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Jeschurun · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1885-01-01
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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4 dem über sic hingehenden Nadc dieser auf das Rechtjchasfcne und Sittliche gerichteten Bewegung begraben werden. * Wie Wasser ist Königs Herz in Gottes Hand, lieber wen cS sein Wille ist, neigt Er cs hin. (21. 1.)' Die Entschließungen eines KönigShcrzenS sind von so weitreichenden Folgen, das Wohl oder Weh einer Gesammthcit ist ost in so großem Maße durch sic bcdingt, daß sic wohl Augenmerk des göttlichen WaltenS sein dürfen, daß cS sich nicht ohne göttliche Zulassung oder Fügung entscheide, über wen sich ein königliches Wohl- oder Mißwollen ergieße. Das Gute und das Böse, das von Königs Thronen nusgcht, steht mit seinen letzten Wirkungen im Dienste der höchsten Ziele des großen Wcltenmcistcrs, der, wie unsere Sprüche (2t>, sagen, Alles zum heitern Leben kreißen läßt und Thoren in seinem Dienste hat. und Gesetzübertreter in seinem Dienste hat. Bruder-Neid, Königslaune und Königswohlwollcn wurden die Mittel, die unsere Väter in die ihnen bestimmte LeidenSschnle führten, und Pharaonische Härte ward der Eiseutigcl, in welchem der blanke Stahl des jüdischen GottcswerkzcugS gehärtet wurde. ■3fr Das letzte Kapitel unserer Sprüche enthält in seiner ersten Hälfte Ermahnungen einer Königin-Mutter an ihren Sohn, den jungen König. Sie warnt ihn vor Entncrvnng in Hingebung an Frauenliebe und vor den Wegen der Ucppigkeit, in welchen Könige ihren Beruf auszulöschen pflegen. Sie warnt ihn vor vielem Wcingenuß, der überhaupt nicht für die Glücklichen ist, der aber Königen und Bolkslcitern am allerwenigsten ziemt, die durch ihn die Geistesklarhcit, die (Gesetzeskcnntniß und das richtige Urtheil einbüßen. Sie ermahnt ihn, den hohen Beruf seiner Machtstellung vor Allem für die Unmündigen, Kraftlosen, Armen und Wehrlosen zu begreifen. Ihnen soll er sich als Fürsprechet׳, Anwalt und Rechtsvertreter bewähren. Ihre Worte lauten: Was, mein Sohn! Was, meines SchooßcS Sohn! Was, Sohn meiner Gelübde! Gicb nicht den Frauen deine Kraft, Deine Wege nicht den Verderbnissen der Könige. Nicht den Königen, nicht den Königen ziemt Wein trinken, Leitern nicht Rauschgetränk. Er könnte trinken und, was Gesetz ist, vergessen, Und fälschen daS Recht aller Kinder des Elends. Einem Unglücklichen gicb Ranschgetränk Und betrübten Gemüthern Wein. Der trinke und vergesse sein Elend Und denke so lange seines Unglücks nicht. Du aber öffne für den Muudlosen deinen Mund, Für das ׳Recht aller dein Verschwinden Verfallenen, Ocffne deinen Mund, vertritt das Recht, Den Anspruch des Armen und Wehrlosen. ׳^Fortsetzung folgt.) Der Msmitisniils des WloWm. Es sind nicht alle frei, die ihrer Kette spotten; das Lorurtheil ist oft niächtiger als der nüchtern erwägende Verstand, als die Liebe heischende, Haß vcrpönende Lehre der Religion. Das den Juden gewidmete Borurthcil, welches, ein Erbstück vergangener Jahrhunderte, die vorgeschrittene Bildung, Wissenschaft und Humanität des gegenwärtigen Zeitalters vernnziert, ist auch dort vorhanden, wo man sich der täuschenden Vorstellung hingicbt, ganz unbefangen an die ..Judcnfrage" heranzutrctcn und sich lediglich von den Ergebnissen einer strengen Prüfung nach den Prinzipien des logischen Verstandes oder der göttlichen Neligion leiten zu lassen. In dem vorigen Jahrgange dieser Zeitschrift hatten wir Veranlassung, die Judenfrage nach dem vermeintlich gewissenhaft religiösen Standpunkt der ״Krcuzzcitung" zu betrachten und glauben dargethan zu haben, daß der Antisemitismus unmöglich auf der ihm vindizirtcn christlich-religiösen Basis beruhen könne. Es wurde uns die Genugthuuug zu theil, auch von christlicher Seite die Zustimmung zu unseren Ausführungen zu erlangen, während die ״Kreuzzeitung" denselben nichts Anderes als ein beharrliches Schweigen entgegen zu setzen hatte. Als ein Angebinde zum neuen Jahrgange grüßt uns eine Schrift des bekannten Philosophen des Unbewußten, Eduard von Hartmann, unter dem Titel ..DaS Judenthum in Gegenwart und Zukunft, Leipzig und Berlin. Wilhelm Friedrich, 1865", deren Erscheinen in diesen Blättern (Nr. 49 vorigen Jahrgangs) bereits signalisirt wurde. Es wurde schon damals erwähnt, daß es der jüdischen Presse obliegen dürfte, von derselben eingehendere Kcnntniß zu nehmen und nach deren Studium »bürden »vir in der That glauben, eine Pflicht zu verabsäumen, »volltcn »vir an diese!»» Werke, »velchcm eine der hervorragendsten Stelle in der reichen antisemitischen Littcratur unstreitig gebührt, mit Stilljch»veigen vorübergehen. Wie die Religion den angeblich religiösen AntisemltismnS der ״Kreuzzeitung" negirt und eS nach der von uns cnt»vickelten Darstellung nichts Widersinnigeres giebt, als von einem berechtigten christlichen Antisemit!-- I n»uS zu sprechen, also glauben »vir Len» von Herrn

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