Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1884)
- Article
- Betrachtungen über den Religions-Unterricht
- Date
- 1884-11-20
- Page
- 741 (sequence 2)
- Language
- German
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741 so würde der Abfall m\ dem Gesetze nicht so rasch weile Kreise crfafu haben können, (itf gab ja fast in jedem Bändchen und grosseren Bezirke des damaligen ^)teichs durch lalmndischc Gelehrsaiukeit sich anSzeichnende Rabbiner, und dieselben haben sich ja unanzweifelbar bemüh!, den frommen (V׳cift in den Gemeinden zn pflegen und die Kenntniß des Gesetzes zn veibreiten.! Wenn wirklich innerhalb der (i'cn;dnbn; Beides, jener \ gott es furch tige und gcsetzeslrene Sinn und das Studium! der heiligen Schrift und des Talmud, allgemein eifrig! gepflegt und betrieben worden wäre, dann hätte leine l Generation fast unmittelbar barauf erstehen sonnen, die, j leichten Herzens das ״Joch der Thora" abfchültelnd,! sich der heiligsten religiösen Verpflichtungen entschlagen! mochte. Ich bin weit entfernt, mir einen umfassenden j Blick und ein tieferes Verständniß für die Zeit! ströinungen;;;schreiben zu!vollen, aber die Ansicht, i welche sich mir bei ernstem Rachdenten über die eigenen! L^ahrnehmnngcn meines bereits sich seinem Endziele j nahenden Gebens ausgedrängt hat, möchte ich gern hier ׳ anssprcchen und sie damit einer allgemeinen Prüfung j unterbreiten.! Es will mir scheinen, als ob unsere großen und! wahrhaft srommcn und gelehrten Führer aus 'meiner! KindcSzeit eS sich zmncisl angelegen sein ließen, jenen j praktisch frommen und gewissenhaften Sinn innerhalb! der Gemeinden zn pflegen, welcher sich äugsilich scheut,! auch nur mit einer Uebertrctnng des geringsten religiösen! Brauchs sein Gewissen zn belasten, welcher keine ange-! legentlichcre Sorge kennt, als in jedem Augenblicke,; bei jeglichen; Borkommnisse des Gebens dasjenige zu . beobachten, was die Religion gebietet. Es ist ihnen! dieses auch allermaßen gelungen. Mit inniger Rührung betrachten wir daS Bild unserer Grvßeltcrn, welches uns als die verkörperte Pslichtersüllnng vor die Seele tritt. Die herzliche fromme Gesinnung, der nur an Gott und die Erfüllung seiner Gebote denkende Geist, die; hieraus entstammende Reinheit der Seele, daS sich hierauf 1 erbauende in jeder Vage des Vebens bcwührcndc felsenfeste j Gottverirancn — alles dieses, von einer ganzen Volksgemeinde in allen ihren Glicdern jahrhundertelang bclhätigt, das ist daS Werk dieser großen Männer. Und - ebenso ist cS ihr Werk, wenn in der Gemeinde Zucht; und Sitte heimisch war, wenn anfopfcrndc Menschen-; liebe jene oiiftitutioiicn sch ns, welche die höchste Zierde; eines jeden GcmcindelcbenS bilden, jene Vereine für die verschiedenartigsten Formen der Uebuug des Guten, wie sic in den alten Kehilloth geblüht, — ihr Werk, die musterhafte, allen religiösen Anforderungen ent-; sprechende Handhabung der für das praktische Veben unentbehrlichen Gemeindeanstalten. Ihnen verdaute!; , wir, was wir nnS be!vahrt haben von allen diesen Vorzügen, was wir an religiösem Fond besitzen. Aber es will ruich bedünken, als ob sie die Ber breitnng der ERsctzcsleinitniß zunächst und vornehmlich nur in denjenigen Kreisen zu fördern suchten, welche sich den höheren Studien widnictcn. Fern sei cS von n!ir, eine Trübung der lichten Gestatten dieser ehrwürdigcu Männer, deren Andenken uns heilig und zum Segen gereichen soll, zu beabsichtigen. Aber zur Erklärnug der Zeitcrschcimingen dürste cs leine Verletzung der schuldigen Ehrfurcht sein, die Wahrheit anSznsprechcn und die Thatsachcn so darzustellen, wie sie der redlichen Prüfung erscheine;:. 'M) meine, jene alten Rabbiner hätten znmcist ihre Ansn;erksamleit und Vehrihäiigkeit den Jünglingen;!!gewendet, welche sich um sie schaartcn, mn von ihnen in das innerste Heiligthnn; eingcsührt zn werden. Mit diesen ״Jüngern des Gesetzes״ hätten sie sich zumeist beschäftigt, mit ihnen hätten sie Tag und Rach! ״gekernt". Es eilten ja aus Rah und Fern zu denjenigen Rabbincn, deren Ruf als Gelehrte besonders verbreitet war, wißbegierige Jünglinge herbei NNd schöpften ans dein Duell ihres Wissens. Es konnte aber einer Gemeinde ein großer ״Ra!v", umgeben von einer ansehnlichen ..Ieschiwa", vorslchcn, es konnte in den; ״Beth-Hanndrasch" von; frühen Morgen bis zum späten Abend ״gelernt" werden, und dennoch in die eigentlichen Kreise der Gemeinde nur ein geringes Maß theoretischen Wissens dringen. Kurz, ich glaube, daß man ans die allgemeine Förderung dcS nothwcndigen Wissens nicht in den; Maße und mit der Sorgfalt eingewirkl hat,!vie eS eigentlich nothwendig gewesen sein dürfte, und daß, falls dieses gescheheu wäre, unserer Zeit vie! Trübes, vieler Irrthmn, viel Kampf erspart geblieben sein würde. Fonsrtzung folgt.) 3nr (1jffrtji(i){f der Juki; in Me,j!Ik1!l111rg. Unter Benutzung dco Don all) scheu Werlco.j iFudptt in 51rako!v nud GiisLvvu» und ihr Martyrium. ׳Fortsetzung.) In der Nähe von Güstrow wohnte eine getauste Dirne, die entartete Schwester des jüdischen Geineiudcältesten Elcasar zn Güstrow. Als sic eines TageS am Hause ihres Bruders vorüberging, wurde sic von ihrer Schwägern; zun; Eintreten cingcladen. Erstcre aber wies zornig die Einladung zurück, ihr beleidigend zurufend: sic wolle mit den Juden nichts mehr zn thun haben. Und als diese erbittert entgcgncte: sie sei ihres liederlichen Lebenswandels halber 6nS der Synagoge verstoßen worden und habe sich, mn; zum Christen-