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Jeschurun · 1884-11-20 · Heft 47 (20.11.1884) · p. 748

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 47 (20.11.1884)
Article
Deutschland : Aus Baden [Nachricht]
Date
1884-11-20
Page
748 (sequence 2)
Language
German
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748 [)■.Ute, wie fdioti cni’ätjnt, feinen empfohlen, ■ in der Loebwahl 1!id)t für den Dentschsreisinnigen Dehmidt, sondern für den Antisemiten Stöcker zu! flimmen. Er eviidne, baf; es darauf mi tarne, einen nationalen Abgeordneten in den Reichstag zu bringen, und dieser Aussordenmg entspräche der Berliner '.Hnti׳ fentiteitauoficL Wie groß die Wandlung ist, die man unterhalb der national liberalen Partei mit diesem schrill beerbet hat. Kifu sich vielleicht am besten ersehen, wenn u׳ir ans eine Rede zurückgreisen, die Professor Dr. Al brecht Weber vor drei fahren am!^.Januar IH-sl, in der allgemeinen Bersammlnng der Wahlmänner aus den vier Berliner LandtagswahD!reisen im oberen 2na!e der Reichshallen hielt. Jene Ver-׳ santmlung war bekanntlich von Wahlmännerit aller Partoisehattirnngen besticht, und in ihr wurde, nachdem Birchow, Weber und Engen Richter gesprochen eine Nesolntion einstimmig angenommen, in welcher die von Stöcker inangnirte Indenhebe ans das Schärfste verdammt wurde. Professor Sr. Albrecht Weber begann seinen Portrag mit folgenden Worten: ״Meine Herren! Als Mitglied der nationalliberalen Partei betone ich hier nicht sowohl den liberalen Standpunkt, denn leider giebt es maitchen liberalen, den sein besonderem Imerene zu den Antisemiten führt, freilich auch umgelehrt viele konservative, die ans der richtigen Stelle stehen, als vielmehr den nationalen Standpunkt. Senn ich sehe die Ehre der deutschen Ration in Gefahr, befleckt;1t werden durch die auf Herabwürdigung eines Lheiles derselben gerichteten Bestrebungen, die ich;nbcm als einen schweren Irrt hum, sowie als ein gewattiges Unrecht betrachte." Und Herr Professor Weber schloß mit folgenden Worten: ..Fasse ich mich hu׳; nochmals dahin zusammen: ich betrachte die jetzige Indeiihetze vom rein nationalen Standpunkte atts als ein schweres Verhängnis; für unser Vaterland." Und heute! Die nationalliberale Parteileitung hat keine Worte gesunden, um ihre Anhänger in Berlin von einer direkten Unterstützung der Wahl Slöcker's zurück-;nhalten. (4. Posen, 14. November. Unterm 25. Oftobcv d. I. hat die Königl. Regierung zu Posen in Betreff der Beerdigung der Veichen ohne Sarg, die nach altem jüdischen Ritus geschah, folgende Verfügung erlassen: .,Zur Abstellung des in einzelnen jüdischen Gemeinden noch bestehenden Anforderungen der öffentlichen Gesundheitspslege tticht entsprechenden' Gebrauchs, die Reichen ohne Sarg zu Grabe zu bringen und zwischen lose;nsammengestellten Brettern zu beeidigen, verordnen wir ans Grund der l 1 und 67 des Gesetzes über die Polizeivcrwalmng vom l l. Mär; 1850 für den Umfang unseres Verwaltungsbezirks wie folgt: £ 1. Die Becrdigung von Veichen darf künftig nur in festgeschlossenen Särgen erfolgen. £ 2. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrifleit des £ 1 werden mit Geldstrafen bis zu :b> Mart, oder im Unvermögensfalle mit verhältniß mäßiger Haft bestraft. £ 4. Diese Verordnung tritt mit dem l5. November d. I. in Kraft. -k- Aattowitr, l 4. November. Demnächst sollett hier verschiedene jüdische Rotabcln aus Deutschland, Oesterreich, Englattd :e. zusammen kommen, 11m über die Kolonisation Palästinas zu berathcn. Zu letzterem Zwecke sollen bereits P10 000 Mark vorhanden sein. So bericl)1en die Zeitungen. Ob dem aber wirklich also ist, dürfte doch noch der Bestätigung bedürfen. iAnm. d. Red.: Wir haben diese Nachricht ebenfalls in dem ״Hamburger Korresp." gelesen; bezweifeln aber deren Richtigkeil.) Oeste r r c t dj -Ungar n. f. Wien, 1 2. November. Der Landtagsabgeordnete Schlechter hatte mit einer großen Zahl angesehener Personen, unter ihnen $2 Mitglieder des Gemeinderathes, ein Glückwtmsch'elegramm an Sir Moses Montesiore unterschrieben. Zn einer Versammlung des ״Kleingewerbebnndes" wurde Schlechter deshalb interpellirt, und da er erklärte, er habe hier nur über Landtagsangelegenheiten zu sprechen, am Schlüsse der Bersammlnng gewaltsam am Verlassen des Saales verhindert. Man vertrat ihm den Weg und schrie ihm von allen Seiten zu: ״Interpellation beantwarten! — Psni! — Pereat! — Heraus mit der Wahrheit." Der Abgeordnete kam in die größte Gefahr und erklärte endlich von der Tribüne herab, es sei die Gratulation von einem Klub ansgegangen, dem er übrigens nicht angehöre. Sie habe aber nur dem Menschenfreund und nur dem Menschenfreund (Ruse: Inden!) gegolten. Er habe es ans rein menschlichem Gefühle gcthan. — ״Sie haben Ihre Uebcrzengmtg, lassen Sie mir auch die meinige. Hier haben Sic die Wahrheit, thun Sie mit mir, was Sie wollen, hier stehe ich!" schloß er. — Mechaniker S chn ei d er bernhigte die aufgeregten Gemüther dadurch, daß er sagte, die $2 Gememderäthe, welche mit tmterzeichnct hätten, seien nur unter der ״Vorspiegelung" gewonnen, daß Montesiore den Armen Wiens 20 00() Gulden geschenkt habe. Von dett $2 bedauerten angeblich bereits 70 die gegebene llnterschrist. — So geschehen in Wien am 11. ׳November 1884. — Sapknti sat! (et insipionti). X. Troppau, l 5. November. In dem Troppatter ״Deutschen Verein" hatte sich ein Luftzug bcmcvfbav gemacht, welcher seinen Wiener-Schönerer'schen Ursprung nicht verleugnen konnte. In der jüngsten Sitzung tarn es hierüber zu interessanten Anseinmidersetznngen. Unser wackerer Bürgermeister Herr Dt׳. R o s s y war es, der

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