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Jeschurun · 1884-11-20 · Heft 47 (20.11.1884) · p. 747

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 47 (20.11.1884)
Article
Deutschland : Berlin, 14. November [Nachricht]
Date
1884-11-20
Page
747 (sequence 2)
Language
German
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747 feinem tljatcnvcirfjCH Veben als bei! weihevollsten und faraftcrifivcubftcn verewigen'? R. Frankfurt a. M, November. Die hiesige Reichstagsstichwahl halte;wischen den Zerren Lonnemann und Labor zn entscheiden, welche zufällig beide Inden sind. Wenn die Nationalliberalen, Deutschfreisinnigen und Konservativen sich enttäuscht finden, das; ihre Parteieil bei der Hauptwahl unterlegen sind, fo ist dieses sehr begreiflich. Das; aber der Aerger deutscher Männer sich dahin wendet, das; die Snadt Frankfurt vor die Alternative gestellt war,;wischen zwei Silben wählen zu müssen, das ist denn doch nur begreiflich in der Aera des Antisemitismus. Man knüpft hier in gewissen Kreisen an diese Wahl die Betrachtung, welche von einem angesehenen Blatte an der Spree als das Bedeutungsvollste darüber hiugestellt worden ist: ״Sonnemann die Laat — Labor die Ernte. Mutatis mutandis hat sich ja auch in Berlin dasselbe gezeigt; nur, das; die Träger unserer neuesten Stufe unseres Wendeganges hier Löwe und Singer heißen. Aber Juden finb es hier wie dort, d. h. Leute, die ihren Eintritt in die gesetzgebende Körperschaft lediglich dem Einfluß des Geldes zu verdanken haben und damit den Eintritt derjenigen Epoche im Leben des . Volkes bezeichnen, welche der sozialen Katastrophe numitteldar vorausgeht. Zum guten Glück in dieser lapitalistische Einfluß bei uns!loch nicht so übermächtig, daß der Kamps dagegen hoffnungslos und aussichtslos wäre. Gerade die letzten Wahlen haben gezeigt, daß sich noch andere Kräfte in Deutschland regen. Hier vor allem -liegt ihre Bedeutung. Allein es ist bei alledem die höchste Zeit. Das Jndenlhum vermag mit der Fortschrittspartei nichts mehr auszurichten, es wirft sich nun auf die Ideen der Sozialdemokratie, die in jedem Falle zukunftsreicher sind, und sllcht diese in seinem Sinn auszubeuten. Darin liegt eine Gefahr, die nicht ernst genug genommen '.werden kann." Das ist ja wohl ein Wink mit den! Zauupfahl, welcher den Weg nach Rußland zeigt. Daß die beiden Herren, zwischen welchen die Enscheidung siel,;!im Jndeuthnm nur in sehr loser Beziehung stehen, daß es überhaupt nur zwei Individuen sind, die keineswegs ״die Juden oder das Jndenlhum" rcpräscutiren, das genirt nicht! * Ncustcttir?, 8. November. Die hiesige Straffammer des kgl. Landgerichts Köslin beschäftigte sich heute mit einer Anklage, welche gegen den Kaufmannslehrliug Rot hinan n, jüdischen Glaubens, l4 Jahr alt, gerichtet war und denselben beschuldigt, am 22. August d. I. im Laden seines Prinzipals, des Kaufmanns Abraham Behrend von hier, den nunmehr verstorbenen Schmiedemcister Wincgge, ebenfalls von hier, mit Spiritus begossen und durch unvorsichtiges Wegwerfen eines brennenden Streichholzes die Kleider desselben in Brand gesetzt zu haben, dessen Folgen Wineggc am anderen Tage erlag. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tödtuug eines Menschen. Die ganze traurige Angelegenheit wirbelte betauniiich seiner Zeit viel Staub aus und ließ hier da, hauptsächlich aber hierorts, die Meinung aufkommen, als habe der Angeklagte den Wineggc deshalb in den Tod getrieben, weil derselbe sich geäußert habe, er lverde bei einer nochmaligen Wiederaufnahme des Synagogenprozesses ein für die Juden höchst ungünstiges Zeugnis; ablegeu, und weil Wincgge sich in seiner Todesstunde in gleichem Sinne zu der Leitenden Schwester im hiesigen Diakouisseuhause, v. Wedell, geäußert hat. Die heutige BewciSanf> nähme hat aber für diese Annahme absolut nichts ergeben: es wurde durch selbige vielmehr sestgestettt, daß der Angeklagte ein zu unnützen Streichen geneigter Mensch ist, der int frevlen Uebermuth nicht allein dieses Mal, sondern zum Desteren den gutmüthigeu, dem Trünke ergebenen Wineggc mit Spiritus begossen hat und wahrscheinlich — bewiesen ist das aber nicht.durch ein weggeworfenes, noch brennendes Streichholz, welches dem Wincgge zum Anznuden einer Zigarre schon vorher gedient halte, das bekannte Unglück verursachte. — Entgegender Meinung des ösfeittliehen Anklägers, welcher durch die Verhandlung den Beweis dafür erbracht haben wollte, Rothmann sei mit Vorsatz zu Werke gegangen, verneinte der Gerichtshof diese Frage, schloß sich im klebrigen auch nicht den Ausführungen deo Vertheidigcrs an, welcher für Freisprechnng plaidirte, sondern vernrthciltc den Angeklagten zu einer Gefängnißstrase von k ';2 Jahren; der Staatsanwall hatte eine solche von 2 2/ז Jahren beantragt. um. ׳Ans Bnden, 18. November. Sie haben kürzlich mit vollem Rechte es nachdrücklichst betont, daß wir Inden in der Ausübung unserer politischen Rechte und in der Thcilnahmc an den öfsentlichen Angelegenheiten nicht als Inden, sondern als deutsche Bürger handeln und man von einer Partei des Indenthnms oder einer jüdischen Partei nicht reden könnte. Wenn ich Ihnen die folgende Betrachtung über die Siegener Wahl ans der ״Fftr. Ztg." sende, so glaube ich, das dasselbe als eine Kennzeichnung der Begriffs- Verwirrung, deren sich auch sonst gewiß einsichtige Männer unter dem Hochdruck der antisemitischen Strömung nicht entziehen können, für Ihre Leser von Interesse ist. Ich bin nämlich der Ansicht, daß ein Mann nicht von wahrem Nationalgesühl erfüllt sein kann, der die Saat des Hasses und der Zwietracht innerhalb der Nation ausstrent, und die Deutschen nach ihrer Abslammung und ihrem Bekenntnisse in Bürger erster und zweiter Klasse cintheilen möchte. Der ״Fftr. Ztg." wird also geschrieben: RegierungSraLH Ulrich, der nationallibcrale Reichstagskandidat im Wahlkreise Siegen,

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