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Jeschurun · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Article
[Rezension]
Date
1885-01-01
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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M 1. Jcschnrnn. J» KiichttsA«. Das Buch Al-Chazari aus dem Arabischen des Abu l-Hasan, Ichuda Hallewi. übersetzt von Dr. Hartwig vir sch selb, Brcölau, Verlag von Wilhelm Köbner, 1885. Wer wird nicht mit Ehrfurcht die arabisch-althispanisch-jüdische Poetcnschule neunen, nicht mit Stolz das Dreigestirn: Ichuda Hallewi, MaimonideS, Aben Esra, als die Koryphäen, unter welchen die jüdische Gelehrsamkeit in Spanien die höchste Blüthc erreichte, bezeichnen. Wir wollen daher über diese Glanzperioden hinweg zum historisch-wissenschaftlichen Hintergründe des uns vorliegenden Buches selbst schreiten: In der Mitte des achten Jahrhunderts, ungcsähr mit der Entstehung des KaräerthumS, dessen Stifter, Anan, sich gegen die Autorität der babylonischen Akademie auflehnte, fand, der allgemeinen Annahme nach, die Bekehrung der Ehazarcn zum Judenthume statt. Ein König derselben, Namens Bulan, hatte eine Disputation zwischen einem Bekenner der christlichen, der mnhamedänischen und der rabbinisch - traditionellen Religion veranstaltet und sich dann dem Judenthume angeschlossen. Dies der wesentliche Inhalt des Buches. Was seinen wissenschaftlichen Werth anbetrifft, so hat es nicht nur die Kritik der jüdischen Gclehrtenwelt mit Sturm erobert, es hat vielmehr einen Johann Gott׳- fried Herder das Geständnis; abgerungen: ״Mein Borbild in großen Stellen der Gespräche war nicht Plato, sondern das Buch CoSri." Herr Du. Hirschfeld hat nun dieses Buch Kusari unmittelbar auS dem arabischen Urtext in unsere deutsche Sprache übertragen, und war durch die Bentitznng von vier guten Handschriften in den Stand gesetzt, einen korrekten Text der hebräischen Uebersetzung selbst herzustellen. Indent wir dem verdienstvollen Streben des jugendlichen Gelehrten, ״durch eine gefällige Uebersetzung des Kusari in unsere Umgangssprache, demselben über die Kreise unserer Glaubenögenossenschaft hinaus Popularität zu verschaffen" würdige Anerkennung wünschen, heben wir hervor, daß das Buch iu seinem jetzigen Gewände sich vorzüglich für den Religionsunterricht in den höheren Klassen des Gymnasiums eignet. Wir greifen auS der Materialienfülle, Kujari. 2, 48 und 3, 7, 11 heraus, wo Juda Hallewi,-!!ic ״Vernunstgesetzc" auch weltliche oder politische nennt, weil sie den Verkehr der Menschen regeln, und zu dieser Klasse auch die philosophischen Lehrsätze über die Vorsehung rechnet" u. s. w., u. s. w. Welch ergicbiger Lehrstoff für einen Rabbiner, die Primaner und Sekundaner hier gleichzeitig mit den hierher gehörigen Ansichten des Mora, 3, 26, dcS Jlkarnn von Aldo, 3, 25, des Saadia, Enumo 3, 12. u. dgl. m. vertraut zu machen. Sicherlich werden die Schüler sich erwärmen an der Gluth Juda Hallewi'scher GottcSbegeisterung, und Asulai nach'empsinden, wenn j er iu seinem שם הגדולים sagt: "רבינו יהודה הלוי משורר עצום והיה אמר שירותיו נכח פני ה בדבקות גמור." .־נ Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Hannover, 30. Dezember. Von der gestrigen Gemeindeversammlung wurden die Herren Mcycrhof und Kommcrzienrath Molling wiederum in den Vorstand, Ehrlich und Ncuberg in das Ncprüsentantckollcgium gewählt. An Stelle dcS zur resormirten Kirche übcrgetretenen Amtsrichter Di׳. Simon wurde Herr Gottfried Herz selb zum Repräsentanten gewählt. Die Bethciligung an den Wahlen war dieses Mal eine verhältnißmäßig recht rege; säst die Hälfte der stimmberechtigten Gemciudemitgliedcr war erschienen. W.*) Frankfurt a. M., 22. Dezember. Auch iu diesem Jahre hat Herr Selig Gold sch nt i M den Schülern und Schülerinnen der israelitischen Volksschule einen ״vergnügten Ehanucka-Abciid" bereitet. In der weiten Tnrnhalle der Realschule war die lange Tafel für hitndertundfuufzig Kinder gedeckt, die von dem hochherzigen Wirthe mit seiner Gemahlin und seinen Töchtern aufs Liebenswürdigste empfangen wurden. Was soll ich Ihnen von, dem Feste und dessen Einzelheiten berichten? Es war ein ächteö Kinderfest, heiter und fröhlich unter Gesang und Jubel. Wem die rauhen Stürme des Lebens die Stirne gekräuselt, der wäre unter dieser jauchzenden Hinderschaar wieder jung und froh geworden. — Sehr passend erinnerte Herr Direktor Dr. Hi r sch, welcher als Rektor der Volksschule nebst den Lehrern und dem Vorstand der NeligiouSschule als Gäste anwesend war, au das sich in diesem Feste wiederholende Beispiel Abrahams, von welchem die Kinder dcS Vormittags gerade gelernt halten, wie er sein ganzes Haus für die Bewirthung seiner Gäste in Bewegung gesetzt, hatte doch auch der edle Menschen- und Kinderfreund, Herr Goldschnlidt, es sich nicht nehmen lassen, im Verein mit seiner Gattin und seinen Kindern die geladenen Schüler selbst zu bedienen. Nach dem Mahle folgte eine reiche Be- *) Druckfehlerberichtigring in Nr. 50 vorigen Jahrgangs meines Berichts Zeile IN vor! oben statt ״keine" lies ״eine Ehewra-Frau".

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