Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1885-01-01
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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wie die ernsten kamen auch die heiteren Stucke: #01^)׳t sei Dank, der Tisch ist gedeckt" und Szenen ans dem ״Sommcrnachtstraum", durch deren ׳Wahl das in die Schule nicht hineingehörige Hauptthema aller Lustspiele glücklich vermieden war, zur Darstellung. Die letzteren waren sorgfältig von Herrn Schmidt bearbeitet und znsanuncngestcllt. Die sechs ״Rüpel", deren Auftreten in besonderen Aufzügen ein ganz getrenntes Stück im Stücke bildete, wurden von einigen Sekundanern und Primanern mit köstlichem Humor und großer Verve gegeben. Auch die Gcsangsvorträge, ein mehrfach bcsctztes Terzett, ein von einer Sclcktancrin gesungenes Lied, Soli und Chöre znm Sommcrnachtstraum verdienen rühmende Anerkennung. Endlich haben wir noch der von einer ganzen Klaffe sehr exakt ausgeführtcn Kindersinfonic von Nombcrg zu gedenken. Angenehm muthetc cs an. daß, während die äußere Ansstattung in jeder Beziehung eine sorgfältige und reiche war, auf dem Programme kein einziger Name der bei den draniatischen und musikalischen Aufführungen Mitwirkenden genannt war. Es war eine überaus schöne Feier, zu deren so herrlichem Gelingen alle anwesenden Freunde der Schule sich beglückwünschten und denjenigcn hcrzlichst dankten, welche sich um das Zustandekommen derselben verdient gemacht. 1. Von der (Slbc, im Dezember. Wenn die nachstehende durch die Zeitungen gehende Miltheilung auf einem Faktum beruhen sollte, so würde sic einen neuen Beweis liefern, wie vorsichtig man in Bezeichnung der die Lebenszeit überdauernden Willensäußerungen sein soll. Haben wir doch gerade in Bezug auf Stiftungen für jüdisch-religiöse Zwecke in Deutschland einige eklatantc Beispiele aufzuwcisen, in welchen gerade das Gcgcntheit van dem erreicht wird, was der Stifter eigentlich gewollt hat. — Das Histörchen lautet also: In der Gemeinde N. bei Ha in bürg testirtc vor längerer Zeit ein Mitglied der jüdischen Gemeinde ein Legat für Bräute aus seiner Familie mit der Bemerkung, daß das Benefiz nur ״religiös״ lebenden Bräuten zugewendet werden solle. Eine vom Testator abstammeude und dem Buchstaben nach nächstbcrcchtigte Dame hatte sich, bevor sie Braut wurde, taufen lassen und war zur katholischen Kirche übergctreten, erhob aber trotzucm Anspruch auf das bcrcgtc Legat. Sic wurde von dem Kuratorium der Stiftung abgewiesen, strengte aber eine gerichtliche Klage an, verfolgte dieselbe durch alle Instanzen und siegte in der letzten, ״nachdem sie den Nachweis geliefert hatte, daß sic regclutäßig die Kirche besuche." ~ Kiljittgctt, im Dezember. Es hat sich hier unter dem Namen ״Thorath-Emcth-Bcrcin" ein Verein gebildet, welcher den Zweck hat, den Geist des traditionellen Iudenlhums zu pflegen und zu verbreiten. Zur Erreichung dieses Zieles wird in dem Vcreinslokalc ein geeigneter Unterricht im Pentateuch mit Kommentar u. s. w. veranstaltet, ferner werden rcligiös-wisseuschastlichc Vorträge gehalten und entsprechende Zeitschriften im Vercinslokale aufgelegt. Wir wünschen dem Vereine eine gedeihliche Entwickelung, und hoffen, daß derselbe dazu beitragen möge, die alte Liebe und Begeisterung für das väterliche Heiligthum in unserer Milte zu wecken und zu pflegen. Holland. ׳Ans Holland, 25. Dezember. Herr X. hat in ,seiner Amsterdamer Korrespondenz in Nr. 5l auf einen früheren Artikel von mir in diesem geschätzten Blatte, welcher sich mit den Amsterdamer Sch׳.!!verhältnisscn befaßte, zurückgcgriffcn. Ich begrüße den geehrten Unbekannten gern als journalistischen Kollegen, wenn er auch so entschieden sich Dagegen sträubt, und wünsche nur, daß er seine Feder öfters in den Dienst dieser Sache stellen möge. Herr X. hat sich zwar hauptsächlich au die Adresse des ״Israel. ,Nieiiwsbode" gewandt, indessen hat er indirekt auch meine Wenigkcit an ihr journalistisches Ohrläppchen gezaust. Nun, er hat Recht; ich hätte, nachdem ich einmal den wichtigen Gegenstand zur Sprache gebracht, ihn nicht wieder von der Oberfläche verschwinden lassen dürfen, wenigstens nicht so leicht nub nicht für so lange Zeit. Doch zur Sache. Ueber die Bedürsnißfragc dürfte kaum eine Meinungsverschiedenheit herrschen, sicher nicht bei denen,! an die diese Zeilen sich wenden, und das sind Allc, denen die religiöse Zukunft ihrer Kinder am Herzen liegt. — Eine Bemerkung, unseren Verhältnissen entsprechend, sei mir an dieser Stelle gestattet. Unsere religiösen Antipoden dürfen beruhigt sein; wir wollen nicht ihre Kinder dem attcinsctigmachcndcn Heile der Religionslosigkeit entziehen, unser Streben gilt vorzüglich unserer Verpflichtung, uns und unseren Kindern das sinaitische Vermächtniß zu erhalten und zu überliefern, und nur Diejenigen, die dieses Vermächtniß als ihr theuerstes Gut Hochhalten, wünschen diese Auseinandersetznngcn zur Thätigkcit auszurufcn. — Wir haben uns also die Frage vorznlegen: Kann, oder richtiger darf es in der bisherigen Weise so wcitcrgchcn? Darauf antworten uns die Erfahrungen, die wir leider täglich machen, ganz entschieden: Nein! Die Zeiten haben sich eben geändert. Es genügt nicht mehr die Gewöhuung und das Beispiel im Eltcrnhanse allein, auch dann nicht, wenn noch ein mechanischer Unterricht unseres heiligen SchrifttbnmS dazu kommt, unsere Zeit erfordert unabweisbar, den Geist von תורתינו zu erfassen, mit ihm unsere Jugend innig vertrant zu machen und sic so, vereint mit religiöser Erziehung, mit Begeisterung für unseren hohen Beruf zu durch-