Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1885-01-01
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Schweigen der anderen schwäch! die Donnerstimme dcS ehrlichen, unerschrockenen ״Jcschurnn." *SP. Aus Ungarn, 10. Dezember. Zwei Verbitte, wie sie selbst in den Anna!-?׳.; der Geschworenengcrichte vereinzelt daftehcn, wurden diese Woche von den Bndapcstcr Geschworenen gefällt. Ein antisemitischer Bvlksschnllchrcr, der den heftigen, lügenhaften Ausfällen gegen einen jüdischen Kaufmann in einem antisemitischen Blatte noch die Reklame anfngtc, daß seine Gattin ans ״christlicher Nächstenliebe" einen Bertaufsladen eröffnet, wurde von den Geschworenen, von denen die jüdischen vom Berthcidigcr Jstoczy zurückgcwicscn wurden, cinstiinmig frcigesprochcn. Güza Moskovich, der gegen die destialifche Behandlung seines Baters seitens des Rosenaner Vize Bezirksrichters eine offene Erklärung erließ, unter Anführung konkreter Fälle, ״daß er nach den Lorbercu Banss geize", wurde von den Geschworenen — unter denen sich auch der antisemitische Abgeordnete Gcza Nücz befand — trotzdem daß viele beeidete christliche Zeugen diesen Vi^e Bezirksrichter geradezu ein wildes Thier nannten und erhärtete, daß derselbe sich die gröbsten Brutalitäten und Verstöße zu Schulden kommen ließ und sich auch geäußert habe, ״er werde aus des Moskovich'schcn Sache eine Tisza-Eszlarer Assairc machen, und ferner, daß sogar die Advokaten nur in Begleitung zweier Zeugen zu ihm gingen — cinftimmig verurtheilt. Es wurde sogar auch eine Petition der ׳Rosenaner Advokaten verlesen, in welcher um Enthebung dieses Richters — dem Unglücke des Rosenaner Bezirks — beim Justizminister nngefncht wird, was auch den Bcrtheidigcr zu der Bemerkung vcranlaßtc, daß Kläger deshalb gegen diese Advokaten nicht klage, weil er Ehesten gegenüber keine Aussicht auf Erfolg, wie bei Juden, habe. Traurig, aber wahr! Durch diese Bcrdiktc ist erst recht das jüngste geflügelte Miuisterwort, ״daß kein anständiger Mensch zu den Geschworenengerichte gehe", bestätigt worden, Nur leider, daß wir Juden darunter leiden׳ - Als ziemlich sicher kann ich berichten, daß man an einflußreicher Stelle bereits an einen Nachfolger des Herrn Reich im Präsidium der Durchführungskonnnission denkt, und zwar wird ein sehr geachteter Mann genannt, der sich der allseitigsten Sympalien erfreut. P. Aus Ungarn, im Dezember. Wunderliche Leute diese Antisemiten! Auch ein Gras, so er Antisemit ist, schreckt vor einer Entstellung der Thalfachen und krassem Widerspruche nicht zurück. Graf Paul Fe st et ich, der seinerzeit in Keeskenn'n gegen einen antisemitischen Kandidaten und in der Budapester Theresienstadt als Kandidat der liberalen Partei ansgetreten, erließ damals eine feierliche Erklärung, in welcher er sich als offenen Gegner des Antisemitismus bekannte und denselben entschieden verdammte, in der Absicht, hierdurch die israelitischen Wähler der Thcresicnstad: für sich zu gewinnen. Er siel aber trotzdcin durch, wie auch sein nuninehrigcr Gesinnungsgenosse, der Antisemit Kar! Hu dal, der in der in Nyireghhaza jüngst starrgcsuudcnen Stichwahl dem Kandidaten der liberalen Partei, Gabriel Pechy, unterlag. Dieser vrinzipientrene Gras warb nämlich im Vereine mit den daselbst erschienenen Antisemiten-Häuptlingen in Nyiregyhaza für den autiseniitifchen Kandidaten und spendete sogar 30!0׳ fl. für AgitaüonSzwcckc. Ein wahres Karaktcrbild der Antiscmilcn, die den Mantel nach dem Winde drehen, der sic in das gelobte Land dcS Abgeordnetenhauses führen kann. Schließlich sei noch erwähnt, daß dieser chrcnwerthc Gras ob dieses seines Vorgehens ans dem Thcrcsienstädtcr Kasino anSgcstoßcn wurde. — Roch ein weit seltsamerer Fall in der letzten ׳Wahlkampagne zu Nhiregyhaza. Der famose Anatom im TiSza ESzlarcr Prozesse, Dr. Samuel Traytler, der durch seinen vor Unwissenheit strotzendem und gefälschten Leichenbefund die Grundlage für diesen Prozeß lieferte, hat seit eben dieser Asfairc seinen Antisemiten- Brüdern Valet gesagt, und agitirt jetzt sogar gegen den antisemitischen Kandidaten, so daß ihm mit zu verdanken ist, daß sich Nyireghhaza, der Schauplatz jener tragischen Tisza-Eszlarer Assairc, in so würdiger Weise rchabilitirtc. In dem zu Ehren dcS gewählten liberalen Abgeordneten gegebenen Bankette toastirte I)r. Traytler mit Folgcudcm: ״Mau nennt uns Schächterpartci! Ich gehöre lieber einer Schüchterpartc: an, als dem Lager solcher, die die Fahne der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, um die unsere Ahnen geblutet, in dcu Koth zerren, die nach dem Leben und Vermögen einer im Laude (ebenden Koufcssiou trachten." — Herr Franz v. -Korniß, Vorsitzender bei den TiSza- Eszlarcr Prozesse, zieht sich in den Ruhestand zurück. -- Herr M. gvenbinger, Vorsteher der autonomen orthodoxen Gemeinde zu Budapest, veröffentlicht eine Erklärung, in welcher er die Meldung einiger Blätter daß er in Sachen der ObcrhauS-Rcform zu Gunsten der Orthodoxie Schritte gcthan, demcntirt, da — wie er zum Schlüsse bemerkt —, zu solch' hochwichtigen Schritten nur eine orthodoxe Landes-Versammlung kompetent wäre. Herr!Reich dürfte von dieser Ertlärung nicht sehr erbaut sein, da besonders der Schlußpassus gegen dcu Herrn Präsidenten der DnrchführungSkommissiou gerichtet zu sein scheint, .der eigenmächtig — seine Für und Vorsorge für die ungarische Orthodoxie doknmcntiren wollend Schritte unternahm, für die er erst die Ermächtigung einer Landes - Ver׳ sammlung eiuholen müßte. Frankreich. %* Paris, 20. Dezember. Sie machen sich auswärts vielleicht keine Vorstellung von der freudigen