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Jeschurun · 1884-11-13 · Heft 46 (13.11.1884) · p. 733

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 46 (13.11.1884)
Article
Deutschland : Aus Ostfriedland [Nachricht]
Date
1884-11-13
Page
733 (sequence 1)
Language
German
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S. \V. Ostfriesland, 20. Oftober. Es miif? 3cben in der Thal komisch bcriiljrcn, wenn er sieht, in wie lächerlicher Weise der A n t i s cm 11 i s 11t u S für die Oceichstagswahlen benutzt wird. Du haben die Nati onalli beralen im 1. hannoverschen Wahlkreise (Emden) folgendes Flugblatt vcrössentlicht: ״Wider den Fortschritt haben mir zugleich \\\ kämpfen gegen dessen Bundesgenossen, die Inden. Eugen Nichier und Levysohn, Dcntschsreisinnige und Inden; sie werden uns heute an der Wahlurne gegenüberstehen. Deshalb alle Mann auf Deck! Wähler, rasst Euch ans! Geschlossen wie ein Manu werden die Inden ans ihren .Kandidaten Brems stimmen; ba geht keine Stimme verloren! OstfriesenSollen wir unfern alten nationatliberalen Wahlkreis verlieren an solche Bundesgenossen!" Gut gebrüllt, Vöiuc! — Und zwar um so besser, als Herr Brous — kein Jude ist! v Ans der Pfalz, k. November. Bei den Wahlen in einer der Gemeinden der Borderpfalz hat ein Israelit auf seinen Stimmzettel folgende 'Worte geschrieben: ״Avis an die Israeliten: Wie Ihr auch immer wählet, So werdet Ihr doch geguälet — Der Stöcker ist unser Stock Und der Jude ist sein Sündenbock. Nun, so ganz Unrecht hat der Mann nicht. So meldet die ״Pfälzer Ztg." H München, November. Das ״edelste" aller antisemitischen Blätter, das ״Bayerische Vater׳ land", hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Dr. Sigl ist nicht mehr — Redakteur, d. h. für die nächste Zeit, und zwar ans dem sehr einfachen Grunde, weil er nämlich ״sitzt". Doch ein süßer Trost ist ihm geblieben: als Märtyrer steht er da, als Märtyrer der ״gnteit" Sache. ״Seit siebenzehn Jahren," sagt er selbst, ״bin ich Redakteur, bin als solcher bereits sechsundzwanzig Monate in den verschiedensten Gefängnissen gesessen" :c. Nun, es ist nicht zu leugnen, das; dies entschieden eine große Ehre ist - - Doch auck) ein Punkt berührt den Wackern schmerzlich, daß er nicht einmal den Trost haben kann, wenigstens von Inden oder liberalen ins Gefängnis; geschickt zu sein --- allerdings, da wäre er gewiß in noch hellerem dichte erschienen, als Märtyrer, als unschuldig leidender. - Uebrigens hat der Herr sich so sehr im Kampse gegen die Feinde des Vaterlandes, zu denen er ganz besonders die Inden zählt, angestrengt, daß ihm.eine längere Erholung an einem stillen, trauten Plätzchen wohl zu gönnen ist. Und das. thnn wir auch. . Zum Schluß will ich Ihnen eine Probe des edlen Geistes, welcher das genannte Blättchen beseelt, zur Erheiterung Ihrer geschätzten Leser bringen: Zwei Inden gingen ins Theater, Isaak der Sohn und Mauses der Vater. Das Publikum ringsum hielt sich die Nasen, Fürchterlich roch's nach -- Knoblauchsgasen. Kommentar überflüssig. Oesterreich-Ungarn. NikolSbrirH, im November.' Auch unsere Geineindc beging den hundertsten Geburtstag des allgemein verehrten Sir Moses Montcsiore Sonntag, den 2«;. v. M., Abends, in solenner Weise. Der Tempel — die ״Altschul" — war in allen seinen Räumen von Besuchern, unter welchen auch viele christliche Bürger sich besanden, gefüllt und bot in seinem Festschmucke und blendenden Lichterglanz einen herrlichen Anblick. Ans der Festprcdigt unseres Herrn Rabbiners Di׳. Fenchtwang, dem Glanzpunkt der Feier, erlaube ich mir, eine kurze Skizze zn geben. In gewohnter Meisterschaft entwarf er ein Lebensbild des greisen Jubilars. In kräftiger. Zügen führte er nnS dessen gottgefälliges Leben und segensreiches Wirken von der Jugend an bis znin hohen Greiscnalter vor die Seele. Bei der Erwähnung der eifrigen aber vergeblichen Bcmühung in der Mortara-Asfäre, hob er besonders hervor, wie sich jetzt erst der hohe Edelsinn des gefeierten Jubelgreises, seine innige Liebe gegen alle Menschen, ohne Unterschied des Glaubens und Stammes, glänzend bewährte und es sich gerade jetzt namentlich offenbarte, daß er von dem Geiste des IudenthumS, dessen Grundzug Liebe und Milde gegen alle Menschen ist, durchdrungen sei. Denn trotz der Erfolglosigkeit seiner Schritte in Betreff des jüdischen Knaben, trat er dennoch im heiligen Eifer kräftig für die von den Drusen verfolgten Ehristcn in Syrien ein und brachte ihnen Hülfe und Rettung. Diese edle That schilderte der geehrte *Redner in so feuriger Begcistentng, daß alle, auch die christlichen Zuhörer, sichtlich gerührt und bewegt waren... Im weitern Verlauf der Rede verglich er den edlen Jubilar mit Abraham. Wie cs von diesem heißt: ויעתק משם — ויקרא ישבן ה׳ zog auch er von Ort zu Ort, von Land zu Land und rief im Namen Gottes um Hülfe für die Bedrängten und Bedrückten, und wie Abraham וישמע כי נשנה אחיו וירק את הניניו, so hat auch er seine Eingeweihten, von ihm Erzogenen und ihm Gleichgesinnten zum Kampfe gerüstet für die Befreiung der unschuldig Verfolgten. Und ferner wie der Midrasch zur Stelle ואגדלה שמך bemerkt: יצא לו מוניטין בעולס על ידי מטבע שלו ,זקן וזקנה ומצד אהד ובהוד ובחולה מצד אהד, imjj Abraham gleich gottesfnrchtig und tugendhaft in seiner Kindheit und Jugend wie in seinem Mannes- und Greiscnalter war, und schon in seiner frühesten Jugend den Ernst und die Reise dcS Alters, und noch im hohen Greisenalter die Frische und Rührigkeit der Jugend besessen,

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