Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1885-01-01
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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10 schenkung aller Kinder seitens des WirtheS mit KleidungSstückcn, Schul Utensilien, Spielgerätyen n s. w., und cS herrsche ein solcher Jubel und eine so innige Freude, wie nur immer in den Herzen einer glücklichen Kinderschaar Platz greifen kann. Höher aber noch war sicherlich die Freude in den Herzen des CrMcii und der Lciuigen, die eine solche Wonne s wüsten verstanden. —11. Frankfurt a. '2b. Te.cmbcr. Da ich zu meinem Bedauern a׳.׳.s der ob־״;'. erhaltenen 'Jiiuiuiia־ des ״Ieschurun" ersehe, daü Fhr ständiger ^V.-Korrespondent nicht in der Vage war, Ihnen über die herrliche Ehannckaseier in der israelitischen NeligionSgcsellschaft zu berichten, so glaube ich im Interesse der Leser dco ״Jcschnrun" zu handeln, wenn ich mit einigen Zeilen das Versäumte nachholc. Oie auf der EinladungSkartc sehr bescheiden als mnsikalisch-deklamatorische Unterhaltung" bezeichuete Ausführung bestand in Wirtlichkeit aus einer Reihe vorzüglich zur Darstellung gebrachter Szenen ernsten und heiteren KarakterS, dazwischen Musik- und GesangSvorträge. Da daS Interesse ein so allgemeines war, der Raum der Turn- Halle aber nicht auSrcichte, um sämmtlichen Eltern Platz zu bieten, so hatte man sich entschließen müssen, die Feier auf zwei Abende in der Weise zu verthcilcn, daß für den ersten Abend die Eltern und die nächsten Angehörigen der Mitwirkenden, sowie sämmtliche Glicder der Verwaltung der Gemeinde, und für den zweiten Abend die übrigen Eltern der Schulgemeinde eingcladcn waren Herr Direktor Dr. -Hirsch begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten und bezeichuete die Feier als eine Familien-Ehannckafcicr der Schule. Er wisse sehr wohl die Ansicht derer zu würdigen, die solche Aufsührungcn überhaupt als nicht in die Schule gehörig betrachteten. Er aber beweise thatsüchlich. daß er deren Befürchtungen nicht theile. Die allgemeinen pädagogischen Gesichtspunkte anzudcuten, überlasse er dem Prologe, er aber wolle seinerseits eö aussprechen, einen wie hohen Werth er gerade von dem Standpunkte der religiösen Erziehungsaufgabe der Schule auf eine solche Feier lege. Er nehme übrigens in einer den neuen Räumen entsprechenden Weise nur eine Praxis wieder auf, die schon in dem alten Schul- Hause eine Reihe von Jahren hindurch in kleinerem Umfange geübt worden fei. Er lege großes Gewicht darauf, daß den Schülern und Schülerinnen dereinst die Iugeudcrinnerungcn an diese Räume, in denen sic für ihren Beruf als Inden und Jüdinnen hcrangebildet wurden, auch das Gedächtniß solcher in denselben Räumen verlebter Stunden bringen. Wenn einst die Stimme der Versuchung sic von dem angeblich finsteren, starren, jeder Lebensfreude feindlichen orthodoxen Judenthume abwendig machen wolle, so würden sie mit dem Gedächtniß an solche felbsterlebte Beweise deS Gegentheils dem Versucher mitleidig entgegnen: ״Armer Freund, Du hast gar keine Ahnung von dem Judenthume, welches Du schmähst." Er sei überzeugt, am Ende des Abends würden die Anwesenden seinen Wunsch begreifen und thcilcn, daß doch diese Räume sich weiten und alle nichtjüdischeu und nud nnjüdischm Vcrkenner deS IudenthumS fassen möchten, daß sie, die so viel von der Knltnrfeindlichkeit deS orthodoxen IudenthumS und die so viel von der schweren Vast deS vielen, vielen -Hebräisch für die Mädchen und der drückenden Bürde des Talmud für die Knaben zu sprechen wüßten. Zeugen würden, was für eine Mcnschcnsaat eS sei, die hier auf dem Boden des Talmudjiideuthums hcraiiblühc! Zn dieser Ansprache bildeten die nun folgenden Aufsührnngen den herrlichsten Kommentar. Dieselben wurden, mit Ausnahmen der Rüpelszcnen im SommernachtStranm, von Schülerinnen der oberen Klassen dargestellt. Zuerst traten zwei Schülerinnen, die eine als ernste, die andere als heitere Muse vor dm Vorhang und sprachen einen von dem um die Einübung hochverdienten Lehrer -Herrn Schmidt verfaßten Prolog, der in meisterhafter Ausführung die teilenden allgemeinen Gesichtspunkte darlegte und sodann eine kurze Skizzirung der folgenden Stücke gab. -Hieraus erhob sich der Vorhang, und man besand sich im. Zelte des AutiochuS, mit dem Blicke ans die belagerte Stadt. Die szenische Ausstattung war eine oortrcjsliche. Zur Darstellung kam die erschütternde Schlußszene ans den ״Makkabäern" von Otto Ludwig. Die überzeugungsstarken, todeSmuthigen Söhne, namentlich aber Lea, die Mutter der Söhne, wurden in vorzüglicher Weise gegeben; nicht bloß Vortragsweise, auch daS Spiel war bei ihr ausgezeichnet, und als sie mit dem Hinblicke ans die glorreiche Zukunft ihres Volkes und die ewige Dauer dieses LichtfesteS. den Preis Gottes auf den Lippen, gestorben, und die letzten Klänge der. schönen Nubinstein'schen Musik verhallt waren, wurde סעו? צור יש ועוזי auf dem Flügel in tonnt, begeistert fielen Jung und Alt ein, und durch die prächtige -Halle brauste er laut und jubelnd, der uralte SiegeSsang; was ans der Bühne die Lippen der sterbenden Lea prophetisch verkündet hatten, in dem Jubelsange der ׳in glücklicher Fcstesstimmung vcre'uugtm Zuschauer, der Nachkommen des MalkabäcrvolkeS, fand cS seine Verwirklichung. — ES war ein Weihemoment tiefster Innigkeit und Erhebung. Darauf folgte die Gartenszene aus ״Maria Stuart". Wir gestehen, wir hatten cS etwas kühn gefunden, daß man sich an diese so bekannte und für die Darstellung schwierige Szene gewagt hatte. Um so mehr waren wir von der von ebenso tiefem Vcrständniß wie glücklichem Darstcllungslatent zeugenden, ganz vortrefflichen Wiedergabe der beiden Hauptpersonen überrascht. Ebenso wohlgelnngcn