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Jeschurun · 1885-01-08 · Heft 2 (8.1.1885) · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 2 (8.1.1885)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1885-01-08
Page
27 (sequence 2)
Language
German
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daß das Resultat derselben dem Deutsch-israelitischen Gemcindcbuud zur Zeit zugcsandt werde." Wahrlich das verlohnte auch der Mühe, von allen Enden Deutsche landS zusammenzukommen. III Wnrzbnrg, 1. Januar. In der gestern Vormittag im Sitzungssaale des Stadtmagistrats stattgehabten Wahl der israelitischen KultnSverivallnng wurden folgende Herren gewählt: Mayer R o s e n h e i m zum ersten, Adolf Müller znm zweiten und Meyer Oppenheimer zum dritten Vorstand. Die Wahlbet Heiligung war eine sehr geringe, indem von 280 Stimmberechtigten nur 120 an der Urne erschienen waren. Ein magistratischer Kommissär leitete die Wahl. Bon Bedeutung für. das religiöse Leben der Gemeinde ist die Wahl nicht. 1). Breslau, 2. Januar. Die folgende auSzüglichc Mitthcilung der ״Breslauer Zeitung" dürste für Ihren Leserkreis von Interesse sein. Spricht sich doch in der Rede unseres Herren Oberbürgermeisters ein so frischer, gesunder, vorurtheilsfrcicr Geist aus, daß man nur wünschen kann, ein solcher käme überall zur Geltung. Die ״Breslauer Zeitung" schreibt: ״In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten fand die feierliche Einsühruug und Verpflichtung der wieder- und neugewählten Mitglieder statt. Die anwesenden Vertreter des Magistrats, sowie die Mitglieder der Versammlung waren in Amtstracht erschienen. Der Zuschauerranm war dicht gefüllt. Nachdem die zu Verpflichtenden vom Vorsteher der Versammlung aufgerufen waren, hielt Herr Oberbürgermeister FriedcnSburg eine längere Anspräche, welche auf die Versammlung einen großen Eindruck machte und mehrfach von BeifattSbczeugungcn unterbrochen wurde. Der Ober - Bürgermeister sagte u. 21.: ״Meine Herren! Die Verwaltung eines großen Gemeinwesens, wie es Breslau ist, muß vor allen Dingen eine unparteiische sein, daS ist ein Recht, welches die Bürgerschaft zu fordern hat, und etwas, was wir thun müssen, wenn die Stadt gedeihen soll. Eine parteiische Verwaltung, wäre sie auch noch so ansgczeichnet, würde keinen Erfolg haben, würde scheitern an dem Mißtrauen der Bürgerschaft. Wenn aber unsere Mitbürger wissen, daß hier und im RathhauS die Interessen Atter gleichmäßig gepflegt werden, daß hier keine Vetterschaften und Machenschaften gelten, daß die Interessen nicht geschieden werden, je nachdem der eine Jude oder Christ, reich oder arm ist, dieser oder jener politischen Meinung angehört, dann werden unsere Mitbürgcr Vertrauen zu unseren Beschlüssen und Entscheidungen haben, auch in dem Fall, wenn dem Einen oder dem Anderen diese Entscheidung nicht genehm ist und seinen Wünschen nicht entspricht. Ich habe schon früher einmal Gelegenheit gehabt, hervorzuhebc^ wie gut es ist, daß sowohl im Magistrat als in der Stadtverordnetenversaiumlttng Männer nicht btos der verschiedensten Berufsklassen sitzen, sondern auch Männer der verschiedensten religiösen Bekenntnisse und der verschiedensten politischen Anschauungen. Denn diese Zusammeusetzuug giebt der Bürgerschaft eine Gewähr für die Unparteilichkeit unserer Entscheidungen. Aber, meine Herren, diese Herren sitzen hier im Magistrate nicht, weil sic einer bestimmten politischen Partei, einer bestimmten religiösen Genossenschaft angehören, sondern weil sic, unbeschadet ihrer Anschauungen, für fähig gehalten sind, die Geschäfte der Stadt zu führen." .0 Posen, 31. Dezember. Der interimistische Ober-Bürgermeister Stadtrath Eduard Kaatz ist von der Regierung provisorisch bestätigt worden. Wie der ״Post" mitgetheilt wird, ist Herr Kaatz sowohl als der Vorsitzende des Stadtverordneten-Kollegiums, Herr Jasfe, jüdischer Religion. -11־ Ans -er Landdrvstei Stade, Ende Dezember. In Betreff des gegen die Vorsteher der Synagogcngemcindc Geestemünde ergangenen Strafbcfehls wegen Störung der Sonntagsruhe durch Vornähme einer Beerdigung während des Gottesdienstes (siehe Nr. 44 des vorigen Jahrgangs) ist jetzt Seitens des Gerichts kostenlose Freisprechung erfolgt. Die von Ihnen geltend gemachte Jntcrp-relirung der ״Hannoverscheu Sabbathorduuug" vom Jahre 182! ist auch von dein Gerichte adoptirt worden. .m. Leipzig, 2. Januar. Sie öffnen die Spalten Ihrer geschätzten Zeitschrift, wie ich zu erfahren wiederholt Gelegenheit hatte, gern jedem Beitrage, welcher für das Iudeuthum und die Inden von Interesse sein kann. Ich erlaube mir deshalb, von Zeit zu Zeit Ihrem Leserkreise Kunde zu geben von den Wahrnehmungen, welche sich mir bei der Beschäftigung mit den Erzeugnissen der Wissenschaft in dieser Beziehung ausdrängen. Ich habe es öfters beobachtet, wie in streng wissenschaftlichen Werken der vorurtheilsvollc Sinn des Verfassers die nüchterne Forschung beein trächtig!, und ich glaube mich nicht in der Meinung zu irren, daß dieser unbewußte Judenhaß in der Gelehrteurepublik nicht ein Geringes dazu beiträgt, das Borurthcil im Volke zu nähren und die weniger gebildeten Klassen desselben zum Haß und zur Verachtung ihrer jüdischen Mitbürger aufzureizeu. Freilich dringt dieses in der gelehrten Littcratur angesammelte Gift nicht unmittelbar in das Blut des Volks, aber eS wird auf tausendfältige Weise dorthin geführt. — So spricht z. B. der gelehrte Alexander von Oettingen in seiner ״Moralstatistik" von den Juden nicht anders als von einer Gaunerbande Nun sollte cS doch eigentlich kein Gebiet geben, wo weniger Vor- Eingenommenheit zur Geltung kommen könnte, als die Statistik, bei welcher cs sich um die unerbittliche Logik

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