Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1885-01-01
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufregung. die hier herrscht anläßlich der Wahl des Herrn 1)1׳. Stic in in das ans sieben Mitgliedern bc- 1 stehende Konsistorium, dessen Vorsitz der Herr Baron (Gustave de Rothschild fuhrt und das die jüdischen Kultnsangelegenheiten in der Hauptstadt der Republik! mit einer unumschränkten Gewalt leitet, von der man in den jüdischen Gemeindeverwaltungen monarchischer Länder kaum eine Ahnung hat. Wir wußten, daß Herr Dr. Klein allgemein beliebt und geachtet ist, und doch erscheint sein mit ansehnlicher Majorität errungener Wahlsieg säst wie ein Wunder, wenn man bedenkt, daß seine Kandidatur nur einige Tage vor dem Wahlterminc präsentirt wurde und daß Hunderte seiner engeren Freunde und Gesinnungsgenossen cs verabsäumt halten, sich in die Wahllisten eintragen zu lassen. Man lnüpst an diese Wahl um so größere Hoffnungen ans eine neue Acra des französischen Indenthums, als die übrigen Mitglieder des Kollegiums bereits bewiesen haben, daß sie einen Stolz darin suchen, gerechter und auf Wunsch dcS Kultusministers gegen den Beschluß der Kommission den Posten von 22 000 Fr. bewilligt und nur die kOOoo Fr. Stipcndiengeldcr gestrichen in derselben Weise, wie sie dies auch für die protestantischeu Seminare dekretirte. Uns gefällt übrigens, abgesehen von jeder Politik, der Name ״Rabbinisch.׳ Schule" auch besser als Rabbincrseminar, schon deshalb, weil die Absölvirung der rabbinischen Schule von jedem Israeliten auznstreben ist, während nicht jeder in einer ,,Pflanzstätte" ein Rabbiner, namentlich nach moderner Auffassung, zu werden braucht. Unser Lehrer Moscheh hat das auch gemeint, als er gesagt: ומי תן בל עם ד׳ נביאים\ denn er fügt hinzu: כי ייתן ד׳ 4 את רוחו עליהם. B. Moses 1,29 ו. — Die Akademie Fram-aise hat sich bei ihrer letzten Wahl durch den ׳Namen über die Sache nicht täuschen lassen. Sie hat, ihrer bisherigen Gewohnheit gemäß, die Kandidatur des Mitgliedes des Oonsistoire Israeüte central Manuel, des Generalinspektors des Untcrrichtswescns, politischer den Gesetzeslrencn gegenüber zu verfahren, als dies in anderen Ländern geschehen, in welchen man die Anhänger des traditionellen Indenthums durch Verweigerung ihrer Altsprüche zur Trennung und Konstitnirnng eines besonderen ÄcmeindcwcscnS gedrängt hat. ' Atlch in Frankreich würde, selbst wenn das Projekt der Trennung von Staat und KnltnS sich nicht so bald rcalisirt, eine Vergewaltigung der Minorität letzterer sofort den Ausweg der Separation nahe legen, zu welcher man indessen schwerlich schreiten wird, wenn ähnliche Ereignisse, wie die Wahl des Herrn Di׳. Klein, sich wiederholen. — Das Zcntralkonsistorinm von Frankreich mit Herrn Isidore und Herrn Alphonsc de Rothschild an der Spitze, sowie Herr Zadoe Kahn, suchten dem Kultusministerium und der Kammer in einer Eingabe begreiflich zu machen, daß der Name ״Deminar", den die rabbinischc Schule bei ihrer Verlegung von Metz nach Paris vor 2h Jahren angenommen, wohl mit Unrecht dazli bcigetragen, daß die Budgetkommission die ganze Summe von 32 000 Fr. zur Er- Haltung dieser rabbinischen Schule gestrichen (rquVn proposaut eetle mcsure la Commission ait ete ogaree par le mira^e du 1110t scminaire, qui lui a l’ait contVmdre, bien a tort cot etablissement, avee dos instiutions d’uue nat.ure toute differente/‘ Der israelitische Kultus hat nicht, wie cs weiter in der Eingabe heißt, wie die übrigen Kulte, Fakultäten, die den religiösen Unterricht verbreiten, Diplome erthcilcn und die jungen Leute zum Amte eines Geistlichen heranbilden. Es wären also, wenn das Fortbestehen dieses Rabbinerseminars, das allein derartige Diplome erthcilt, gefährdet würde, die jungen Leute gezwungen, ihre Ausbildung im Auslände zn suchen. Die Kammer hat in ihrer Sitzung am 11. Dezember! verworfen, und Lndovie Halcoh, den Neffen des als! Jude gestorbenen Komponisten Halcvh, gewühlt, der,! wie behauptet wird, Sohn einer katholischen Mutter ' ist. Die Akademie braucht keinen Inden unter die i vierzig Unsterblichen zn wählen, denn ביל ישראל יש להם הלק לעולם הבא ן alle Inden sind eben durch ihr I Indent hum unsterblich. j .. ־! Nihilismus und Iudeuiljum.! Bon Friedrich Rott. (JUu• :Hctfrtc oovbclmltcii. «,Fortsetzung.'! ״Warten Sie!" schrie sie plötzlich aus, ..ich habe eine Idee, eine göttliche Eingebung! — Liebste Frau Lewinski, ich nehme Ihr Anerbieten, mit Mama zu sprechen, mit innigem Dank an. Nur ersuche ich Sic, thun Sie es erst morgen, das heißt, erst, wenn ich Sic nochmals darum ersucht habe." ״Wie Sie wünschen, Kind, in dieser Beziehung stehe ich ganz zn Ihrer Disposition." ״Innigen, herzinnigen Dank!" Sic drückte Frau Lcwinski's Hände an ihre Lippen, umarmte Tolza und eilte hinaus, so hastig wie sie gekommen war. ״Armes Mädchen!" sagte Tolza, ihr nachblickend, im Tone innigsten Mitgefühls, ״sie liebt ihren AlfonS so aufrichtig, sic ist in Wirklichkeit sehr zn bedauern." ״Das ist sic," stimmte die Mutter bei, ״aber sic hat ein solch exaltirteS Wesen —" ״Du wist dennoch Frau Reitzenstein zn überreden suchen; cs ist doch in Wirklichkeit, selbst vom Stand- Punkt dieser Leute, ein schreiendes Unrecht, das ihr widerfährt —"