (Hrerr,ze. Wie man der ״Pol. Korrcsp." meldet, drängen die Gouverneure der russischen Grenzprovinzcn, namentlich in Podolien. ׳ und Bolhynien, im Sinne eines veralteten UkaS des; Ezars Nikolaus, auf Entfernung fremdländischer Inden! aus dem Rayon bis zu 50 Werst von der Grenze.; In Radziwilow wurden österreichische Inden, die sich j im Besitze vorschriftsmäßiger Reisepässe bcsandcn, auf- , gefordert, sich protokollarisch zum Verlassen ihres Wohn-! sitzcs zu verpflichten.! ״ Ans Simlanb, 1. Januar. Nicht nur den! wenigen Juden, welche auf dem platten Lande des

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