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Jeschurun · 1884-11-20 · Heft 47 (20.11.1884) · p. 746

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 47 (20.11.1884)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1884-11-20
Page
746 (sequence 1)
Language
German
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740 tacftoiibciip Hub Niichllchtcil. D euLschtand. Hannover^ ku. November. Wir!piccbeu bei! 1־!cc 1)1־tcn Herren, welche un* über die Montcsiorefei er ausführliche Berichte;usandten. unseren verbindlichsleu Dank auo. Bei der o'iiüe Deo Acateriats ist eo uns aber bedancrlichst nicht möglich, dieselben;1111! Abdruck zu bringen. Der achte Marcheschwan ward säst überall vvn der gesammten Indenheit in der gleichen erhebenden und würdigen Weise wie in der hiesigen Gemeinde durch Gottesdienst und Predigt festlieh degangen. Auch wurde nach den und vorliegenden Berichten in manchen Orten, nur hier, der Tag durch Benheilnn.g von milden Gaben an Bedürftige ausgezeichnet. 0. Berlin,! -l. November. An! Slichwahtabend liehen cs sich die Anhänger des Herrn Stöcker nicht nehmen, ihren Gefühlen noch in später Abendstunde dadurch Vuft;11 schassen, das; sie haufenweise durch die Fricdrichstraße zogen und abwechselnd Hep-step Rufe, .,Deutschland, Deutschland über Alles", sonne ״Juden 'raus" ertönen ließen. Das; sie dabei auch ihres Herrn und Meisters nicht vergaßen und die obligaten Hoch׳ rufe ans Stöcker anstimmlen, läßt sich denken. — Einschreirnugen von Seiten der Polizei gegen diese Störung der öffentlichen Ruhe n!1d Ordnung fanden nicht statt. Berlin, I ü. November. Auch im Kreise der Freimaurer scheint sich der Aiiiisemilismns zu regen. Die Loge ü-oyal Park, die von jeher für höchst liberal galt, schein! nunmehr den Juden verschlossen zu sein. Es hat sich nämlich eine Fronde gebildet, die jeden Enden dnrchsallen läßt. Nun trat aber die Erscheinung auf, daß überhaupt jeder sich zur Aufnahme Meldende durchsiel. Infolge dessen entstand das Gerücht, daß die jüdischen Mitglieder dies als Revanche ausgeführ!, was 11m so eher inöglich sei, da nur fünf schwarze Kngeln dazu gehören. Darum stagnirt äugenblicklich die Loge. Es soll nun das Grundgesetz geändert werden, daß die zum Durchfall nölhigen schwarzen Kugeln derart ve. mehrt werden, so daß sie von der Zahl der jüdischen Mitglieder nicht erreicht werden kann. — So ist in der gestrigen Rümmer der ״BoltszeNnng" zu lesen. Der Borfall an sich nimmt uns nicht Wunder - - doch daß unter solchen Umständen die jüdischen Mitgliedcr der Loge noch ferner angehören, ist mehr denn wunderbar. -a- Berlin,!4. November. Wo die Berleumdnng, wo die Lüge, erzeugt durch den blödesten Haß und die niedrigste Wnrh, das Regiment führen, da ist für die Wahrheit und den logisch bew.isenden Verstand leine Staue. Und nun gar wo der Lüge und der Berlenmdnug ein williges Ohr geliehen wird. Sind alle Juden Fortschrittler und Sozialdemokratcn? Steht der Fortschrittler Löwe in feinem politischen Wirken in! Dienste des Judenthnins׳, arbeitet der Sozialdeniolrat Singer, wenn er für den christlichen Professor und Reichsiagsfandidaten Birchow ein tritt, für die Interessen des Judenthums? Hat die Bezeichnung: R. R. ist. ein fanatischer Ehrist, Ende oder Muselmann eine andere Bedeutung als: R. R. tritt für seine christliche, jüdische oder muselmännische Religion mit Fanatismus ans'- — Ja, wen! soll ich diese Fragen vorlegen, von wen! eine aufrichtig gemeinte, wahrhaftige Antwort verlangen? Bon dem Manne, der von sich rühmt, stets nur die Wahrheit zu reden, der hoch und heilig versichert, daß ans seinem Munde nie ein Wort bewußter Unwahrheit entstanden ist, der Gottesfurcht und deutsche Biederkeit stets ans den Lippen führt?? O gewiß! Herr Hofprcdigcr Stöcker wird der Wahrheit die Ehre geben und redlich und aufrichtig Belehrnng erthcilen! Und so muß ich mich denn auch bescheiden und alle Inden, Deutsche, Preußen und Berliner müssen es glauben, die Juden beherrschen Berlin, Preußen. Deutschland und die gesummte Welt, sie haben sich dazu die Deutschsreisiimigen und jetzt auch die Arbeiter und Sozialdemokraten dienstbar gemacht — denn seht nur den Ludwig Löwe, den Paul Singer, diese fanatischen Juden, wie sie Berlin regieren, so daß der christliche Herr Hofprediger Stöcker gegen den christlichen Herrn Professor Birchow bei der Neichsiagswahl unterliegen mußte! Nässt euch aus, ihr wackeren Deutsche, zu Felde gegen die Inden! — Es wird ja wohl so seine Nichtigkeit haben, denn Herr Stöcker hat es gesagt und — der Mann lügt nicht! — Ja, es ist erstaunlich, was dieser Alles vermag! War cs doch schon eine Leistung ersten Ranges jenes eine Wort, das in den Hallen des deutschen Parlaments von den Lippen eines edlen Ritters ertönte, jenes herrliche, große, berühmte ״Woßn?" — Der Mann der Wissen schüft weiß den Rittcrsmann zu überbieten; er kann sogar ganze Sätze in jenem schönen Dialekte vortragen, den man ״Mauscheln" nennt-, ״der Singer? was für ein großer Mann! Will man doch, wie aus die Fürsten, auch ans ihn machen Attentate!" Es ist sehr zu bedauern, daß man Gesten und Tonfall nicht durch die Schrift sixircn kann. Herr Hofprediger Stöcker, in dem erhabenen Momente, wo er im ״Judendeutsch" zu seinem Auditorium spricht, wäre ein überaus dankbares Motiv für den Pinsel unserer großen Maler. Oder sollte nicht das -deutsche Volt diesem, seinem größten und edelsten Sohne, schon bei Lebzeiten ein Denkmal vor dem Eingänge zur Bockbrauerci, der Stätte seines patriotischen Wirkens, in dankbarer Berehrnng errichte;!, und gerade diesen Augenblick aus

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